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Die Sterne: Räuber & Gedärm

Die Sterne Räuber & Gedärm

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Irgendwie gar nicht so doof: 2006 ist im Deutschpop wieder das Jahr der Slogans, der bedeutungsschwangeren Claims. Da eröffnet in Hamburg ein Club namens "Übel & Gefährlich", da schleudern uns die Cockbirds lässig ihr "Superdanke" entgegen". Blumfeld verteilen "Verbotene Früchte", und die Sterne? Die spielen "Räuber und Gedärm". Neues aus der Wortspielhölle? Nicht nur. Die Hamburger haben sich auf ihrem zweiten Album für das Indielabel V2 von allen Erwartungshaltungen emanzipiert und geben einfach mal Gas. Eine mehr als anständige Herangehensweise.

"Es könnte mehr knallen", singt die Band um Frank Spilker. Unsinn, das hier knallt ganz ordentlich. Die Sterne streunen durch diese Platte in einigen Momenten ungefähr so, wie man das von Pete Doherty und dem Londoner Nachtleben erwartet. Da ist zum Beispiel "Abends ausgehen" mit dickem Beat, wummernder Hammond und wurschtigen Aha-Chören. "Es gibt nichts spannenderes" rumpelt angenehm, "Billig" ist ein sperriges Gitarrenmonster. Spätestens hier erkennt man, dass die ja durchaus erfolgreiche Suche nach dem Popsong, die zumindest "Posen" und die drei Folgealben dominierte, endgültig ein Ende gefunden hat. Die Sterne wohnen in einer Garage und haben es sich dort ganz häuslich eingerichtet. Den Funk haben sie dabei nicht vergessen. "Der Tunnel" erinnert vom Aufbau her an alte Lado-Zeiten, auch das schroffe "Was ist mein alter Grashalm" mit dem wohl schönsten Text der Platte besitzt ordentlich alten Groove.

Dass das Instrumentale überwiegt, dass dem Klang der Vorrang vor den Texten gegeben wurde, überrascht wenig und stört eigentlich nicht - zumal so die Songs herausstechen, die irgendwie etwas zu sagen haben. "Am Pol der Macht" mit seinen wenig Vatikan-freundlichen Lyrics und der nur scheinbar beiläufigen Melodie etwa, oder der grandiose Schlusstrack "Als ich der Versuchung widerstand", dem der Beipackzettel eine wirklich höchstens in Spuren erkennbare Ähnlichkeit mit dem alten Schwofer "In Zaire" unterstellt.

Ob man das alles, wie einzelne Rezensenten vermuten, nun auf die Warenwelt übertragen kann, ob die Sterne hier ihre antkapitalistische Reifeprüfung bestehen, ist ebenfalls zweifelhaft. Und eigentlich auch völlig egal, denn die Hamburger zeigen mit "Räuber & Gedärm" vor allem eines: Sie sind immer noch am besten, wenn sie ihre Parolen in den Raum werfen und zumindest irgendwie negieren. Form vor Inhalt, oder zumindest auf Augenhöhe, eine nette Alternative zum deutschen Beliebigkeitspop der Gegenwart.

Jochen Overbeck


Datum: 23.03.2006

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