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Robbie Williams

Wie das klingt? Egal!

Popstar Robbie Williams

(tsch) Da stand er plötzlich auf einer Bühne im Berliner Flughafen Tempelhof und begrüßte die Weltpresse. Anzugweste, Hemd, Jeans. Gut sah er aus, der Robbie Williams. Und gut fühlte er sich auch. Immerhin stellte er sein neues Album "Intensive Care" vor, und das ist die wohl am heißesten erwartete Platte des gesamten Jahres. Wie sie nun klingt, ist trotzdem streng genommen irrelevant. Wichtig ist das Drumherum: Gemurre in Journalistenkreisen, die sich das Ding vor der Pressekonferenz nur auf einem fummeligen Mobiltelefon anhören durften. Fan-Scharen, die diverse Eingänge eines Berliner Edel-Hotels besser bewachten als Polizei und die eigene Robbie-Security. Ein Fußballspiel, bei dem sich der Star so sehr verletzte, dass er das nächstabendliche Konzert ohne Zugaben beenden musste. Und eine junge Dame, die angeblich das tat, was Umfragen zufolge 90 Prozent der weiblichen Bundesbürger auch durchaus angenehm finden würden: Robbie poppen. Fazit: Der Mann ist der einzig existente Popstar.

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Das hätte man vor ein paar Jahren nicht unbedingt erwartet. Gesetzt waren nach der Auflösung von Take That für diesen Posten andere. Zum Beispiel Gary Barlow, romantisches Schlafzimmer-Sensibelchen im Netzhemd, oder Mark Owen, der sich verklärt-verzückt in einen Wasserfall stellte und vom "Child" sang. Was tat Robbie? Er wurde erst einmal dick, nahm Drogen und freundete sich mit Zeitgenossen an, die sonst eigentlich niemand mochte. Mit Liam und Noel Gallagher, zum Beispiel. Es folgte die Veröffentlichung von "Freedom". Eine ordentliche Coverversion des George-Michael-Klassikers, aber nichts Revolutionäres.

Als er im Herbst 1997 zum ersten Mal in Deutschland spielte, war das eine dementsprechend skurrile Angelegenheit. Kleine Clubs, die nicht mal ausverkauft waren, mit den Supernaturals eine herrlich verschrobene Britpop-Band als Support, und eine Erkenntnis: Ohne Background-Sänger packt der's nicht!

Er hat's gepackt. Und zwar in einem dynamischen Prozess. Robbie Williams ist so eine Art Existenzgründer der Popmusik, der eben dank seiner Boygroup-Vergangenheit über das nötige Kleingeld und - wichtiger - Erfahrungswerte verfügte. Die ersten beiden Alben, das mediokre "Life Thru A Lens" und das ordentliche "I've Been Expecting You" erfüllten - sieht man vom massiven Single-Hit "Angels" ab - exakt die gesetzten Erwartungshaltungen.

"Sing When You're Winning" schließlich, der dritte Streich, zeigte: Das hier ist nicht nur ein Sänger, das hier ist einer der Größten der Welt. Das ausgekoppelte "Rock DJ" wurde nicht zuletzt wegen seines großartigen Videos zu einem der Hits des Jahres, die Spitzenposition in den Charts blieb dem Album jedoch verwehrt. Erst "Swing When You're Winning", diese streng genommen wenig originelle Sammlung alter Standards, schaffte es auf die Pole Position - und krallte sich dort acht Wochen lang genüsslich fest. Ab hier war eigentlich alles klar, ab hier verkaufte sich alles, was irgendwie mit Robbie zu tun hatte, ausnehmend gut.

Zeitsprung in die Gegenwart. Neben den oben erwähnten Skandälchen taucht Robbie momentan auf sehr vielfältige Art in den deutschen Medien auf. Da diskutiert der Stadtrat in Köln über ein geplantes Open-Air auf den Jahnwiesen. Weil da ein Biotop ist, das die 100.000 erwarteten Besucher wohl kaum mit der nötigen Fürsorge umschiffen werden, gleiches gilt für ein paar alte Bäume. Der Star selbst lässt derweil verlauten, dass er a) gerne eine Frau wäre, b) mit denen gerne schlafe, aber weniger gerne frühstücke und c) durchaus darüber nachdenkt, sich entweder Scientology, der Kabbala-Lehre oder dem Buddhismus anzuschließen. Hauptsache, irgendetwas mit Spiritualität. Und sogar die Information, dass Williams in Los Angeles in einer bekannten Coffeeshopkette eine Latte trank, ohne von der Bedienung erkannt zu werden, taugt als Grundstock für eine Agenturmeldung.

Dass Robbie Williams auch noch Musik macht, kann man da schon einmal vergessen. Und so verwundert es auch nicht, dass kaum einer der Journalisten, die in Berlin dabei waren, etwas über die Lieder erzählte. Sogar die Tatsache, dass Stephen Duffy, einer der besten Songwriter Englands, dem bisherigen Erfüllungsgehilfen Guy Chambers folgte, scheint eher egal zu sein. Vielleicht ändert sich das nun, da die Platte auf dem Markt ist. Vielleicht wird jetzt in den Büros, Kneipen und Klassenzimmern dieser Welt über Kopfstimme, Stephen Duffys Eighties-Pop und Reggae-Referenzen diskutiert. Wir glauben: Eher unwahrscheinlich. Wichtig ist das Drumherum. Und das wird uns in den nächsten Monaten bestens unterhalten.

Jochen Overbeck


Eine Gefahr für die Feuchtbiotope Nordrheinwestfalens: Robbie Williams veröffentlicht "Intensive Care".
Eine Gefahr für die Feuchtbiotope Nordrheinwestfalens: Robbie Williams veröffentlicht "Intensive Care". (EMI)

Robbie Williams verändert auf "Intensive Care" sein Pop-Konzept behutsam, aber deutlich.
Robbie Williams verändert auf "Intensive Care" sein Pop-Konzept behutsam, aber deutlich. (EMI)

Hobbies: Fußballverletzungen, Pressekonferenzen, Frauen. Robbie Williams ist zurück.
Hobbies: Fußballverletzungen, Pressekonferenzen, Frauen. Robbie Williams ist zurück. (EMI)

Datum: 11.11.2005

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Diskussion: "Robbie Williams"

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