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Aufzeichnungen zu Kleidern und Städten

Aufzeichnungen zu Kleidern und Städten

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Elektronische Bilder und Videotechnik bezeichnete er einmal als "visuelle Pest", und für Kleidung interessierte er sich "nur beschränkt, wie die meisten Deutschen, für die Mode kein Bestandteil der Kultur ist". Dennoch ließ sich Wim Wenders 1989 mit seinen "Aufzeichnungen zu Kleidern und Städten" auf ein für ihn völlig untypisches Projekt ein. In einem 78-minütigen Dokumentarfilm, der jetzt auf DVD erscheint, porträtierte er den japanischen Haute-Couture-Designer Yohiji Yamamoto.

Entscheidend war jener Moment, an dem Wenders zum ersten Mal in ein Hemd des Modemachers schlüpfte: "Ich war darin ich selbst. Ich fühlte mich geschützt wie ein Ritter in seiner Rüstung." Deshalb zögerte er nicht lange, als das Pariser "Centre Pompidou" ihm wenig später anbot, einen Film über den Couturier zu machen. "Inmitten einer so ausschließlich auf Konsum gerichteten Industrie, behauptet sich Yamamoto als eigenständiger Handwerker", erklärt Wenders und zieht hier eine Parallele zu seinem eigenen Selbstverständnis als Filmemacher.

Der Griff zur Videokamera ergab sich automatisch. Nicht nur die hektische, filigrane Arbeit im Modeatelier ließ sich damit genauer festhalten. Mit elektronischen Bildern war auch das urbane Treiben in der High-Tech-Metropole Tokyo besser einzufangen. Die in Paris gedrehten Szenen sind dagegen auf herkömmliches Zelluloid gebannt. Aus der Kombination dieser beiden völlig unterschiedlichen Aufzeichnungsverfahren entstehen immer wieder reizvolle Brüche.

Yamamoto selbst kommt in unterschiedlichen Situationen zu Wort. In seinem Studio, auf dem Dach des Centre Pompidou oder beim Billardspielen erzählt er von der Textur der Stoffe, seiner Abneigung gegen Stöckelschuhe und alles Symmetrische, sowie der puristischen Vorliebe für die Farben Schwarz und Weiß.

Die DVD gefällt mit umfangreichem Bonusmaterial und einer guten technischen Umsetzung. Die Bilder sind scharf, extrem detailreich und überzeugen mit satten Farben. Der Sound ist für einen Dokumentarfilm recht opulent abgemischt - der mehrsprachige Originalton bekommt durch eine gute Musikspur zusätzliche Dynamik.

Neben dem Audiokommentar von Wim Wenders überzeugt bei den Extras vor allem eine kurze Featurette, die Yamamoto zwölf Jahre nach dem Filmdreh zeigt. Zudem hat sich Wim Wenders mit Roger Willemsen unterhalten und sind einige entfernte Szenen enthalten.

Claas Nielsen

bewertungsbox

bildformat 1,78:1 (anamorph)
sprachen Japanisch/Deutsch (5.1)
untertitel Deutsch
extras Audiokommentar Wim Wenders; Yamamoto - 12 Years later; Wim Wenders Biografie; Entfernte Szenen; Wim Wenders befragt von Roger Willemsen
laufzeit 78 Min.
tonsystem Dolby Digital
regionalcode Regionalcode 2
preis ca. 15 Euro
bewertung bild gut
bewertung ton gut
bewertung extras gut

Credits:
(D / F 1989, R: Wim Wenders)


"Aufzeichnungen zu Kleidern und Städten" ist zwar kein typischer Wenders-Film, aber einer der interessantesten und jetzt auf DVD erhältlich.
"Aufzeichnungen zu Kleidern und Städten" ist zwar kein typischer Wenders-Film, aber einer der interessantesten und jetzt auf DVD erhältlich. (Kinowelt)

Inmitten des Konsumstresses ist Yohiji Yamamoto ein ehrlicher Handwerker geblieben. Davon ist Wim Wenders überzeugt.
Inmitten des Konsumstresses ist Yohiji Yamamoto ein ehrlicher Handwerker geblieben. Davon ist Wim Wenders überzeugt. (Kinowelt)

Beim Billard lässt es sich gut unterhalten: Yohiji Yamamoto (rechts) und Regisseur Wim Wenders.
Beim Billard lässt es sich gut unterhalten: Yohiji Yamamoto (rechts) und Regisseur Wim Wenders. (Kinowelt)

Datum: 14.03.2006

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