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The Producers(tsch) Das Timing ist perfekt. Irgendwie passt ein Film wie "The Producers" ins Gesamtbild. Unverdrossen mühen sich Deutschlands Filmemacher an der Nazi-Vergangenheit ab. Oliver Hirschbiegel zeigte in "Der Untergang" Adolf Hitler als mickrigen Menschen von erschreckender Biederkeit. Der jüdische Filmemacher Dani Levy macht ihn in seinem neuesten Film "Mein Führer" (mit Helge Schneider als Hitler) gleich zur Witzfigur. Deutschland wird seinen Dämon nicht los. Will es auch gar nicht. In den USA sieht man die Angelegenheit lockerer. Susan Stromans Musical-Komödie "The Producers" ist das schräge Gegenprogramm zum oft verkopften deutschen Bewältigungs-Kino. Anzeige Kann man Hitler als banale Krämerseele zeigen? Dürfen Menschen über die Nazis lachen? Solche Fragen werden in Deutschland im Zusammenhang mit den beiden genannten Filmen immer noch ernsthaft diskutiert. "So what!" hätte Mel Brooks schon vor fast 40 Jahren dazu gesagt. Klar darf man das. Mit "Frühling für Hitler" trat Brooks 1968 in die Fußstapfen von Charlie Chaplins "Der große Diktator" und Ernst Lubitschs "Sein oder Nichtsein". Schon zu jener Zeit begegnete man der Nazi-Barbarei mit Humor. Einziger Unterschied: Das ganze Ausmaß der Verbrechen war damals noch nicht bekannt. Sowohl Chaplin als auch Lubitsch hätten im Nachhinein ihre Filme anders gedreht. "Frühling für Hitler" - Brooks' erster Film - war dagegen Provokation in Reinkultur: frech, respektlos und auch ein bisschen zynisch. Brooks drosch kräftig ein auf Altnazis, aber auch auf geldgeile Broadway-Produzenten und die Auswüchse der Entertainment-Industrie. Die Thematik des Films ist zeitlos, und eben darum konnte Brooks sein Werk 2001 mit großem Erfolg zum Broadway-Musical umgestalten. "The Producers" ist nun die Filmversion des Musicals, das wiederum auf "Frühling für Hitler" beruht. Die Regie übernahm diesmal nicht Mel Brooks selbst, sondern Susan Stroman, die auch am Broadway inszenierte. Das Ensemble rekrutierte Stroman weitgehend von der Bühne. Nathan Lane spielt den entthronten Broadway-König Max Bialystock, der seit Jahren nur noch Flops produziert. Dann schneit auch noch der farblose Buchhalter Leo Bloom (Matthew Broderick) in sein Büro, um seine Bilanzen zu überprüfen. Der neurotische Erbsenzähler bringt Bialystock auf eine Idee, wie mit einem Riesenflop der ganz großen Reibach zu machen ist. Dazu fehlt nur noch das mieseste Musical, das jemals am Broadway aufgeführt wurde. Hier kommt der paranoide Altnazi Franz Liebkind (Will Ferrell) ins Spiel. Sein Bühnenstück "Frühling für Hitler", eine Art Huldigung an den "Führer", scheint für das erhoffte Fiasko prädestiniert. Zudem werden ein völlig talentfreier Regisseur (Gary Beach) und eine sexy Hauptdarstellerinn bar jeglicher Englischkenntnisse (Uma Thurman) engagiert. Die Voraussetzungen für beste Unterhaltung sollten bei dieser schrägen Ausgangslage eigentlich gegeben sein. Nie wieder war Mel Brooks so gut wie in "Frühling für Hitler". Er sucht den kürzesten Weg zum nächsten Lacher. Seine Stärke ist der direkte, knallharte Humor, der sich auch für Zoten nicht zu schade ist. Brooks fragt nicht nach Political Correctness. Bei ihm bekommt jeder sein Fett weg - Nazis in Lederhosen und Stahlhelm ebenso wie tuntige Regisseure im Kleidchen. Subtilität ist auch im Remake nicht gefragt. "The Producers" ist noch schräger, noch schriller als das Original. Dennoch ist es kein besserer Film geworden. Brooks und Stroman überspannen den Bogen. Aus einem kleinen, bösen Film machen sie eine überladen-speckige Revue, die sich selbstverliebt von einer Musicalnummer zur nächsten hangelt und dabei den Sinn für das rechte Timing vermissen lässt. Ausgerechnet dem Star des Ensembles - Uma Thurman - fällt dabei die undankbarste Rolle zu. Ihr Part als schwedische Sexbombe Ulla wurde im Vergleich zum Original stark erweitert. Zwischen ihr und Buchhalter Leo entwickelt sich eine Liebesgeschichte, die zwar für ein paar Lacher und ein beeindruckendes Duett gut ist, im weiteren Verlauf aber ohne weitere Wirkung bleibt. Auch die überzogene Spielweise von Nathan Lane und vor allem von Matthew Broderick trübt das Vergnügen. Das Versprechen der Ironie wird nicht eingelöst, die Grenze zum bloßen Klamauk zu oft überschritten. Ein Lichtblick ist dagegen Will Ferrell als tumber Stahlhelm- und Lederhosenträger Franz Liebkind. Er ist die Karikatur eines Nazis - schwankend zwischen Sentimentalität und Brutalität. Ferrell verleiht Liebkind eine Art kindliche Naivität, die anrührt, Liebkind sogar zu einer nicht ganz unsympathischern Figur werden lässt. Das Lachen auf seine Kosten bleibt dem Zuschauer bisweilen im Halse stecken. Mehr solche Momente hätten dem Film gut getan. Tobias Köberlein |
Credits: Laufzeit: 134 Min. |
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