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Neil Diamond: 12 Songs

Neil Diamond 12 Songs

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Auf ihn hatte nun wirklich keiner mehr einen Penny gesetzt. Umso erstaunter registrierte man im letzten Jahr die Ankündigung, dass Kultproduzent Rick Rubin ein neues Album des seit mindestens zwei Jahrzehnten der künstlerischen Bedeutungslosigkeit anheim gefallenen Neil Diamond betreuen wollte. Nachdem Rubin seinen Schützling Johnny Cash 1994 mit den "American Recordings" zum sensationellen Comeback verholfen hatte, dürfte sich Altmeister Diamond von Rubins Arbeit einen ähnlichen Jungbrunnen versprochen haben.

Zu Recht, wie sich nun zeigt. Dass Rubin dabei allerdings von Diamonds patentiertem Pop-Operetten-Schmonzens so gut wie nichts übrig lassen würde, damit dürfte der Mann aus Brooklyn, der seinen letzten großen Erfolg 1980 mit dem Film "The Jazz Singer" plus dazugehörigem Soundtrack feierte, kaum gerechnet haben. "12 Songs" betont die Nähe zum Folk und bietet Neil Diamond pur, fast möchte man sagen: nackt. Die Stücke sind ausnahmslos karg instrumentiert, verzichten auf studiotechnischen Pomp und legen so den Blick frei auf die Themen, die den inzwischen 65-Jährigen umtreiben. Die Liebe, natürlich, schon die Songtitel sagen das - "Oh Mary", "Delirious Love", "I'm On To You" - aber Diamond zeichnet sie in Sepiafarben, über seinen Songs schwebt das weise Wissen um Abgrund, Tod und Vergänglichkeit. Wenn er seine angenehm zurückhaltende Stimme dann doch mal erhebt und in "Man Of God" zum schweren Hammond-Gospel-Groove predigt, dann möchte man jubilieren und Mr. Rubin auf Knien danken, dass er uns den Neil Diamond beschert hat, den wir seit nunmehr drei Jahrzehnten vermutet, aber nie gehört haben. Denn "12 Songs" ist das beste Diamond-Album seit "Beautiful Noise" - mindestens.

Jürgen Moll


Datum: 07.03.2006

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Diskussion: "Neil Diamond: 12 Songs"

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