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Michael Mendl

Großer Papst im kleinen Format

Schauspieler Michael Mendl

(tsch) "Ich habe sofort 'Ja' gesagt, als ich dieses Angebot bekam", sagt Michael Mendl, wenn man ihn nach seiner Rolle als Papst Johannes Paul II. befragt. "Es war für mich eine Ehre", fügt er dann noch ein wenig stolz hinzu, "dass Gero von Boehm sagte, er könne sich diesen Film mit keinem anderen in der Papst-Rolle vorstellen, als mit mir. Da fühlte ich mich schon ein wenig gebauchpinselt." Dass Gero von Boehms Dokudrama über Karol Wojtyla nur eine Spielzeit von 60 Minuten hat, tut Mendls Begeisterung keinerlei Abbruch. Die Rolle, in der er den gereiften Wojtyla spielt (der jüngere ist Nachwuchsstar Devid Striesow), ist ihm auch so Herausforderung genug. Schließlich galt es, "eine Ikone mit Leben zu erfüllen".

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Schon beim Durchlesen des Drehbuchs war Mendl vom Film Gero von Boehms überzeugt. Es geht darin vor allem um den Menschen Karol Wojtyla und das, was ihn zum großen Politiker unter den Päpsten machte. Zwei Schwerpunkte sind es, die der Autor und sein Hauptdarsteller setzen: Die Zeit unter den Nazis in Polen, die Wojtyla zum Priester werden ließ - und dann die Zeit des Aufbruchs, in der Papst Johannes Paul II. Solidarnosc unterstützte und damit Polens Befreiung vom Kommunismus den Segen gab. Ohne Papst Johannes Paul II. und sein beharrliches Wirken hätte es den Fall des Eisernen Vorhangs nie gegeben, bekundete immerhin kein Geringerer als Gorbatschow. Das Attentat auf den Papst am 13. Mai 1981 durch Ali Agca dürfte, so scheint inzwischen belegt, auf sowjetische Veranlassung hin verübt worden sein.

Eine politische Figur der Zeitgeschichte also ist dieser Papst. Mendl hatte zuvor bereits sehr grandios den ehemaligen Bundeskanzler Willy Brandt in Oliver Storz' Fernsehzweiteiler "Im Schatten der Macht" (2002) gespielt, der am vorbehaltlosen Vertrauen gegenüber dem DDR-Spion Günter Guillaume gescheitert war. Und wahrscheinlich gibt es zwischen dem Romantiker Brandt und dem wundergläubigen Marienverehrer Wojtyla größere Parallelen als zwischen der Papstrolle und all den anderen Priestern und Kardinälen, die Mendl im Verlaufe seiner umfangreichen Film- und Fernsehkarriere bereits interpretierte.

"Ich versuche, den Zuschauer 60 Minuten lang vergessen zu machen, dass ich nicht Wojtyla bin", sagt Mendl, "ich will keineswegs Wojtyla imitieren." Aber dann wird er doch fast ein wenig weihevoll, wenn er die Papstrolle so definiert: "Ich habe die Würde des Menschen auf Erden zu vertreten, der ein Geschöpf Gottes ist."

Die Kinder im Botanischen Garten im römischen Trastevere, der beim Drehen die Gärten des Vatikan ersetzte, haben Mendl jedenfalls die Papstrolle sofort geglaubt und ihm voller Begeisterung "Papa, Papa" zugerufen. "Kleider machen Leute", weiß er. Seine Papst-Robe verlieh dem 61-Jährigen auch vor den Kollegen mächtigen Respekt: "Der lange Rock macht einen ganz anderen Schritt. Und man hat mich ja vor Drehbeginn auch stets allerseits mit einem 'O Heiligkeit, o Heiligkeit'-Kotau begrüßt. Ähnlich war es früher schon mal, als ich auf einer Hütte in den Dolomiten den Nikolaus machte. Damals sagten die 'Opfer' auch schon: 'Michael, wir hatten richtig Angst vor dir!'. Offensichtlich habe ich zur Heiligkeit eine gewisse Begabung."

Was hält er selbst vom Papst und von der Religion? - "Ich bin nach wie vor getaufter Christ und habe auch nicht die Absicht, nicht christlich zu leben." Dass der Papst als Oberhirte einer Religionsgemeinschaft eine wichtige Botschaft unter die Menschen bringe, leuchte ihm durchaus ein, auch in anderen Religionen gebe es das. Mit der im Katholizismus gepflegten Theatralik, mit Prozessionen und bildlicher Darstellung, werde eine mythische Welt aufgetan, nach der es die Menschen nun einmal verlange.

Auch, wenn er voller Bewunderung konstatiert, "dass der Papst mitgeholfen hat, den Kommunismus zu durchlöchern": Am meisten gefiel ihm doch die bescheidene, verschmitzte Art, mit der er den Menschen begegnet ist. So, wie dem Gärtner im Film, von dem er die passenden Blumen (Gardenien!) für eine Marienstatue bestellt.

"Besser weniger als gar nicht", sagt Mendl über den Fernsehfilm, wohl wissend, dass sie in Italien und Amerika mehrteilige Riesendramen isnzenierten. "Gerne" hätte er "mehr gedreht", so gibt er zu, "wenn der Sender mehr Zeit gehabt hätte". Aber vielleicht ist es ja genau richtig so: Ein großer Papst im kleinen Format, in seinen privaten Gesten und Gesprächen, die in Wirklichkeit niemand kennt. Und dahinter scheint dann umso bedeutender die ganze Weltgeschichte in den Ausschnitten der Zeugen und Filmdokumente auf.

"Karol Wojtyla" wird noch vor der Ausstrahlung im Vatikan im kleinen Rahmen gezeigt. Vielleicht wird Mendl dann ja auch endlich den neuen Papst treffen können. "Bei den Dreharbeiten im Januar hat es leider nicht geklappt. Wir haben mit viel Eifer und auch mit Beziehungen versucht, zehn Minuten mit ihm zu bekommen, aber es blieb uns versagt."

Wilfried Geldner


Michael Mendl spielt in Gero von Boehms Dokudrama "Karol Wojtyla - Geheimnisse eines Papstes" (ZDF, 30.3., 20.15 Uhr) den polnischen Papst Johannes Paul II., der dabei half, den Eisernen Vorhang niederzureißen.
Michael Mendl spielt in Gero von Boehms Dokudrama "Karol Wojtyla - Geheimnisse eines Papstes" (ZDF, 30.3., 20.15 Uhr) den polnischen Papst Johannes Paul II., der dabei half, den Eisernen Vorhang niederzureißen. (ZDF / Nikolai Wiezorek.)

Mario Adorf (links, als Gärtner Peppino Mancuso) und Michael Mendl (Papst Johannes Paul II., rechts) mit dem Regisseur Gero von Boehm bei den Dreharbeiten in Rom im Januar 2005.
Mario Adorf (links, als Gärtner Peppino Mancuso) und Michael Mendl (Papst Johannes Paul II., rechts) mit dem Regisseur Gero von Boehm bei den Dreharbeiten in Rom im Januar 2005. (ZDF / Attilio Cristini)

Johannes Paul II (Michael Mendl) und sein Privatsekretär Stanislaw Dziwisz (Udo Kroschwald) beraten sich im Vatikan über die politische Lage in Polen.
Johannes Paul II (Michael Mendl) und sein Privatsekretär Stanislaw Dziwisz (Udo Kroschwald) beraten sich im Vatikan über die politische Lage in Polen. (ZDF / Nikolai Wiezorek)

Datum: 11.03.2006

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