logo
Anzeige
The Eagles

"Wir sind nicht faul"

Band The Eagles

(tsch) Jedes Lagerfeuer, an dem sich ein halbwegs versierter Gitarrist wärmt, bekommt es zu hören: das "Hotel California" von den Eagles. Die gezupfte Ballade vom düsteren Haus im sonnigen Staat an der Westküste ist sicherlich eins der bekanntesten Lieder der Popgeschichte. Und trotzdem sind die Eagles das genaue Gegenteil eines One-Hit-Wonders. In den Siebzigern hievte die Supergroup um die beiden Chefsongschreiber Don Henley und Glenn Frey gleich vier Alben und fünf Singles an die Pole-Position der US-Charts. 1980 löste sich die Band auf, Henley und Frey feierten Solo-Hits, doch seit 1994 gibt es die Eagles wieder. Auch wenn sie seitdem hauptsächlich die große Hitparade ihrer eigenen Evergreens auf Tour präsentieren: Die Eagles sind in vielen Teilen der Welt immer noch einer der größten Live-Magneten im Rockzirkus. So zum Beispiel in Australien, wo die fleißigen Mittfünfziger im vergangenen Herbst eine Live-DVD aufnahmen, die man nun käuflich erwerben kann. Bassist Timothy B. Schmit plaudert deswegen ein bisschen aus dem Eagles-Nähkästchen.

Anzeige

 

teleschau: Gibt es einen Grund dafür, warum Sie Ihre DVD ausgerechnet in Australien aufgenommen haben?

Timothy B. Schmit: Nun, wir wollten letztes Jahr eine Live-DVD aufnehmen. Da wir von September bis November drei Monate lang im fernen Osten und Australien unterwegs waren, haben wir uns einfach Melbourne ausgesucht. Wir spielten dort vier oder fünf Shows, drei Abende zeichneten wir auf.

teleschau: Ist es schwierig, aus verschiedenen Gigs ein einziges DVD-Konzert zu schneiden?

Schmit: Nein, so etwas machen viele Musiker. Die Reihenfolge der Stücke ist bei uns an jedem Abend die gleiche. Da ist es viel wichtiger, dass du bei jedem Dreh dieselben Klamotten trägst. Der Vorteil dieser Arbeitsweise ist: Wenn ein Song an einem Abend mal nicht so gut läuft, dann hast du immer noch andere Versionen zur Auswahl.

teleschau: Seit der Reunion der Eagles steht das Touren im Vordergrund. Ist das wichtiger, als neue Musik aufzunehmen?

Schmit: Konzerte fallen uns einfach leichter. Wir sind nicht faul, wir waren öfter im Studio und haben immer wieder versucht, neue Eagles-Stücke aufzunehmen. Aber irgendwie sind wir da in letzter Zeit nicht weiter gekommen. Im Moment bewegt sich nicht so viel, und das ist mir selbst ein Rätsel. Vielleicht sind wir zu sehr abgelenkt von den anderen Dingen in unserem Leben. Aber ich hoffe, dass wir mal wieder etwas Neues machen. Ich glaube auch, dass wir das alle wollen.

teleschau: Warum die Zweifel?

Schmit: Auf der anderen Seite kommen eben viele Leute zu unseren Konzerten, die einfach unsere alten Songs hören möchten. Ihr größter Wunsch ist es, sich mit diesen Liedern in die alte Zeit zurück zu versetzen.

teleschau: Ich möchte Ihnen nicht unterstellen, dass Sie faul sind. Doch woher könnten die Schwierigkeiten, neue Songs zu schreiben, kommen?

Schmit: Es liegt wahrscheinlich an den vier unterschiedlichen Charakteren in der Band. Wir sind sehr lange zusammen. Wir kennen uns einfach in- und auswendig. Manchmal halten wir es nicht mal zusammen in einem Raum aus. Außerdem sind wir mittlerweile alle Familienmenschen. Ich selbst bin ja schon seit fast 35 Jahren Vater. Aber einige andere Mitglieder haben erst relativ spät Familien gegründet. Don Henleys ältestes Kind ist noch nicht mal zehn Jahre alt. Es gibt also Frauen und Kinder - und andere Interessen.

teleschau: Was machen die Mitglieder heute sonst noch, außer bei den Eagles zu spielen?

Schmit: Die letzten elf Jahre seit dem Comebackalbum "The Hell Freezes Over" tourten wir sehr regelmäßig. Mal waren es drei Monate, letztes Jahr waren es sieben Wochen allein in Australien. Wir brauchen also auch Freizeit, um uns davon zu erholen. Ich glaube, fehlende Pausen waren der Grund für den ersten Split der Eagles zwischen 1980 und 1994. Damals machten wir nie Urlaub, das war ziemlich selbstzerstörerisch. Aber auch in den Eagles-freien-Zeiten ist uns die Musik wichtig. Die anderen Jungs geben Solokonzerte, ich arbeite nebenbei auch an einer eigenen Platte.

teleschau: Welche Musik spielen Sie da?

Schmit: Ich bin zu der Erkenntnis gelangt, dass ich wohl eher ein Folksänger bin. Ich arbeite ganz allein. Es gibt keine Deadlines, an denen ich die Sache fertig haben muss, niemand redet mir rein. Ich fühle mich sehr wohl damit.

teleschau: Planen die anderen auch, Solowerke zu veröffentlichen?

Schmit: Wenn die Eagles mal eine längere Pause einlegen sollten, wird wohl jeder über ein Soloalbum nachdenken. Der Terminkalender der Band ist aber immer ein Jahr im Voraus ausgebucht. Was nach diesem Jahr passiert, darüber haben wir noch nie gesprochen.

teleschau: Lassen Sie uns ein bisschen über die Geschichte der Band reden. In Amerika sagt man, die Eagles hätten den "Classic Rock" erfunden. Was genau meint man damit?

Schmit: Ich weiß es nicht. Ich tue mich etwas schwer mit solchen Bezeichnungen. Ich weiß nur, dass wir neulich acht große Shows in Los Angeles ausverkauft haben. Es gibt nicht viele Bands, die das schaffen. Don und Glenn sind legendäre Songwriter, sie haben viele klassische Songs geschaffen. Es sind Standards, die für immer weiterleben werden. Das ist der Unterschied zwischen uns und vielen anderen Bands. Deshalb vielleicht das "Classic".

teleschau: Die ersten Platten der Eagles klangen aber eher nach Country-Musik. Dort sind also wohl die Roots der Eagles zu finden ...

Schmit: Ja, das stimmt, aber das war vor meiner Zeit. Als die Eagles gegründet wurden, spielte ich noch in der Band Poco. Bei uns In Los Angeles war es damals sehr trendy, einen Country-Touch zu haben. Doch es ist ganz lustig: Glenn stammt aus Detroit, einem sehr urbanen Umfeld. Don Henley ist aus Texas und hatte in seiner Jugend viel mit Soul und R'n'B zu tun. Joe Walsh kommt aus dem Mittleren Westen. Jedermanns Interessen und Einflüsse waren also sehr unterschiedlich ...

teleschau: Was die Eagles aber von anderen großen Westcoast-Bands der 70er-Jahre unterscheidet: Sie spielten keinen Psychedelic-Sound. Sie waren mit die erste Band, die Wert darauf legte, dass ihre Songs straight waren und als Popmusik funktionierten ...

Schmit: Ja, es ging uns immer um die Lieder. Darum, dass alles gut zusammen klingt und alles im Dienste des Songs steht. Wir wollten Musik fürs Radio schreiben. Und ich glaube: Das will jeder, egal, was andere Leute erzählen. Es ist immer cool, im Radio gespielt zu werden.

teleschau: Wo sind die Eagles heute am erfolgreichsten?

Schmit: Am 30. Oktober 2004 - daran erinnere ich mich, weil es mein Geburtstag ist - spielten wir im Tokyo Dome. 42.000 Leute waren dort, und das war nur eine von zwei Shows. Wir spielten wie gesagt zehn Konzerte am Stück in Los Angeles. In Europa ist es manchmal nicht ganz so voll. Bei der letzten Tour 2001 gab es hier und da noch Karten zu kaufen, aber das waren nur wenige freie Plätze.

teleschau: Wissen Sie, warum die Eagles in der ganzen Welt so erfolgreich sind, obwohl ihr Sound doch so ungemein amerikanisch klingt?

Schmit: Es ist die Qualität der Songs, würde ich sagen. Viele Leute kommen nach den Konzerten zu mir und sagen: "Jemand hat mich mitgenommen. Ich wusste vorher kaum etwas über die Eagles. Und dann kannte ich fast jeden Song, den ihr heute Abend gespielt habt."

Eric Leimann


Mit neuem Material tun sich die Eagles schwer - dafür erscheint nun eine Live-DVD.
Mit neuem Material tun sich die Eagles schwer - dafür erscheint nun eine Live-DVD. (Warner)

Mehr als nur "Hotel California" und Lagefeuer-Rock: die Eagles.
Mehr als nur "Hotel California" und Lagefeuer-Rock: die Eagles. (Warner)

Live ein farbenfrohes Erlebnis: die Eagles.
Live ein farbenfrohes Erlebnis: die Eagles. (Warner)

Datum: 11.07.2005

Facebook aktivieren

Diskussion: "The Eagles"

Um eine Diskussion zu "The Eagles" zu beginnen melden Sie sich bitte im Forum an. Wenn Sie noch nicht registriert sind, können sie sich jetzt registrieren um an den Diskussionen teilzunehmen.
Artikel ID 156507

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

    Eric Burdon
    (tsch) Im wenigen Monaten vollendet Animals-Sänger und Rocklegende Eric Burdon sein 65. Lebensjahr. Wer in diesem Alter noch nicht an die Rente denkt, was unter vitalen und von Drogen gereinigten Altrockern ...

    The Eagles
    Jedes Lagerfeuer, an dem sich ein halbwegs versierter Gitarrist wärmt, bekommt es zu hören: das "Hotel California" von den Eagles. Die gezupfte Ballade vom düsteren Haus im sonnigen Staat an der Westküste ...

    The Who im Juli in Deutschland
    Es ist ein beeindruckendes Comeback: Satte elf Minuten dauert der Titeltrack der neuen The-Who-Single Wire And Glass , die am 14. Juni bei Universal erscheint. Das Album soll im Spätsommer folgen, ...


 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 38 - id = 1051 - task = view - option = com_content - limitstart= 0