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Christine Neubauer

Hauptsache Abwechslung

Schauspielerin Christine Neubauer

(tsch) In schöner Regelmäßigkeit stößt der Zuschauer beim Durchblättern der Fernsehzeitschrift auf ihren Namen - und weiß gleich, was diesen Film auszeichnet: eine Powerfrau. Dieser Typ scheint gerade Konjuktur zu haben. Wenn neben den fünf oder sechs Filmen, die Christine Neubauer pro Jahr dreht, noch ein paar Wiederholungen mit ihr laufen, mag die Bildschirm-Präsenz der 43-jährigen Bayerin geradezu inflationär erscheinen. Doch Christine Neubauer hat einfach Lust an dem, was sie tut. Mit Begeisterung spricht sie über ihre Arbeit und dreht weiter, vor allem mit ihrer Hauptproduzentin und Freundin Regina Ziegler. Denn die bietet der Schauspielerin das, was ihr am wichtigsten ist: abwechslungsreiche Rollen. Eine, die ihr besonders am Herzen liegt, ist "Die Frau des Heimkehrers", am 3. März, 20.15 Uhr, im ARD-Programm.

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Im Moment macht Christine Neubauer Pause. Zu Hause bei Ehemann Lambert Dinzinger und Sohn Lambert erholt sie sich von einer Augenoperation. "Es war eine richtige OP mit Schneiden, Hornhaut-Transplantation und Nähen. Alles ist gut verlaufen, und ich befinde mich in einem normalen Heilungsprozess. Aber das dauert." Bis zum 8. März muss das Auge wieder einsatzfähig sein, denn dann fällt die Klappe für den nächsten Film. Christine Neubauer spielt die Hauptrolle in der Verfilmung von Susanne Fröhlichs Bestseller "Moppel-Ich". Vertrautes Terrain für die Brünette, schließlich hat sie selbst bereits mehrere Ratgeber unter ihrer "Vollweib"-Marke veröffentlicht. Dieses Attribut, das sie ironie- und koketteriefrei trägt, verdankt sie einer Romanverfilmung mit dem Titel "Vollweib sucht Halbtagsmann" (2001). Bei dieser Produktion hat sie auch Regina Ziegler kennen gelernt: der Beginn einer langen "erfolgreichen Zwei-Frauen-Power-Zusammenarbeit".

"Wenn ich unterschiedliche Rollen spielen darf, dann kann ich mich dafür allemal tierisch motivieren." Dann liegt der Schauspielerin mit Leib und Seele jede einzelne Figur am Herzen. "Ich habe immer noch sehr viel Spaß an meinem Beruf. Und wenn man die Lust nicht verliert, dann wird's auch gut." Anstrengender als die Dreharbeiten findet sie das Drumherum, das die Popularität so mit sich bringt. Ob ein Part für sie spielenswert ist oder nicht, sagt ihr beim Lesen des Drehbuchs ihr Bauch: "Ich merke das ganz schnell, auch körperlich. Ich bekomme zum Beispiel Gänsehaut. Es passiert auch, dass ich weinen muss. Das klingt richtig kitschig, das ist aber so, wenn mein Gefühl angesprochen wird. Auch wenn etwas gut ist."

Bestimmt floss auch bei der bewegenden Geschichte der "Frau des Heimkehrers" die ein oder andere Träne: Christine Neubauer spielt Eva, deren Mann nach dem zweiten Weltkrieg in Russland vermisst wird. Als sie davon ausgehen muss, er sei tot, gibt sie ihrer Zuneigung zu dessen Freund nach. In dem Moment kommt ihr Ehemann zurück. "Das ist wohl hundertfach in Deutschland passiert. Meine Maskenbildnerin hat zum Beispiel während der Drehzeit gesagt: Das ist ja die Geschichte meiner Mutter und meines Vaters." Von so einer Rolle schwärmt Christine Neubauer aufrichtig. Sich in die Nachkriegszeit zurückzuversetzen, darin hatte sie bereits Erfahrung: Schließlich ist sie unvergessen als Traudl Grandauer in der historischen Serie "Die Löwengrube" (1989-1992). Damals sprach sie oft mit ihrer Großmutter über diese Zeit, und konnte nun noch einmal davon zehren. "Die Tragik der Geschichte vom Gefühl her ist für mich zeitunabhängig: das Dilemma zwischen den beiden Männern."

Außerdem nimmt Christine Neubauer aus der Produktion eine neue Fertigkeit mit: Sie kann jetzt einen Original-Laster aus den 30er-Jahren fahren. "Diese alte Ratterkiste war ziemlich schwierig zu lenken," lacht sie. In den letzten Jahren hat sie so einiges gelernt, vor allem bei modernen Heimatfilmen, wie "Im Tal des Schweigens" (2004) und "Die Geierwally" (2005): "Da musste ich sehr schwer richtig körperlich arbeiten. Von Kühe melken bis Traktor fahren war alles schon dabei. Mit einer Motorsäge Bäume fällen, mit einem Pferdefuhrwerk umgehen - da kommt einiges zusammen."

Was sie am Heimatfilm vor allem mag, sind die gestandenen Frauenfiguren, die sie darin verkörpern darf: "Das sind ja sehr kraftvolle, widerspenstige, ungezähmte Frauen. Sie müssen immer gegen alle Widrigkeiten kämpfen und haben ihren, wie man so schön sagt, Sturschädel." Außerdem liebt sie, obwohl ein Münchner Stadtkind, das Milieu. Ihren eigenen Kopf hat sie bei der "Geierwally" durchgesetzt. Die Neuverfilmung war ihre Idee, die sie - keine große Überraschung - mit Regina Ziegler verwirklicht hat. Die beiden arbeiten außerdem daran, ein ähnliches Projekt auf die Beine zu stellen. Nicht ganz einfach, aber bei der doppelten Frauenpower ist nichts unmöglich.

Leidenschaft zeichnet Christine Neubauer aus, doch sie versteht es auch, ihre Energie zur rechten Zeit am rechten Ort einzusetzen. Es gab eine Zeit, in der sie bayerisch-rustikale Rollen gemieden hat: "Mehrere Jahre lang musste ich mich davon lösen, denn begonnen hatte ich ja in dem Dialekt-Milieu. Und um das wieder zu mögen, muss man erst weit weg gehen davon - um nicht eingeordnet zu werden, aber auch für sich selbst." Mittlerweile kann sie sich wieder darauf freuen, bald schon die zweite Fortsetzung von "Im Tal des Schweigens" zu drehen. Heimatfilme sind ihr Ding. "Aber eben nicht nur - das ist der entscheidende Satz." Zwischendurch darf es auch mal eine Goldschmiedin in Berlin sein ("Lauras Wunschzettel", 2005).

Für's Theater nimmt sich Christine Neubauer auch noch Zeit: In drei Vorstellungen wird sie wieder die Buhlschaft im "Jedermann" geben. "Mehr ist einfach nicht drin. Ich kann, wenn ich drehe, am Wochenende nicht auch noch auf der Bühne stehen." Aber außergewöhnliche Darbietungsorte wie die Schlossfestspiele in Regensburg oder vor der Leipziger Nicolaikirche üben ihren eigenen Reiz aus. "Dann ist die Buhlschaft auch für mich ausgespielt. Danach muss entweder etwas Neues kommen oder ich mache Pause." Abwechslung muss sein bei Christine Neubauer.

Wo sieht sich die 43-Jährige in ein paar Jahrzehnten als Schauspielerin? Wird sie vielleicht eines Tages die Nachfolgerin von Ruth Drexel, die mit 75 Jahren produktiv und populär ist wie eh und je? "Ich denke, es wird auf dieser Art von Frauen hinauslaufen, ja. Ruth Drexel hat früher am Theater auch bodenständige Rollen gespielt und ist jetzt mit ihrer Komik und ihrer Art sehr erfolgreich. Wenn ich gesund bin, würde ich mich gerne in dieser Richtung sehen."

Petra Fürst


Vollweib Christine Neubauer: Seit dem Film "Vollweib sucht Halbtagsmann" trägt sie diesen Titel. Mit den Dreharbeiten begann die "Zwei-Frauen-Power-Zusammenarbeit" mit Produzentin Regina Ziegler.
Vollweib Christine Neubauer: Seit dem Film "Vollweib sucht Halbtagsmann" trägt sie diesen Titel. Mit den Dreharbeiten begann die "Zwei-Frauen-Power-Zusammenarbeit" mit Produzentin Regina Ziegler. (teleschau)

Christine Neubauer will abwechslungsreiche Rollen spielen. "Ein absoluter Glücksfall" war es für sie, "Die Frau des Heimkehrers" darstellen zu dürfen.
Christine Neubauer will abwechslungsreiche Rollen spielen. "Ein absoluter Glücksfall" war es für sie, "Die Frau des Heimkehrers" darstellen zu dürfen. (ARD / Degeto / Reiner Bajo)

"Die Frau des Heimkehrers" - die Geschichte hunderter deutscher Ehepaare: Der totgeglaubte Ehemann kommt doch noch aus dem Krieg zurück und muss feststellen, dass seine Frau sich neu verliebt hat.
"Die Frau des Heimkehrers" - die Geschichte hunderter deutscher Ehepaare: Der totgeglaubte Ehemann kommt doch noch aus dem Krieg zurück und muss feststellen, dass seine Frau sich neu verliebt hat. (ARD / Degeto / Reiner Bajo)

Datum: 08.03.2006

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