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The Strokes: First Impressions of Earth

The Strokes First Impressions Of Earth

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Mit der Relevanz moderner Rockbands ist das ja so eine Sache. Gerade aus England und dessen popmusikalischer Exklave New York werden uns Monat für Monat neue Bands um die Ohren geschleudert, die wir gefälligst als das nächste große Ding zu akzeptieren haben. Zuletzt waren das Art Brut, die Arctic Monkeys und We Are Scientists, wirklich etablieren werden die sich nicht. Bei den Strokes sah am Anfang alles ganz ähnlich aus. Junge Band, hungrig, wild, verdammt gut aussehend. Doch "Is This It" war eben keine Eintagsfliege, sondern ein Grundstein. Das zeigte "Room On Fire" vor knapp eineinhalb Jahren deutlich.

Jetzt also der dritte Streich. Und offenbar haben die Herren um Julian Casablancas Spaß daran, den Hörer an der Nase herumzuführen. Denn die erste Single "Juicebox" klingt dann doch etwas ungewohnt. Gitarren, die man auch bei den Labelkollegen System Of A Down entliehen haben könnte, treffen auf eine Rythmusarbeit, die nicht mehr rumpelt, sondern tight ist. Aber keine Sorge. Die Strokes haben nicht das Lager gewechselt. Nach wie vor geht es hier um den gepflegten und aufs Nötige reduzierte Popsong, der dem Hörer gewohnt schnoddrig, aber eben etwas versteckter dargeboten wird. Selbst wenn in "Heart In A Cage" die Gitarre im nicht ganz geschmackssicheren Eighties-Affekt quengelt, führt spätestens der Gesang zur Erkenntnis. Casablancas ist Fleisch gewordene Schlurfigkeit, ein Neuzeit-Bastard aus Lou Reed und Iggy Pop, der selbst aus sonst eher unamüsanten Themenkomplexen wie Rasierklingen und deren Verwendung ausserhalb der Gesichtspflege ("Razorblade") tanzbare Hymnen zaubert. Er schafft es, in "Vision Of Division" aggressiv zu leiden ("Why do i accept the things you say"), um sich direkt im Anschluss zu extrem muffig produzierten Streichern über die eigene Bedeutungslosigkeit zu echauffieren. Der große Hit der CD ist schließlich "Fear Of Sleep" mit seiner großartigen Bridge und dem kraftvollen Refrain, das so wohl auch auf "Room On Fire" gepasst hätte.

Drei Millionen Platten verkauften die Strokes bisher weltweit. "First Impressions Of Earth" - der Titel handelt übrigens davon, wie wohl Astronauten aus ihrem Raumschiff die Erde sehen - dürfte da noch ein paar Schippen drauflegen. Die Strokes haben sich emanzipiert, nicht nur von sich selbst, sondern auch von jedweden Erwartungshaltungen. Vielleicht braucht diese Platte ein paar Hördurchgänge mehr als ihre Vorgänger. Aber spätestens beim epischen "15 Minutes" wird klar, das sind Ausnahmetalente, Ausnahmesongwriter, Helden. Und über die Relevanz muss man da wirklich nicht mehr diskutieren.

Jochen Overbeck


Datum: 05.03.2006

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