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The Strokes

Die Magie der Superschlurfis

Rockband The Strokes

(tsch) Ein großer Junge mit mäßig geschwollenen Lidern steht da. Er trägt einen Sergeant-Pepper-Anzug. Dann fängt der Junge an zu singen, und aus dem müde wirkenden Kindergesicht erstrahlt die mal kraftvoll-schnoddrige, mal fahrige Stimme Julian Casablancas. Neben ihm vier ausgesprochen versierte Musiker. Zusammen waren The Strokes 2001 die Rettung der Rockmusik. Mit ihrem Debüt "Is This It" und zeitlosen Garagenrocknummern brachen sie damals in eine doch recht öde musikalische Ära ein. Dass sie dadurch freilich zahllose Nachahmer inspirierten, das zeigt ein Blick auf all die "The Bands", die im Fahrwasser der Strokes groß wurden. Doch im Unterschied zu den anderen ist bei den fünf Upper-Eastside-Jungs die Geste nie größer als die Musik, was auch das neue Album "First Impressions Of Planet Earth" beweist.

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Totgeschrieben und gehypet wird das adrette Quintett auch bei Album Nummer drei. Schon bei "Room On Fire" von 2003 hieß es, die Strokes hätten zwar ein großartiges Album geschaffen, an ihr Debüt käme es aber wohl nicht ran. "Wir haben uns verändert. Wir versuchen, keine der Bands zu sein, die sich ständig wiederholen", sagte Albert Hammond Jr., Sohn von Singer / Songwirter Albert Hammond ("It Never Rains In Southern California"), in einem Interview und weist damit den ständigen Vergleich mit "Is This It" in die Schranken.

Das Nölige in Julian Casablancas' Stimme ist geblieben, auch die straighten Riffs. Aber ansonsten überrascht "First Impressions Of Planet Earth" durch eine Verspieltheit, die man von den Glam-Schluffis so nicht erwartet hätte: mal kracht Achtziger-Jahre-Metal, dann zirpen Streicher. "Soundmäßig klingt es einfach viel größer. Wir wollten uns verändern und was Neues machen", sagt Nick Valensi, mittlerweile mit einer ordentlichen Heavy-Metal-Matte ausgestattet.

Zur Promo veranstalteten die Fünf einen semi-geheimen Gig in Berlin. "Wir spielen einfach unsere Songs. Das ist schon eine intime Sache, wie eine kleine Soiree", beschrieb es der Frontman. Am darauf folgenden Tag waren die Feuilletons voll mit Abgesängen. Von Avantgarde war die Rede, von bemühter Exklusivität, von der verzweifelten Suche nach neuen Zitatquellen. Diese künstlerische Beschäftigung mit einer New Yorker Garagenband, die aufgrund der Herkunft ihrer Mitglieder gerne noch mit dem Vorsatz Upperclass versehen wird, unterscheidet die Strokes noch weiter von den anderen.

Schon beim Debüt widmete "Der Spiegel" dem Quintett einen außergewöhnlich umfangreichen Text - wie es auch bei Franz Ferdinand der Fall war. Gerüchteweise wollen ausgerechnet diese beiden Kombos aus Schottland und New York sich nun zusammentun, um eine "Superband" zu gründen - Indie-Freunde dürften vor Glück wahnsinnig werden ...

Auch wenn Kulturjournalisten gar Mitleid mit Julian Casablancas, Sohn des Chefs der Model-Agentur Elite, empfinden, die Magie ist noch da. The Strokes haben schon drei Millionen Platten verkauft, und sich dennoch von allen Erwartungshaltungen freigemacht. Die Lässigkeit ihrer Songs umgibt auch Casablancas, Hammond Jr, den mal-wieder-und-dann-doch-nicht-Freund von Drew Barrymore, Fabrizio Moretti, Nick Valensi und Nikolai Fraiture selbst. Da können die Mädchen kreischen, wie sie wollen, aus The Strokes wird nimmermehr Take That. Schließlich ist der Engelsgesichtige am Mikrofon mittlerweile verheiratet, der Drummer wohl auch bald. Und mit all dem Gossip, der sogar die Essgewohnheiten von Fab Moretti und Drew Barrymore zum Thema macht, gehen die fünf ebenso entspannt um: "Darüber regen wir uns gar nicht mehr auf. Die Leute mögen es halt, so etwas zu lesen", meint Hammond jr.

Für den einzig aktuellen Skandal sorgten die Strokes indes doch wieder selbst: Das Video zur ersten Singleauskopllung "Juicebox" wurde aufgrund zu detaillierter Sexszenen zensiert.

Susanne Wolff


Sind nicht totzuschreiben: The Strokes.
Sind nicht totzuschreiben: The Strokes. (Sony BMG / Dan Winters)

Die Könige unter den Schlurfis: The Strokes.
Die Könige unter den Schlurfis: The Strokes. (Sony BMG / Frank Ockenfels)

Das macht fröhlich: The Strokes scheren sich nicht mehr drum, was über sie geschrieben wird.
Das macht fröhlich: The Strokes scheren sich nicht mehr drum, was über sie geschrieben wird. (Sony BMG)

Datum: 03.03.2006

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Diskussion: "The Strokes"

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