Murathan Mungan gilt als Popstar unter den jüngeren türkischen Schriftstellern. Wer seine kleine Romanparabel „Tschador“ gelesen hat weiß, warum. Ein anmutiges, elegant geschriebenes literarisches Kleinod, das eine immense Kraft entwickelt, das offen die Probleme und Sorgen eines zwischen Traditionalismus, Nationalismus und Aufbruch hin und her gerissenen Landes thematisiert, zugleich eine düstere Dystopie.
Im Marmarameer vor der asiatischen Küste nahe Istanbul liegen die Prinzeninseln – eine kleine, malerische Inselgruppe, die auf eine bewegte Geschichte zurückblickt. Im Sommer dienen sie der Istanbuler Oberschicht und Touristen als Ausflugsziel, im Herbst und Winter sind sie fast komplett verlassen. Der Dichter Joachim Sartorius begab sich Ende 2008 dorthin – um zu schreiben und die ganz besondere Atmosphäre der Eilande auf sich wirken zu lassen.
„Menschenlandschaften“ – das ist der Titel des Hauptwerkes des legendären türkischen Dichters Nazim Hikmet, der aufgrund seiner Gedichte und seines Engagements für Menschenrechte immer wieder verhaftet und verfolgt wurde, und der schließlich im Exil in Moskau starb, wo er, obwohl Kommunist, dem Stalin-Regime zuletzt sehr kritisch gegenüberstand. „Menschenlandschaften – Insan Manzaralari“ lautet nun auch der Titel einer opulenten deutsch-türkischen DVD-Box, in der Dokumentarfilmer Osman Okkan sechs türkische Schriftsteller, darunter auch Hikmet, portraitiert.
Eine poetische Auseinandersetzung mit Israel in einem facettenreichen Dialog aus Wort und Bild liefern der Dichter Johannes CS Frank und der Illustrator Felix Scheinberger in ihrem gemeinsamen Band „Erinnerungen an Kupfercreme“, der soeben in edler Ausstattung im Fixpoetry Verlag erschienen ist. Ein Buch als Gesamtkunstwerk, das den Leser, der immer zugleich Betrachter ist, auf eine faszinierende und komplexe Identitätsreise mitnimmt.
Im Jahr 2009 hielt der türkische Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk die Charles Eliot Norton Lectures an der Harvard University. Seine Vorlesungen über die Theorie des Romans sind nun unter dem Titel „Der naive und der sentimentalische Romancier“ bei Hanser erschienen (162 Seiten, 16,90 Euro).