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16.3. V wie Vendetta, mit Natalie Portman

V wie Vendetta

(tsch) Wenn Hugo Weaving auftaucht, dann wird es still um ihn herum. Dann wird gewartet auf diese zur Floskel avancierte Anrede, die ihn berühmt gemacht hat: "Mr. Anderson ...". Seit der in Nigeria geborene Weaving als Datenagent Mr. Smith in den "Matrix"-Filmen die Leinwände unsicher machte - und Keanu Reeves ein ebenbürtiger Gegner war - steckt der heute 44-Jährige in einer Schublade, gegen die er kräftig anspielen muss: Als Elbenherrscher Elrond in der "Herr der Ringe"-Trilogie zum Beispiel oder auf den Theaterbühnen des New Yorker Broadway und des Londoner Westends. So weit wie in seiner neuesten Filmrolle ging er aber noch nie: Als maskierter Terrorist opponiert er in der Comicverfilmung "V wie Vendetta" gegen ein totalitäres Regime in Großbritannien, das sich durch rigide Ausgangsvorschriften und perfekte Überwachung kennzeichnet. Als V ist Weavings markantes Gesicht mit seinem breiten Unterkiefer und einem Lächeln, das nur schwer als solches zu identifizieren ist, die gesamte Länge des Films unsichtbar, verborgen hinter einer Art Clownsmaske.

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Dabei bleibt der Action-erprobte Schauspieler eben diesem Metier verhaftet und geriert sich als Rächer der Unterdrückten, als Bombenleger für die Freiheit. Eigentlich sollte James Purefoy ("Resident Evil", "Vanity Fair") den Maskierten mimen, doch wurde es ihm in der Kostümierung des Protagonisten zu heiß. Produzent Joel Silver weint ihm offenbar keine Träne nach, sondern freut sich, dass Weaving innerhalb weniger Tage und bei bereits fortgeschrittenen Dreharbeiten, zumal im fernen Potsdam-Babelsberg, zusagte. Daneben wurde bei der Verfilmung des düsteren Comics von Meisterzeichner Alan Moore aber nichts dem Zufall überlassen. Schließlich geht es um eine brisante Zukunftsvision mit provokanten Identifikationsfiguren.

In gar nicht so ferner Zukunft herrscht ein egomanischer Diktator (John Hurt) über Großbritannien. Nach Terroranschlägen und Gewaltausbrüchen sorgte er mit einem propagandistischen Wahlkampffeldzug für einen erfolgreichen Sprung zur Macht und für Zucht und Ordnung. Nun hat die Bevölkerung nur noch eines zu fürchten: die harte Hand des Staates. Mit repressiven Mitteln der Überwachung und Unterdrückung wird die Illusion eines friedlichen, ruhigen Staates aufrecht erhalten.

Ein maskierter Einzelgänger, gekleidet in einen schwarzen Umhang mit rotem Futter und Torero-Hut, tötet präzise und effektiv die Zielobjekte seines Hasses: die Handlanger und Köpfe des totalitären Regimes. Dabei helfen soll ihm das Mauerblümchen Evey, das fast zum Opfer triebgesteuerter Staatsgewalt wird, als sie nach Ausgangssperre durch die Gassen läuft. Und tatsächlich: Während eines buchstäblich medienwirksamen Überfalls auf den zentralen Fernsehsender, in dem Evey arbeitet, hilft sie dem unbekannten Freiheitskämpfer und wird dadurch zu seiner Gefangenen - und schließlich zu seiner willfährigen Gefährtin.

Natalie Portman spielt die zunächst zarte, dann harte Frauenfigur mit ihren Unsicherheiten, Gewissensbissen und später mit all ihrer Leidenschaftlichkeit. In der Gefangenschaft des Maskenmannes, dessen Motivation in seiner Vergangenheit als Opfer von Menschen verachtenden medizinischen Experimenten seitens der Mächtigen begründet liegt, entzündet sich eine Grundsatzdiskussion zwischen Pazifistin und Terrorist, ob Gewalt gut und hilfreich sein kann. Diese Frage wird durch das explosive Ende des Films keineswegs beantwortet, sondern bekommt brisantes Gewicht. So wird sich der Zuschauer eben jener Problematik ausgesetzt sehen: Ist die automatische Identifizierung mit den durchaus sympathischen Helden der Erzählung wirklich in Ordnung angesichts der Mittel, die sie gebrauchen, um ihr Ziel zu erreichen?

Gewaltbereitschaft, das ist die indirekte und nicht unbedingt offensichtliche Botschaft des Films, ist nie eine Lösung. Problematisch, und da macht "V wie Vendetta" keinen Hehl draus, ist die Frage, ob Gewaltverzicht angesichts gewaltbereiter Menschen, die es immer geben wird, überhaupt realistisch und durchzuhalten ist. Der Film zeigt, ähnlich dem anarchistischen Finale von "Fight Club", auf subtile Weise das ambivalente Verhältnis des Homo Sapiens zum Mittel der Gewalt, speziell in der Form des Terrorismus: Gewalt führt zu Gegengewalt. Auge um Auge. Die Diskussion ist eröffnet.

Leif Kramp

Credits:
V:Warner, GB / D 2006, R: James McTeigue, D: Natalie Portman, Stephen Rea, John Hurt u.a.

Laufzeit: 120 Min.

Kinostart:
16.03.2006


Seit Evey (Natalie Portman) als Vollwaise auf sich allein gestellt ist, lebt sie mit einer ständigen Angst.
Seit Evey (Natalie Portman) als Vollwaise auf sich allein gestellt ist, lebt sie mit einer ständigen Angst. (2006 Warner Bros. Ent.)

Der Freiheitskämpfer "V" (Hugo Weaving) will die englische Bevölkerung von der autoritären Regierung befreien.
Der Freiheitskämpfer "V" (Hugo Weaving) will die englische Bevölkerung von der autoritären Regierung befreien. (2005 Warner Bros. Ent.)

"V" (Hugo Weaving, links) nimmt sich Kanzler Sutler (John Hurt) vor.
"V" (Hugo Weaving, links) nimmt sich Kanzler Sutler (John Hurt) vor. (2006 Warner Bros. Ent.)

Datum: 12.03.2006

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