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Prince
Das Haus ist rosa, die Musik schwarzMusiker Prince (tsch) Schon komisch, was so ein Name alles ausmachen kann, wie sehr er zur Marke, zum Schlagwort wird. Prince steht 2006 nicht mehr für experimentelle Konzeptalben, die er im Eigenvertrieb herausbringt, er ist auch nicht mehr einer, der als Symbol, TAFKAP oder ohne jede Bezeichnung versucht, sich von den Strukturen des Musikmarktes zu lösen. Prince 2006, das ist im Prinzip der, den wir aus den 80er- und Früh-90er-Jahren kennen. Einer, der Funk macht, der so verschmitzt-verschwitzt klingt, so echt und authentisch, dass der Großteil aktueller R'n'B-Produktionen dagegen völlig abstinkt. Das neue Studioalbum des kleinen Manns aus Minneapolis, "3121", untermauert diesen Status. Anzeige
Früh galt Prince als Hoffnungsträger der amerikanischen Funk-Szene, und früh enttäuschte er. Als 1978 sein Debütalbum "For You" erschien, waren sowohl Kritiker als auch die Plattenfirma nur mittelmäßig berührt, erst das dritte Album "Dirty Mind" (1980) zeigte, dass da etwas kommen sollte, dass der Kerl zum wichtigsten Black-Music-Künstler neben Michael Jackson aufsteigen würde: Prince übernahm nicht nur die Initiatve, sondern auch die Kontrolle. Er spielte sämtliche Instrumente selbst ein und schuf so ein vielschichtiges Album, das - und da lag wohl der Unterschied zu den beiden Vorgängern - eine Sexualität ausstrahlte, die zumindest konservative Kreise in den USA eher verunsicherte - so trat er durchaus mit Strumpfhaltern und in Unterhosen auf, posierte anzüglich und gab den Anfangsjahren der Musikvideo-Kultur eine erotische Schlagseite, die im angenehmen Widerspruch zu anderen Interpreten stand. Gleichzeitig setzte er eine Blaupause für mindestens zehn Jahre Funk, integrierte Fusion, Disco, Rock und HipHop in sein Gebräu. Wenn man die Biografie von Prince liest, dann war das alles irgendwie durchaus zu erwarten. Sein Vater spielte nicht nur in einer Jazzband ("Prince Roger Trio"), sondern benannte seinen Sohn nach dieser - Prince Roger Nelson. Auch wenn Prince bei Adoptiveltern aufwuchs - die unbedingte Liebe zur Musik, die blieb. Schon früh lernte er nicht nur Instrumente, sondern auch zu komponieren und zu arrangieren. In der Highschool gründet er seine Band Grand Central, merkt aber rasch, dass die anderen ihm nicht gewachsen sind - und nimmt im Alter von 16 Jahren seine ersten Demobänder auf. Prince veröffentlichte einige der besten Songs der 80er-Jahre, wie "Purple Rain", "When Doves Cry" oder "Alphabet Street". Karriereknicks überstand er stets, mehrmals erfand er sich neu - zum Beispiel 1991, als er seine Tour-Band The Revolution wegen künstlerischer Differenzen auflöste und die New Power Generation (NPG) ins Leben rief, mit der er das wohl beste Album seiner Karriere, das epische "Diamonds And Pearls" aufnahm. Oder bei "Musicology", dem Comeback-Album von 2004. Er wurde in die Rock'n'Roll Hall of Fame aufgenommen, machte Ausflüge ins Filmgeschäft, schreibt für Sinead O'Connor den Superhit "Nothing Compares To U". Kurzum: Prince ist geradezu absurd kreativ, ein Hansdampf in allen Gassen, dem man eine gewisse Eitelkeit sicher nicht absprechen kann, der aber die Kunst der Neuerfindung beherrscht wie kein anderer. Gleichzeitig ist er medienscheu, gibt kaum Interviews und meidet die Öffentlichkeit. So gibt es kaum Informationen über sein Privatleben - keine Gerüchte, keine Spekulationen, wenig schmutzige Wäsche. Da wird kurz über seine Mitgliedschaft bei den Zeugen Jehovas die Nase gerümpft, da vermeldet vor einigen Jahren mal eine Nachrichtenagentur, dass er sich wegen seines dauerhaften Gangs auf High Heels die Hüfte operieren lassen muss. Der aktuelle Skandal: Der Vermieter ist etwas sauer, weil Prince seine Villa a) mit dem Albumartwork und b) rosa angemalt haben soll. Jetzt ist er vor Gericht gezogen, was Prince wenig stören dürfte, dessen letztjähriger Verdienst auf 56 Millionen Dollar geschätzt wird. Warum er nun wieder der Alte ist, die Marke, die man in den letzten Jahren manchmal vermisste, erklärt er selber ganz gut: "Da draußen fehlen einfach die Musiker", sagte er MTV: "Wir brauchen wieder Instrumente - sonst geht es in der Zukunft nur noch um Computer!" So lange er Alben wie "Musicology" oder "3121" veröffentlicht, müssen wir uns da wohl keine Sorgen machen. Jochen Overbeck |
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