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Anke Engelke, deutsche TV-Schauspielerin

Nur ein Rädchen in der Maschine

Schauspielerin Anke Engelke

(tsch) Eine hübsche Kölner Hotelsuite, unter anderem mit zwei einladenden Sesseln und einer schicken Couch möbliert, aber Anke Engelke lümmelt sich auf dem Boden. Das heißt, halb sitzt sie dort, halb liegt sie, lächelt von unten freundlich den Besucher an, und dazu rieselt im Hintergrund der relaxte Sound der TripHop-Band Shrift aus den Boxen. So entspannt geht man als junge Mutter und frischgebackene Ehefrau also ein Comeback an ... Oder hat die laxe Haltung damit zu tun, dass tags zuvor die Karnevalssaison zu Ende ging? Vielleicht gibt es gar taktische Gründe: Wer Anke hier interviewt, nimmt zwangsläufig direkt vor einem riesigen Spiegel Platz, ist also auch unter Beobachtung, wenn sie ihr Gegenüber nicht direkt ansieht. Wie auch immer, in dieser Atmosphäre spricht die attraktive, quirlige 40-Jährige gerne über ihre neue SAT.1-Comedy-Serie "Ladyland" (startet am Montag, 20. März, 22.15 Uhr) und über vieles andere.

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teleschau: Sie sitzen wohl gerne auf dem Fußboden?

Anke Engelke: (lacht) Ja, genau.

teleschau: Also hat die entspannte Haltung nichts damit zu tun, dass Aschermittwoch ist?

Engelke: Ich bin zwar Kölnerin mit Leib und Seele, aber absolut kein Karnevalsfreund.

teleschau: Darf man das hier ungestraft sagen?

Engelke: Ach, der Kölner mag keine Lügner. Ich trinke keinen Alkohol und schon gar kein Bier, und, ehrlich, ohne Kölsch fällt das Karnevalistendasein schwer. Aber ich respektiere den Karneval. Deshalb fliehe ich auch nicht, sondern bleibe tapfer in meiner Stadt. Außerdem habe ich ja jedes Jahr zu tun.

teleschau: Was machen Sie denn?

Engelke: Ich hatte vor 17 Jahren das Glück, zu einer wunderbaren Band zu stoßen (die 15-köpfige "Fred Kellner Band", die Red.). Wir spielen jedes Jahr zu Karneval eine kleine lokale Tour, elf Konzerte diesmal.

teleschau: Die Sängerin ist also noch so eine Rolle ... - Es ist ja bekannt, wie gerne Sie in die verschiedensten Rollen schlüpfen.

Engelke: Witzigerweise ist das bei der Musik anders. Ich singe so wahnsinnig gerne. Das ist authentisch: Auf der Bühne bin ich die, die ich wirklich bin.

teleschau: Ihre Vorliebe fürs Rollenspiel können Sie in "Ladyland" zur Genüge ausleben. Ist die Serie die konsequente Weiterentwicklung des Erfolgsrezeptes von "Ladykracher"?

Engelke: Absolut. Die Frage zeigt: Wir haben den richtigen Namen gefunden. Ursprünglich gab es den Arbeitstitel "Frauengeschichten", das klang uns zu altbacken. Ich war erst für "Madamski", später für "Chercher la femme". - Tolle schwule Freunde von mir sagten aber, wir müssten wieder was mit "Lady" machen, weil sich der Zuschauer darunter, in Verbindung mit meinem Namen, etwas vorstellen kann. "Ladyland" ist eben programmatisch. "Lady" - das steht für einen gewissen Stil, und "Land" - das zeigt, dass es diesmal viel größer ist, dass wir nicht kleine Sketche haben, sondern richtige Geschichten.

teleschau: Man hätte den Titel auch so deuten können, als würde es Einblick in die eigene Welt der Frauen geben. Als eine weitere Illustration der These, dass Männer und Frauen eben doch in verschiedenen Welten leben. Nach "Sex and the City" oder "Desperate Housewives" ja nichts Neues mehr.

Engelke: Geile Interpretation! Aber so habe ich das nie gesehen. Ich dachte eher, das "Land" definiert die Rahmenhandlung, den Kosmos, in dem die Geschichten passieren: drei Schicksale, die auf merkwürdige Weise miteinander verbunden sind.

teleschau: Also keine tiefergehende Bedeutung ...

Engelke: Von wegen! Mein Interpretationsansatz geht viel tiefer, bis ins Philosophische: Da kann man sich mit der Frage des Schicksals auseinander setzen, mit der Chaostheorie, mit Fügungen. Gibt es Glück? Gibt es Zufall?

teleschau: Gibt es Antworten?

Engelke: Ach, da könnte man wahnsinnig werden, wenn man sich hineindenkt. Der griechische Philosoph Gorgias von Leontinoi stellte in seinem Werk "Über das Nichtseiende oder über die Natur" drei Hauptthesen auf: Erstens: Es gibt nichts. Zweitens: Wenn es doch etwas gibt, dann wäre es für den Menschen nicht erkennbar. Drittens: Wenn doch etwas erkennbar wäre, dann wäre es unseren Mitmenschen weder mitteilbar noch verständlich zu machen. Sicher, über das Thema Mann-Frau-Beziehungen kann man hier auch diskutieren. Aber irgendwann liegen sich eh alle in den Armen, und alles ist klar.

teleschau: Klar ist auch, dass das lange, philosophische Nächte gewesen sein müssen, als "Ladyland" entwickelt wurde ...

Engelke: Um Gottes Willen! Nein. Ich spreche nur von dem, was in mir so vorgeht, von meinem geistigen Unterbau - oder Überbau, je nachdem. Wenn das meine Autoren lesen, werden die sagen: "Was ist denn mit der Alten los? Was hat die denn genommen? Die soll doch nur Witze machen, die Fresse halten und die Scheiße spielen!" Also halten wir lieber fest: "Ladyland" ist eine Verbeugung vor dem Schicksal. Kernaussage: Alles bedingt alles!

teleschau: Und Sie leben sich in den jeweils drei Frauenrollen aus?

Engelke: Und wie! Ich bin einige Male wieder so was von durchgeknallt. - Aber nie, ohne die Frauenfiguren ernst zu nehmen. Wenn ich mich über etwas lustig mache, dann im Grunde nur über mich - als Spiegel der Macken der Menschen.

teleschau: In "Ladyland" kommen Sie sehr sexy rüber, agieren ungemein physisch. Wie denken Sie über den Jugendwahn in der Branche?

Engelke: Ich trete dagegen an, indem ich so bin, wie ich bin. Es gibt in der Tat Frauen in meinem Beruf, die sich mit diesen Fragen beschäftigen: Wie lange funktioniere ich? Wie lange bin ich ansehnlich? Wie lange nimmt man mich ernst? Die Fragen sind aber obsolet, wenn ich sage, dass ich mich nicht über Äußerlichkeiten definiere, sondern über mein Standing, mein Spiel. Ich lebe generell angstfrei. Wissen Sie, Angst kommt immer nur von einem selbst. Muss also gar nicht sein.

teleschau: Gleich in der ersten Folge geben Sie die stockbesoffene Ministerpräsidentin, die bei Ihrer Antrittsrede verkündet: "Ihr könnt mich alle mal am Arsch lecken!" Macht Spaß, oder?

Engelke: Klar. In mir steckt so viel Spielerisches. Das ist Urschreitherapie und Yoga-Stunde in einem. Was glauben Sie, wie aufgeräumt man nach so einem langen Drehtag nach Hause geht!

teleschau: Ist es für Sie nicht schwer, zu Hause wieder ganz Sie selbst zu sein?

Engelke: Nein. Das ist eine Art Schalter, den ich an und aus mache. Ich kann klar trennen. Vielleicht hat es was mit einer gewissen Reife zu tun: Ich bin eine Frau, die mitten im Leben steht, und ich kann es mir nicht erlauben, nach Hause zu kommen und irgendwie durchzudrehen. Ich habe ja auch erst mit 30 angefangen, lustig zu sein, in einem Alter also, in dem man eines schon genau wissen sollte: Bis dahin geht der Job - und nicht weiter!

teleschau: Wollen Sie sagen, dass Sie privat eine Andere sind?

Engelke: Jedenfalls ruft hier in Köln keiner mehr: "Hey Anke, mach mal 'nen Witz." Ist bitter, oder?

teleschau: Man kann sich halt vorstellen, dass Sie auf einer Party gut für Stimmung sorgen könnten ...

Engelke: Nö. Schon deswegen nicht, weil ich so gut wie nie auf Partys gehe. Und wenn, dann machen da immer die anderen die Witze. Es gibt zwar Leute, die das von mir erwarten, aber die haben dann zwei Dinge missverstanden: Mich und diesen Beruf. Ich finde, dass öffentliche Personen viel mehr Mut haben müssten, auch mal rauszulassen, dass sie beispielsweise traurig oder müde sind, dass sie Heimweh oder einfach nur Hunger haben. Wir sind alle keine Maschinen!

teleschau: Sie sind im Grunde schon seit 1978 in diesem Geschäft ...

Engelke: (kippt nach hinten um) Oh Gott! Da muss man irre werden, oder? - So viel Verrückte, wie es da gibt.

teleschau: Muss man?

Engelke: Na ja, nicht zwangsläufig. Ich habe den Kampf inzwischen aufgenommen. Ich war am Anfang noch ein Kind. Ohne Ehrgeiz, ohne Ziel. Es hat sich einfach alles so entwickelt. Gut, ich habe bis heute weder Ehrgeiz noch ein Ziel, aber ich weiß, was ich tue, das ist der Unterschied.

teleschau: Sie haben keinen Ehrgeiz?

Engelke: Absolut. Wenn heute alles aufhören würde, wäre das völlig in Ordnung. Ich möchte sehr gerne Grundschullehrerin werden oder mein museumspädagogisches Studium abschließen. Aber es läuft gut, ich habe ein treues Auditorium. Ich bin sehr gerne dabei - natürlich, denn ich liebe diesen Beruf. Es gibt nichts Schlimmeres, als Menschen, die einer Tätigkeit nur nachgehen, weil sie Geld verdienen wollen - so wie die ganzen Schnulzensänger, die im Interview erzählen: "Eigentlich steh' ich ja voll auf Rock." Das ist scheiße, wissen Sie.

teleschau: Wie steht's mit Ihrer Bekanntheit? Ist das störend?

Engelke: Oh, ich glaube echt, mich kennen viele. Aber ich komme damit klar. Gerade diese wunderbaren, ehrlichen Menschen hier in Köln, haben eine unverkrampfte Art, mit Berühmtheiten umzugehen. Glauben Sie mir: Ich habe niemals das Ziel verfolgt, berühmt zu werden. Das lenkt nur vom eigenen Leben ab.

teleschau: Da muss das Jahr 2004, in dem Sie vom Boulevard bis zum Feuilleton permanent im öffentlichen Fokus standen, ein Albtraum gewesen sein.

Engelke: Es hat mich nie interessiert, was geschrieben wurde. Ehrlich. Ich bin nicht anders als der Fernsehzuschauer, ein ganz normaler Mensch, der sich freut, wenn er das machen darf, was er gerne mag. Auch einer, der zur Veränderung bereit ist, wenn er merkt, irgendwas läuft schief.

teleschau: Sie spielen auf das Ende von "Anke Late Night" an.

Engelke: Ja. So ist das Leben. Und ich nehme das Leben, wie es kommt.

teleschau: Also haben Sie sich nicht am öffentlichen Diskurs gestört, der da geführt wurde?

Engelke: Nein. Weil diese Diskussion nur künstlich generiert war. Und weil es noch etwas anderes gibt im Leben.

teleschau: Aber Sie leben nicht im Vakuum. Es muss Sie doch beeindruckt haben.

Engelke: Ja. Man muss das schon wahrnehmen. Aber, hey, wir sind beim Fernsehen. Und da entscheidet letztendlich der Zuschauer. Was ich mache, mache ich für ihn, und wenn ihm das nicht gefällt, dann mache ich das eben nicht mehr.

teleschau: So einfach?

Engelke: So einfach! Alles andere, das ganze Drumherum, die Schaumschlägerei und was da alles geschrieben wird, ist überschätzt. Ich fand die Show nicht besonders wichtig. Ich finde auch "Ladyland" nicht so wichtig. Ich nehme nichts so wichtig, dass ich daran verzweifeln könnte.

teleschau: Hat sich durch die Erfahrungen von 2004 Ihre Sicht auf die Branche geändert?

Engelke: Eigentlich nicht. Ich bin schon so lange in dieser Maschine, dass mich nichts mehr überraschen könnte. Und wenn man weiß, wie diese Maschine funktioniert, kann man entspannt ein kleines Rädchen darin sein. Ich weiß nur: So wichtig, wie es sich nimmt, ist es nicht, das Fernsehen.

teleschau: Sie sagen das mit einem Lächeln. Gab es denn zumindest damals keinen Frust oder Groll?

Engelke: Nein. Davon kriegt man Krankheiten. Dafür ist das Leben zu schön. Ich habe Familie und Freunde, die mich brauchen.

Frank Rauscher

Ist gerne im "Ladyland": Anke Engelke kehrt mit einer neuen SAT.1-Comedy-Serie zurück.
Ist gerne im "Ladyland": Anke Engelke kehrt mit einer neuen SAT.1-Comedy-Serie zurück. (SAT.1 / Martin Lässig)
Ungemein sexy im "Ladyland" unterwegs: Anke Engelke (40).
Ungemein sexy im "Ladyland" unterwegs: Anke Engelke (40). (SAT.1 / Martin Lässig)
"Lady - das steht für einen gewissen Stil": Anke Engelke.
"Lady - das steht für einen gewissen Stil": Anke Engelke. (SAT.1 / Martin Lässig)

Datum: 08.03.2006

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