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Donald Fagen: Morph The Cat

Donald Fagen Morph The Cat

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Morph, ein katzenartiger Geist, senkt sich auf New York und lähmt die Stadt. Alle sind zufrieden, ein wohliges Gefühl der Taubheit macht sich breit. Das ist die Exposition auf Donald Fagens neuem Album: Seine Stadt, die nicht mehr ist, was sie war. "Morph The Cat" ist überall, gibt der Platte ihren Titel, in seinem Geiste bewegen sich Figuren der übrigen Songs. Donald Fagen scheint politisch zu werden auf seine alten Tage. Das Thema des Albums sei der Tod, sagt der 58-Jährige. Und weil Fagen - ob solo oder bei seiner Band Steely Dan - immer dann die schönsten Melodien singt, wenn der Text am brutalsten ist, wurde aus "Morph" ein wunderschönes Album.

Nichts Neues, mag man einwenden, die üblichen Zutaten von Steely Dan, wie sie sich auf Fagens seltenen Soloprojekten finden: minutiös ausbalancierter Jazzpop, funky und reich an kleinen Melodien, elegant arrangiert, superb gespielt und aufgenommen. Darauf ist Verlass, und dennoch kommt keine Langeweile auf. Im Gegenteil, wer den Blick auf das Zählwerk des CD-Spielers wirft, reibt sich die Augen: Sollen diese Stücke, die so stringent und präzise klingen, wirklich Spielzeiten von sechs Minuten und mehr haben? Die Texte sind einen Hauch weniger kryptisch als bei Steely Dan, dabei aber genauso fantasievoll, und fügen sich wie auf einem Konzeptalbum zu einem Ganzen. Sie erzählen etwa von einer Frau, die sich seit einiger Zeit zurückzieht ("The Night Belongs To Mona"): "Was it the fire downtown / That turned her world around?", so die Frage. Wer sich noch der Liebe hingeben will, muss sich Fluchten aus der Realität suchen, in der "Great Pagoda of Funn", und in dem brillanten "Mary Shut The Garden Door" beschreibt Fagen, wie das Land immer paranoider wird, weil sich die Regierung einem Gewaltkult hingibt.

Eine Platte über das New York nach dem 11. September, über Bush-Amerika - und das ohne erhobenen Zeigefinger und gekünstelte Empörung. Denn die Grooves pulsieren, gerade jetzt, und selbstverständlich überzieht Fagen alles mit beißender Ironie. Das erste, was Morph tut, als er sich auf die Stadt herablässt? Macht Pause, auf einen Caffé Latte in Sugerhill. Und wie übersteht man die endlosen Sicherheitschecks am Flughafen? Am besten bei einem heißen Flirt mit "Security Joan". Schließlich wendet sich der Erzähler im Traum Rat suchend an Ray Charles - eine bittersüße Hommage an das verstorbene Genie. Dessen Aufmunterung: Nicht verzweifeln, abwarten. In der Zwischenzeit hören wir Donald Fagens exzellente Platte. Denn "Morph" hin oder her: Das hebt die Laune.

Matthias Kaufmann


Datum: 24.03.2006

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