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Joachim Witt: Bayreuth 3

Joachim Witt Bayreuth 3

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Nachdem bei Witt zuletzt "Pop" (2004) angesagt war, blasen nun die Hörner wieder zur Jagd. Der Träumer, Visionär und Rocker schließt - endlich, so mögen manche sagen - seine Bayreuth-Werkreihe ab. Sagenhafte fünf Jahre nach "Bayreuth 2" schickt der Künstler mit dem "wagnerianischen Pop-Gefühl" nun den dritten und letzten Teil hinterher. "Wo versteckt sich Gott? Und: "Wem gehört das Sternenlicht, und wem nicht?" - Vornehmlich sind es die ganz großen Fragen, die den zwischen Neo-Romantik, Naturalismus und Brachialo-Riffung wandelnden 56-Jährigen diesmal umtreiben.

Dass Witt mit zunehmendem Alter immer mutiger, dreister, besser wird, muss man vielleicht niemandem mehr erzählen. Dass er weit entfernt von jedweder Rechtslastigkeit ist, sicher ebenfalls nicht - auch wenn sich der Begleittext zum Album da diesmal merkwürdigerweise besondere Mühe gibt und Witt als links-intellektuellen "ATTAC-Sympathisanten" darstellt. Wer das braucht, wird diesen Künstler ohnehin nie verstehen. Und so genannte Künstler, die sich so klar politisch-korrekt positionieren und den interpretatorischen Freiraum auf ein Minimum reduzieren, haben wir schon mehr als genug. Witt ist möglicherweise der letzte große Visionär und Provokateur im deutschsprachigen Pop, ein Künstler ohne jede Erklärungsnot. "Ich bin dieser Träumer draußen am Meer, und mich packt diese Wehmut so schwer", singt er in "Wem gehört das Sternenlicht?" Der Grenzbereich ist seine Heimat. Und die sollte man ihm und jenen, die ihn mögen, lassen.

Witts Breitwandsound, der oft mit einem wütend stampfenden Elektro-Marsch aus den Boxen donnert, ist die Kulisse für eine Pop-Lyrik, die einzigartig ist in diesem Lande. Witt gibt sich in seinen Aussagen aufwieglerisch ("Irgendwann, dann stopf ich den Schmutz"), verschroben ("Mein Leben im Staub") und herrlich böse ("Ich spreng' den Tag und fütter' die Nacht"). Ein bisschen ist "Bayreuth 3" auch als Bekenntnis zur eher düster-musikalischen, schwarzen Szene zu werten. Er singt mit Lacrimosas Tilo Wolff, lässt "Wo versteckt sich Gott?" von den Elektro-Helden VNV Nation remixen und interpretiert Musik von anderen Szene-Größen ("Tiefenrausch" von Nik Page und Bernd Wendlandt). Ein starkes Witt-Album, auf dem auch einiges mit Hitverdacht zu finden ist, aber, klar, auch ein Witt schreibt etwas so unfassbar Schönes, wie das Duett mit Jasmin Tabatabai "Erst wenn das Herz nicht mehr aus Stein ist" (vom letzten Album) nicht alle Tage ...

Frank Rauscher


Datum: 05.03.2006

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