logo
Anzeige
The Corrs

Das Erbe weitertragen

Band The Corrs

(tsch) Als die irischen Geschwister Andrea, Caroline, Sharon und Jim Corr Mitte der Neunziger zu Weltruhm aufbrachen, da waren sie ein Geschenk an die Plattenindustrie. Drei fast schon unwirklich schöne Schwestern, die dazu noch ihre eigenen Songs schrieben und melodischen Ohrwurm-Pop mit irischen Folkelementen spielten - diese Formel musste einfach aufgehen. Die Corrs verkauften etwa 25 Millionen CDs und wurden damit eine der erfolgreichsten Bands ihrer Heimat. Der setzen sie jetzt ein Denkmal: "Home" ist eine Sammlung von Coverversionen, die auch die traditionellen Weisen der Insel hinreichend berücksichtigt. Zudem erscheint bald eine Live-DVD, die den langen Weg der Geschwister skizziert. Caroline und John Corr erzählen im Interview, wie das alles kam.

Anzeige

 

teleschau: Eure neue CD heißt "Home". Was bedeutet das für Euch, was ist Eure Heimat? Ihr seid viel unterwegs und lebt heute über ganz Europa verstreut ...

Caroline Corr: Meine Heimat wird immer Irland sein. Die Kleinstadt, in der ich aufgewachsen bin, dort, wo meine Freunde leben. Der Ort, den ich einfach mit Erinnerungen verbinde. Natürlich, wenn ich in meinem Haus auf Mallorca bin und meine Familie um mich herum habe, dann ist das auch ein Zuhause. Aber die Heimat, die ist doch noch mal etwas anderes ...

Jim Corr: Es ist einfach ein tiefes Gefühl, ein Band, das Irland und uns zusammenhält. Eine Art Nostalgie.

teleschau: Was fällt Euch als Erstes ein, wenn Ihr an Irland denkt? Was fehlt Euch, wenn Ihr on the road seid?

Jim Corr: Was man vermisst hat, das fällt einem immer erst auf, wenn man nach längerer Zeit zurückkehrt. Und da ist das Erste, was ich sehe, diese Farbe. Irland ist grün. So grün wie kein anderes Land auf dieser Welt. Das sieht man, und das riecht man. Das hat natürlich mit dem Regen zu tun, den man, wenn man dort ist, manchmal verflucht. Aber ohne ihn wäre dieses Land nicht so unbeschreiblich schön.

teleschau: Inwieweit haben Euch in Eurer Jugend die Auseinandersetzungen zwischen Protestanten und Katholiken und der Nordirland-Konflikt beschäftigt?

Jim Corr: Auf dem europäischen Festland hat man oft den Eindruck, dass in Nordirland alle ununterbrochen kämpfen. Das ist nicht so, der bewaffnete Konflikt beschränkte sich auf ganz wenige Regionen und Ziele. Ich hoffe natürlich, dass es bald zu einer Lösung kommt, es gibt ja schon so eine Art Waffenstillstand. Und: Die europäischen Länder rücken schließlich immer näher aneinander, die Grenzen verschwinden schließlich. Das muss doch Auswirkungen haben!

teleschau: Reden wir über "Home". Wie lange seid Ihr mit der Idee zu dieser Platte schwanger gegangen?

Caroline Corr: Ich denke, das war eine dieser Sachen, die jeder irgendwie im Hinterkopf hatte. Wir kannten alle viele Traditionals aus unserer Kindheit, aber natürlich auch viele andere wunderbare Lieder. Wir wussten also, dass die prinzipiellen Anlagen für so eine Platte vorhanden waren. Während des Aufnahmeprozesses zu "Borrowed Heaven" wurde das dann konkreter. Ich hatte auch die Idee, eine CD nur mit Instrumentals zu machen. Aber auch das wird irgendwann sicher noch kommen.

teleschau: Mit Verlaub, das klingt nicht nach einer Idee, von der Euer Label begeistert wäre. Ein Album ohne Hit-Single?

Caroline Corr: Stimmt, man müsste wohl etwas an sie hinreden (lacht). Aber auch bei diesem Album ist ja nicht ausgemacht, dass es so gut läuft wie die regulären Studioalben ...

teleschau: Wie gingt Ihr an die Songauswahl heran?

Jim Corr: Wir probierten einfach viel aus. Bei einigen an sich sehr schönen Liedern stellten wir rasch fest, dass die so für uns nicht funktionieren. Und obwohl es insgesamt eine ganz schöne Masse an Material war, ging letztendlich alles sehr schnell.

teleschau: Ist die Art und Weise, in der Ihr mit fremdem Material, mit Traditionals, umgeht, eine andere als bei eigenen Liedern? Hat man da mehr Respekt?

Jim Corr: Jein. Natürlich hat man Respekt. Andererseits versuchten wir eben, die Songs so aufzunehmen, dass sie typisch für uns sind, und zwar was die Vocals, aber auch was die Instrumentierung angeht. Die meisten der Songs wurden über Jahre weg von diversen Acts aufgenommen, immer und immer wieder. Viele der Versionen ähneln sich sehr. Wir wollten aber eine Corrs-Platte machen, und dafür mussten wir schon einiges ändern.

teleschau: Zwei Songs habt Ihr auf Gälisch aufgenommen. Was ist Eure Beziehung zu der Sprache? Wie aktuell ist sie?

Jim Corr: Wir sind keine Muttersprachler, weshalb wir auch niemals eine ganze Platte in dieser Sprache aufnehmen würden. Aber sie wird in der Schule unterrichtet, natürlich nicht als Pflichtfach. Man darf eines nicht vergessen: Vor ein paar hundert Jahren sprach jeder in Irland diese Sprache. Aber dann kamen unsere Nachbarn herein und zwangen uns eine andere Sprache auf. Und im Ausradieren des Gälischen oder Irischen, da leisteten sie ganze Arbeit. Gleichwohl gibt es noch Dörfer, gerade an der Westküste, in denen man sie spricht. Es gibt auch Regierungsprogramme, die ihre Verbreitung fördern. So kann lassen sich an einigen Schulen Prüfungen auf Irisch ablegen.

teleschau: Im November erscheint mit "All The Way Home" eine opulent ausgestattete Doppel-DVD. Was wird da drauf sein?

Caroline Corr: Im Prinzip die Geschichte unserer Band. Vom Anfang bis zur Jetztzeit. Die DVD zeigt uns bei Auftritten, aber auch, dass diese Band unser Leben ist. Ein guter Bekannter von uns war einfach Jahre lang dabei und hat draufgehalten. Bei Auftritten, aber auch bei Aufnahmesessions. Und auch dann, wenn wir es nicht mal merkten (lacht). Es ist eine Reise.

teleschau: Hat die Kamera manchmal genervt?

Caroline Corr: Ja. Nach einem anstrengenden Tag, wenn du noch im Stress, aber schon total fertig bist, nur noch schlafen gehen möchtest und dich dann einer filmt, dann ist das nicht so super. Aber das sind eben Momente. Wenn wir jetzt das große Ganze, das Ergebnis sehen, dann erkennen wir, dass es das alles wert war.

teleschau: Wart Ihr an der Auswahl der Bilder beteiligt?

Jim Corr: Um Himmels Willen, nein. Das haben wir anderen überlassen. Wir waren sozusagen die Quelle und als solche für alle Aufgaben, die mit Inhalt oder Schnitt zu tun haben, denkbar ungeeignet.

teleschau: Angst vor peinlichen Altlasten?

Caroline Corr: Natürlich, da wären sicher schreckliche Szenen dabei, die wir sofort herausschneiden würden. Aber die sind eben auch Teil der Corrs, Teil unserer Geschichte. Es gibt auf der DVD Tanz-Szenen, da waren wir Teenager. Das jetzt anzuschauen, befremdet schon ein wenig. Aber was soll's. Das muss uns nicht peinlich sein. Und deshalb ist es nur richtig, dass das jetzt ans Tageslicht kommt. Zumal man darüber wirklich gut lachen kann.

Jochen Overbeck


Mit "Home" veröffentlichten die Corrs jetzt eine CD mit Fremdkompositionen, eine Live-DVD soll folgen.
Mit "Home" veröffentlichten die Corrs jetzt eine CD mit Fremdkompositionen, eine Live-DVD soll folgen. (Warner)

Ton gewordene Nostalgie: Die Corrs machen Pop-Pause und widmen sich der Musik ihrer Heimat.
Ton gewordene Nostalgie: Die Corrs machen Pop-Pause und widmen sich der Musik ihrer Heimat. (Warner)

Fremde Songs, die Corrs-Songs wurden: "Home" ist die bisher schönste Platte der Corrs.
Fremde Songs, die Corrs-Songs wurden: "Home" ist die bisher schönste Platte der Corrs. (Warner)

Datum: 11.10.2005

Facebook aktivieren

Diskussion: "The Corrs"

Um eine Diskussion zu "The Corrs" zu beginnen melden Sie sich bitte im Forum an. Wenn Sie noch nicht registriert sind, können sie sich jetzt registrieren um an den Diskussionen teilzunehmen.
Artikel ID 160687

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

    "Nonsense in the Dark" der Filthy Dukes ist eine Entdeckung
    Die Grenzen zwischen elektronischer Tanzmusik und klassischem Indie-Rock verwischen seit einigen Jahren immer mehr. Neben Gitarrenbands, die Remixe anfertigen lassen, gesellen sich Elektro-Acts, die über ...

    Unmotiviert und abgenudelt: Neil Youngs "Fork In The Road"
    Die Propagandamaschine des Erwachsenenrocks wird ja nicht müde zu betonen, welch verlässliche Größe einer wie Neil Young im schnelllebigen Musikbusiness sei. Dabei gibt es unter den großen, befähigten ...

    Meisterwerk von Depeche Mode: "Sounds of the Universe"
    Auf die Treue ihrer Hörerschaft schwören ja viele. Aber U2 hin, Metallica und AC/DC her, wohl keine andere Band dieses Kalibers wird - gerade in Deutschland - so kultisch und bedingungslos von ihren Fans ...

    Erasure-Hommage: "Total Pop! Deluxe - The First 40 Hits"
    Natürlich ist der Titel eine Übertreibung: 40 Hits, die man wirklich als solche bezeichnen kann, hatten Erasure nicht. Aber "Total Pop! Deluxe - The First 40 Hits", ein aufwendiges Drei-CD-plus-DVD-Boxset, ...

    Märchenhaft: "Still Night, Still Light" von Au Revoir Simone
    Synthie-Pop ist ja an sich ein schöner Sammelbegriff. Die drei Damen von Au Revoir Simone nehmen den allerdings sehr wörtlich, denn außer Tasten und hübschen Stimmen gibt es auf "Still Night, Still Light" ...

    Peaches' "I feel Cream": immer noch dreckig, aber poppiger
    Konstanz ist vielleicht nicht gerade das Wort, welches man auf Anhieb mit der Kanadierin Merrill Nisker, alias Peaches, in Verbindung bringen würde. Wer jedoch einen Blick auf ihre bisherige Diskografie ...


 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 38 - id = 1049 - task = view - option = com_content - limitstart= 0