Während die Lyrik in Deutschland über viele Epochen hinweg Zeit hatte, sich Schritt für Schritt zu entwickeln und die einzelnen Phasen sich mitunter kaum voneinander abgrenzen lassen, weil sie mehr oder weniger fließend ineinander übergingen, machte die iranische Lyrik in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen beachtlichen Sprung. Jahrhundertelang war die Dichtung den klassischen Formen verschrieben, bis eine kleine Gruppe Dichter um Nima Yushidj zu Beginn der 20er Jahre begann, die Dichtung zu modernisieren. Eine beachtliche Auswahl an Liebesgedichten der wichtigsten Vertreter iranischer Lyrik im letzten Jahrhundert haben Gorji Marzban, Mehrzad Hamzelo und Rudolf Kraus in der Anthologie „Neun Gärten der Liebe. Zeitgenössische persische Liebesgedichte“ (Edition Roesner, Wien 2011) gesammelt.
Ernst Jünger – Leben und Werk in Bildern und Texten
Heimo Schwilk legt einen Prachtband vor
Mit dem Buch ‚Ernst Jünger – Leben und Werk in Bildern und Texten’ legt uns Herausgeber Heimo Schwilk einen Prachtband wie ein Muse um vor. Schwer, großformatig, in graues Leinen gebunden; für solche Objekte ist Druck und Buchbinderei erfunden worden.
Bahman Nirumand: Weit entfernt von dem Ort, an dem ich sein müsste
Ein Stück iranisch-bundesrepublikanische Geschichte
1967 mobilisierte Bahman Nirumands Buch „Persien – Modell eines Entwicklungslandes oder Die Diktatur der freien Welt“ im Zusammenhang mit dem Shah-Besuch in Deutschland das politische Bewusstsein vor allem der jungen, links-orientierten Studenten. Er lenkte den Blick der Öffentlichkeit erstmals darauf, wie sehr der Westen seine eigenen proklamierten Ideale mit Füßen tritt, wenn es um wirtschaftliche und geostrategische Interessen geht. Und der Spiegel unter Augstein bewies mit einem gegen Nirumand und auf die Rehabilitierung des Shah gerichteten Kampagnenartikel überdeutlich, dass er als kritisches Nachrichtenmagazin nicht ernst zu nehmen ist – woran sich bis heute kaum etwas geändert hat. Bei Nirumand hingegen hat sich viel geändert in den Jahren des Pendelns zwischen Heimat und Exil, des Lebens in zwei Kulturen, des Erlebens von politischen Umbrüchen hier wie dort, von gescheiterten Revolutionen und immer wieder aufflammender Hoffnungen. Seine nun erschienene Autobiographie „Weit entfernt von dem Ort, an dem ich sein müsste“ (Rowohlt) ist ein erlebtes Stück iranisch-bundesrepublikanischer Geschichte.
Mit “The Poetry of Iranian Women – A Contemporary Anthology” hat Sheema Kalbasi eine Arbeit gestemmt, die längst überfällig war: Ihr ist ein umfangreicher Überblick über die Dichtung iranischer Frauen gelungen, über Generations- und Ländergrenzen hinweg. Auch wenn dieses Kompendium längst nicht vollständig ist (was kaum zu bewältigen wäre) gibt es doch einen tiefen Einblick in die stilistische und inhaltliche Vielfalt von Lyrikerinnen, die ein Thema gemeinsam haben: die Emigration – sei es nun die innere oder die äußere. Nicht zuletzt präsentiert sie ein Panorama starker und selbstbewusster Stimmen, die gehört werden wollen.
Böke, Götterwind, Herbig, Hintzen kommen in Frieden
Wer Anfang der 1990er Jahre in seiner Lieblingskneipe ein gepflegtes Bier trinken, im interkulturellen Treffpunkt die Lokalmatadoren im Kickern herausfordern oder sich in der Justizvollzugsanstalt seines Vertrauens ein paar ruhige Stunden machen wollte, dem konnte es passieren, dass diese Horte der Geselligkeit seit dem letzten Besuch ihr Gesicht verändert hatten. Anlässlich eines in Berlin stattfindenden und mit dem romantischen Titel "Töte den Affen" versehenen Literaturfestivals hatten Thomas Nöske und Jörg A. Dahlmeyer mit Social Beat die Klammer um eine Literaturszene gelegt, welche sich sowohl thematisch als auch stilistisch an den US-amerikanischen Beat-Autoren, an modernen französischen Autoren, aber auch an deutschsprachigen Kapazitäten wie Fauser, Hübsch und (vor allem im CutUp-Bereich) Ploog orientierte und eine Alternative zum etablierten, sich elitär gebenden Literaturbetrieb darstellen sollte.