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Annett Louisan, Sängerin
Gehirn aus, Gefühl anSängerin Annett Louisan (tsch) Mit zehn Zentimeter hohen Absätzen steht die kleine 26-jährige Annett Louisan am Abend vor dem Interviewtermin auf der Bühne des Münchner Künstlerhauses. Das niedliche schwarze Kleid im Dreißiger-Jahre-Stil passt perfekt zum Auftritt der blonden Sängerin: verschmitztes Flirten mit dem Publikum, Atmosphäre wie in einer Jazz-Lounge und im Gepäck die brandneuen Songs des zweiten Albums "Unausgesprochen", das in der ersten Verkaufswoche in den Charts gleich von Null auf Drei schoss. Ihre sympathische Mädchenhaftigkeit, ihre klare Stimme und die wortspielerisch bis ins Detail ausgefeilten Texte wickeln das Publikum gekonnt um den Finger. Am Tag darauf wartet im Hilton-Hotel eine zwar nicht ganz ausgeschlafene, aber dennoch gut gelaunte Annett auf das Gespräch - mit einer Ausgabe der "Vogue" in der Hand ... Anzeige
teleschau: Du hältst Dich auf dem Laufenden? Annett Louisan: Ja, so zwischendurch muss das ab und zu sein. Dann blättere ich umher und bleibe irgendwo kleben. Ich muss meine Zeit gut planen und versuche möglichst viele Infos auf einmal aufzunehmen. teleschau: Wie verläuft Deine Freizeit sonst so? Annett Louisan: Ich hänge gerne ab und genieße die Stille. teleschau: Hast Du Dich mittlerweile an den Rummel um Deine Person gewöhnt? Annett Louisan: Ja, so'n bisschen. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Irgendwann kehrt die Normalität ein. Obwohl ich eine schöne Normalität erlebe. Es ist allerdings nicht immer einfach, in einem derart kommerziellen Rahmen erfolgreich zu sein. Man hat einfach wenig Zeit. teleschau: Hast Du noch Lampenfieber, wenn Du auf der Bühne stehst? Annett Louisan: Ja, gepflegtes Lampenfieber. Das muss sein. Ich glaube nicht, dass ich das jemals verlieren werde. Das beflügelt mich! teleschau: Ist es nicht besonders aufregend, wenn man mit ganz neuen Liedern auf der Bühne steht? Annett Louisan: Im besten Fall schaltet man einfach das Gehirn aus und das Gefühl an. Zu viel Nachdenken ist nicht gut. Toll ist aber bei neuen Songs, das erste Mal damit auf der Bühne zu stehen und sie live zu performen. teleschau: Hast Du schon einmal den Faden verloren? Annett Louisan: Oh ja, neulich bei "Der Blender" sang ich "wie ein Pfropfen im Meer" statt "wie ein Tropfen im Meer". Ich musste aufpassen, dass ich nicht anfange, loszulachen. Ich durfte mich auch nicht umdrehen, denn meiner Band fielen fast die Instrumente aus der Hand. Das Publikum merkte das gar nicht so. Konzentration gehört auf alle Fälle dazu. Ich nehme Auftritte sehr ernst. Denn es kommen Leute, die sich Tickets gekauft haben. Und denen will ich schließlich etwas zurückgeben. Da darf nicht so eine unvorbereitete, unkonzentrierte Frau auf der Bühne stehen. Die Zuhörer müssen mir aber auch folgen. teleschau: Deine Texte sind oft witzig, voller Wortspiele, und das Publikum schmunzelt amüsiert. Annett Louisan: Dennoch ist es nicht mein Ziel, lustig zu sein. Man sollte nicht voraussetzen, Leute zum Lachen zu bringen. Allerdings ist das ein toller Nebeneffekt. Schön ist, wenn man etwas macht, worüber man selbst lachen kann. teleschau: Auf Deinem neuen Album "Unausgesprochen" hast Du selbst viel mehr mitgetextet als beim ersten, "Bohème". Trotzdem ist Frank Ramond für viele Zeilen verantwortlich. Annett Louisan: Frank ist der Architekt für meine Gedanken. Ich gebe ihm Ideen, die er verständlich und bildhaft macht. Das klappt sehr gut zwischen uns. Außerdem habe ich gar kein Problem damit, dass ich nicht alle Lieder selbst getextet habe. Ich muss eine Sache nicht alleine machen, damit sie realistisch und echt wirkt. Ich stehe ja auch nicht alleine auf der Bühne. Das macht zusammen erst richtig Spaß, und erst dann wird es Musik. teleschau: Wo nimmst Du die Inspiration her? Annett Louisan: Man muss im Leben schon richtig hingucken. Es ist aber sicher nicht wichtig, mit 1.000 Männern geschlafen zu haben, um Dinge zu durchschauen. Man kann auch alles mit einem erleben. teleschau: Hast Du denn alles erlebt, was Du da besingst? Annett Louisan: Nein, natürlich nicht. Aber ich versuche, eigene Erfahrungen in eine Geschichte zu packen. Es ist am Ende oft schwierig zu sagen, was von alldem selbst erlebt ist, was ausgedacht, was gehört ist und was gelesen. Es handelt sich um sehr allgemeine Themen. Aber ich spiele gerne mit Klischees. Es steckt ja auch 'ne Menge Wahrheit drin. teleschau: Wie bei "Eve" zum Beispiel. Es gibt sicher viele Menschen, die auch so eine Hass-Freundin haben ... Annett Louisan: Ja, die meisten reagierten bei dem Song sehr schmunzelnd. Ich glaube, jeder kennt so eine "Eve". Ich merke, dass viele Leute froh sind, wenn ein anderer über Dinge singt, die sonst nicht ausgesprochen werden. Und über die sie dann selbst nicht reden müssen ... teleschau: Gibt es etwas, das Du am neuen Album grundlegend anders machen wolltest? Annett Louisan: Ich hatte durch meine erste Platte große Hilfe und angefangen, einen Traum zu entwickeln: der Beginn von Annett Louisan, auf dem ich aufbauen konnte. Inhaltlich wollte ich mich natürlich nicht wiederholen. Musste ich auch gar nicht. Dafür ist das Spektrum viel zu breit. Ich wollte auch meinen Sound nicht verlieren. Musikalisch habe ich versucht, mehr Instrumente hineinzubringen. Außerdem bemerkte ich, dass ich auf alles meinen Stempel drücken kann, dass ich gar nicht so vorsichtig sein muss. teleschau: Wer ist eigentlich Torsten Schmidt? Existiert so einer wirklich? Annett Louisan: Ja, so einen gibt's tatsächlich! Mit roten Haaren und langer Nase. Die vielen Torsten Schmidts werden mir die besungenen Vorurteile verzeihen ... Ein paar Torsten Schmidts habe ich sogar auf der Homepage! teleschau: Du bekommst sicher viel Fanpost ... Annett Louisan: Ja, ziemlich, und ich versuche noch immer, möglichst alle Briefe zu beantworten. Es ist verrückt, wie groß das Mitteilungsbedürfnis der Menschen ist. Die meisten versuchen, mir ihre eigene Geschichte zu erzählen. teleschau: Singst Du auf Deutsch, damit Deine Songs verständlicher sind? Annett Louisan: Es ist zumindest sehr vorteilhaft, wenn man will, dass die Leute einen verstehen. Mit der englischen Sprache kann man sich besser verstecken. Es ist manchmal sogar schwieriger in der Muttersprache zu singen, denn deutsche Songs nerven schneller, weil man den Texten immer zuhört. Ich habe aber nicht vor, englische Lieder zu schreiben. Es ist außerdem ziemlich mühsam, Humor in eine andere Sprache zu übertragen. Französisch könnte ich mir besser vorstellen, obwohl mir sehr wichtig ist, dass mich mein Publikum versteht. Die Tourdaten 2006: 01.02., Lüneburg, Vamos 02.02., Hannover, Theater am Aegi 03.02., Dortmund, Westfalenhalle 2 04.02., Kassel, Stadthalle 06.02., Göttingen, Stadthalle 07.02., Osnabrück, Stadthalle 08.02., Braunschweig, Stadthalle 10.02., Dresden, Alter Schlachthof 11.02., Chemnitz, Stadthalle 12.02., Erfurt, Alte Oper 13.02., Mannheim, Mozartsaal 14.02., Nürnberg, Meistersingerhalle 16.02., Stuttgart, Hegelsaal 06.03., Düsseldorf, Tonhalle 07.03., Kiel, Schloss 08.03., Berlin, Schillertheater 09.03., Berlin, Schillertheater 14.03., Hamburg, Laeizhalle 16.03., Bremen, Glocke 17.03., Bamberg, Konzerthalle/ Joseph-Keilberth-Saal 18.03., Saarbrücken, E-Werk 31.03., Wien, Halle F 01.04, Graz, Orpheum 02.04., Linz, Posthof 04.04., Bern, Bierhübeli 05.04., Zürich, Kaufleuten 17.04., Köln, Philharmonie Julia Schöppner |
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