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Franz Dinda, deutscher Schauspieler

Scheitern unerwünscht

Schauspieler Franz Dinda

(tsch) Franz Dindas Karriere wäre fast von Mücken zerstochen worden. Doch da der 22-jährige Wahl-Berliner gern erreicht, was er sich vornimmt, hat es mit der Schauspielerei geklappt. Harte Arbeit und ein gesundes Selbstbewusstsein führten ihn von Schultheater über Werbespots für das "Lustige Taschenbuch" zu zahlreichen TV-Engagements und zum mittlerweile dritten Kinofilm. Nach "Autobahnraser" und "Am Tag, als Boby Ewing starb" (Donnerstag, 13.04., 22.45 Uhr, ARD) spielt Dinda in der Verfilmung von Gudrun Pausewangs Bestseller "Die Wolke" (Kinostart: 16. März) einen Teenager, der nach einem Super-GAU im nahe gelegenen Atomkraftwerk um seine Liebe kämpft.

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Franz Dinda: Sie rufen aber pünktlich an. Das ist toll. Ich bin selbst lieber zehn Minuten zu früh als zwei zu spät.

teleschau: Ist das ein Lebensmotto: Lieber zu früh, als zu spät?

Dinda: Ja! Fürchterlich oder? Ich bring' mich damit oft selbst in die Bredouille, aber Zuverlässigkeit ist eine schöne Eigenschaft. Unpünktlich zu sein, ist eine Art Scheitern im Kleinen. Ich erreiche nun mal gern, was ich mir vornehme.

teleschau: Haben Sie bisher alles geschafft, was Sie wollten?

Dinda: Ich wollte unbedingt einen Gedichtband veröffentlichen - das ist mir noch nicht gelungen, obwohl ich seit fünf Jahren daran arbeite.

teleschau: Dafür sind Sie im TV präsent und Ihr dritter Kinofilm, "Die Wolke", kommt gerade heraus ...

Dinda: Es gibt mir eine Menge Gelassenheit, dass ich in diesem Film mitspielte. Das kann mir niemand mehr nehmen. Alles, was noch kommt, ist ein Sahnehäubchen. Natürlich arbeite ich hart, und mir ist garantiert nichts einfach so zugefallen. Eher im Gegenteil ...

teleschau: Lagen da etwa Steine im Weg ...?

Dinda: Meine Mutter war dagegen, dass ich Schauspieler werde. Sie wollte, dass ich einen sicheren Job habe und regelmäßig Geld verdiene. Wenn man sich unsere Lebensgeschichte mit der Flucht aus der DDR betrachtet, ist das auch verständlich - ich sollte nicht dieselben Ängste wie sie durchstehen müssen. Aber am Ende habe ich mich durchgesetzt.

teleschau: Ihre Mutter hat Sie allein großgezogen: War das normal für Sie, oder fehlte Ihnen ein Vater?

Dinda: Wenn ich ehrlich bin, fehlte und fehlt mir ein Vater. Ich versuche diesen Mangel auf alle möglichen Weisen zu kompensieren, kann wahnsinnig intensive Freundschaften und Zuneigungen zu Männern aufbauen. Gregor (Schnitzler, Regisseur von "Die Wolke", Anm. d. Red.) wäre zum Beispiel ein Wunschvater für mich. Ich habe ihn in mein Herz geschlossen, glaube ihm, vertraue ihm.

teleschau: In Ihren Kinorollen spiegelt sich das wider, als vaterloser Teenager in "Bobby Ewing" und quasi allein Aufwachsender in "Die Wolke" ...

Dinda: Das hat einfach etwas mit dem Alter der Protagonisten zu tun. Die Familie spielt eine große Rolle - und zerrüttete Familien sind für Drehbücher interessanter. Die Filme sind für mich natürlich um so interessanter, weil ich die Geschichten nachvollziehen kann.

teleschau: Es ging bei beiden Filmen auch um Nuklearunfälle …

Dinda: Reiner Zufall. Ich sagte mir nicht: "Komm, Du machst jetzt nur noch Filme über Atomkraft, weil dich das politisch interessiert." Ich stehe zwar hinter dem Thema, aber zu allererst schaue ich danach, ob die Rollen funktionieren und mich als Schauspieler interessieren.

teleschau: "Die Wolke" erzählt nicht nur von der Liebe zwischen Elmar und Hannah, sondern ist auch eine apokalyptische Vision vom Ende der Menschlichkeit. Teilen Sie diese Vision?

Dinda: Es steckt viel Wahrheit darin. Ich glaube, wir sollten uns da nichts vormachen. Und das macht mir Angst. In einer solchen Extremsituation denkt jeder nur noch an sich selbst. Die Grausamkeit steckt nun mal im Menschen.

teleschau: Sie sind ein relativ frisches Gesicht in Deutschland. Ist das von Vorteil oder eher nachteilig, weil Sie an den etablierten Nachwuchsdarstellern nicht vorbeikommen?

Dinda: Aus der Sicht der Marketing-Leute nimmt man natürlich am liebsten einen bekannten Typen, der sehr jung sein und trotzdem möglichst viel Erfahrung haben soll. Unmöglich. Ich ärgere mich zwar, dass nur bekannte Leute gute Rollen spielen dürfen. Aber jeder will Geld verdienen, und wer in dieser Branche arbeiten will, muss darauf vorbereitet sein, dass Namen sehr wichtig sind. Ich bin zuversichtlich, kann schließlich seit sechs Jahren von der Schauspielerei leben. Bescheiden, aber völlig ausreichend.

teleschau: Wie und wo haben Sie damit angefangen?

Dinda: Im Schultheater, in der fünften Klasse. Meine erste Rolle war der Puck im "Sommernachtstraum". Im "Ranking" der Klasse war ich zu der Zeit eine Art Phantom, hatte zwar keine Feinde, aber auch keine Freunde. Ich war einfach nicht existent. Das änderte sich mit dem Theater: Ich bekam zu meinem Geburtstag, kurz nach der Premiere, eine Torte von der Klasse geschenkt, auf der stand: "Für den besten Puck der Welt." Das hat mich umgehauen und sich mir ins Herz gebrannt. In dem Moment wusste ich, dass ich Schauspieler werden will.

teleschau: Vom Schultheater zur Kinorolle ist es aber eine weiter Weg …

Dinda: Als ich 15 war, rief ich bei der Auskunft an und sagte, dass ich alle Nummern brauche, die etwas mit Schauspiel und Casting zu tun haben. In Stuttgart gibt es zwar nicht so viele, aber ich fand trotzdem eine Agentur. Dort rief ich an und meinte, dass ich glaube, etwas drauf zu haben. Es wurden Fotos gemacht, und ich kam in eine Kartei. "Schön, eine Karteileiche", dachte ich mir. Aber ich hatte alles getan, was ich tun konnte. Wenn es nicht geklappt hätte, dann hätte ich eben Pech gehabt.

teleschau: Es hat aber doch geklappt …

Dinda: Ich wurde zum Werbecasting eingeladen, für das "Lustige Taschenbuch", durfte dann aber von Mutter aus nicht, sondern musste mit dem evangelischen Kirchenlager zu einer Sommerfreizeit nach Schweden. Am Tag, als gedreht werden sollte, saß ich am Lagerfeuer und zerschlug die Mücken auf meiner Haut. Aber ich durfte dann den nächsten Spot drehen, und alles war wieder gut.

teleschau: Demnächst spielen Sie in einer Episode der SAT.1-Serie "Eight Days" einen Junkie. Was ist das für ein Gefühl?

Dinda: Das Gefühl der Kapitulation. Ich spiele einen heroinabhängigen Typen, der außer der Spritze keinen Kick mehr vom Leben erwartet. Das ist auf jeden Fall starker Tobak. Ich habe mir für die Rolle acht Kilo abhungern und einige extreme Szenen spielen müssen.

teleschau: Wie stehen Sie selbst zum dem Thema?

Dinda: Drogen lenken von den wahren Zielen ab. Ich finde es ziemlich arm, Substanzen zu nehmen, die dich von deiner Persönlichkeit entfremden. Für mich sind Drogen ein Blocker auf meinem Weg. Ich habe einfach noch viel vor in meinem Leben.

teleschau: Also haben Sie auch noch nie einen Joint geraucht?

Dinda: Ich mag es nicht, meine Umwelt nicht mehr wahrnehmen zu können. Das ist eine krasse Ansicht, und ich habe mich schon mit vielen Freunden darüber gestritten, die mir das nicht glauben. Aber nein, ich habe noch nie in meinem Leben Drogen genommen. Okay, ich habe Zigaretten geraucht und auch mal einen Wein getrunken. Aber selbst bei Alkohol halte ich mich zurück. Da kommt der Pfarrerssohn durch...

Andreas Fischer


Auf "Die Wolke" ist Franz Dinda stolz: "Es ist ein toller Film, den ich sehr liebe."
Auf "Die Wolke" ist Franz Dinda stolz: "Es ist ein toller Film, den ich sehr liebe." (Concorde)

"Die Schauspielerei", sagt Franz Dinda, "gibt mir meine Portion Anerkennung".
"Die Schauspielerei", sagt Franz Dinda, "gibt mir meine Portion Anerkennung". (Concorde)

Franz Dinda hat sich "Am Tag, als Bobby Ewing starb" 16 Mal angesehen. Er spielte den aufmüpfigen Teenager Niels.
Franz Dinda hat sich "Am Tag, als Bobby Ewing starb" 16 Mal angesehen. Er spielte den aufmüpfigen Teenager Niels. (jetfilm)

Datum: 11.03.2006

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