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Adam Green, amerikanischer Musiker
Die tiefe Stimme aus dem FlugzegSänger Adam Green (tsch) "Hat Bayern einen Zugang zu irgendeinem Ozean?" Nein, das ist nicht der Pisa-Test für Dummies, sondern eine durchaus berechtigte Frage, die Adam Green der Bedienung in der Lounge eines Münchener Nobel-Hotels stellt. Denn er soll Sushi essen, obwohl er Pommes Frites möchte. Da wird man ja mal diskutieren dürfen. Ohnehin redet Adam Green gerne. Und er lächelt, erzählt von seiner Freundin, die er in ein paar Tagen sehen wird. Und dann lehnt er sich nach vorne, grinst und fragt den Journalisten nicht nur, ob er eigentlich eine Ahnung davon hätte, wie Sesampflanzen aussehen, sondern auch: "In Ordnung, was genau möchtest Du wissen?" Nun, da gibt es einige Dinge, denn immerhin erscheint dieser Tage mit "Jacket Full Of Danger" ein neues Studioalbum. Anzeige
teleschau: Deine letzte Platte stieg in Deutschland auf Nummer vier in die Hitparaden ein. Überraschte Dich das? Adam Green: Total, auch wenn die Medienresonanz im Vorfeld sehr groß war. Das Schöne an dem Erfolg in Deutschland: Das alles hat sich auf die Nachbarländer und sogar das übrige Europa ausgeweitet. Mittlerweile bin ich auch in Spanien sehr erfolgreich, und zu meinen Konzerten in England kommen auch gut 1.000 Leute. teleschau: Und Du bist im Fernsehen - mit Carl Barat, mit Gero von Boehm ... Green: (lacht) Stimmt, das war beides sehr witzig. Ich muss hier in Deutschland immer einfach nur eine Straße entlanglaufen und mit irgendjemandem Blödsinn reden. Das mögen Eure Fernsehmacher, und mir kommt es natürlich auch entgegen. Das ist echt witziger, als in irgendeiner Late-Night-Show zu sitzen. teleschau: Hat Dich der Erfolg in Europa in den USA weitergebracht? Green: Höchstens ein bisschen. In Amerika spiele ich, wenn's gut läuft, vor 700 Leuten, und auch nur in einigen Städten. Das liegt auch daran, dass ich ein paar F-Wörter benutze - und da setzt in den USA eben eine gewisse Zensur an. teleschau: Wie sieht die konkret aus? Green: Zum Beispiel reglementiert MTV. Ich durfte in "Emily" das Wort "Kitchenknife" nicht verwenden, musste stattdessen den Song an der Stelle mit "Happy Guy" überfaden. Dabei ist "Messer" eigentlich nicht einmal ein Fluch oder obszönes Wort. Aber das Problem ist eben: Es ist völlig egal, was Du sagen willst und ob Du überhaupt etwas sagen willst. Es geht um die Buchstaben und deren Aneinanderreihung. teleschau: Ein bisschen schizophren ... Green: Natürlich, total. Auf der einen Seite haben die USA Gesetze, nach denen Du alles sagen, alles behaupten kannst, ohne belangt zu werden. Es gibt keinerlei staatliche Zensur. Du darfst auch alles verkaufen. Aber MTV, Walmart, Starbucks und das Radio wollen damit eben nichts zu tun haben. Und wenn Du bei denen draußen bist, verkaufst Du weniger Platten. teleschau: Wie viel Zeit hast Du in den letzten Monaten in Europa verbracht? Green: Ich spielte 150 Shows in eineinhalb Jahren und hatte hier auch sonst viel zu tun. Ich bin sehr gerne in Berlin, aber auch in Spanien. teleschau: Es gab Gerüchte, Du wolltest Dich hier niederlassen ... Green: Naja, so stimmt das nicht. Meine Freundin und ich haben kurz überlegt, nach Berlin zu ziehen. Aber mehr in so einem Was-wäre-wenn-Modus. Ich liebe New York, da wohnt ja auch meine ganze Familie. So gerne ich verreise, ich werde da immer meine Wohnung haben. teleschau: Zur Platte: So ausgefeilt wie auf "Jacket Full Of Danger" waren die Arrangements noch nie ... Green: Gerade für die Streicher war das bestimmt nicht ganz einfach, weil die Arrangements von Jane Scarpentoni diesmal sehr komplex waren. So nah war ich noch nie an dem Album dran, das ich immer schon machen wollte. teleschau: Das sagen Künstler gerne. Green: Diesmal stimmt's aber. Ich bin einfach viel weiter als noch vor drei, vier Jahren und traue mir mehr zu. Die wichtigste Erkenntnis war eine, die eben Zeit braucht: Musik wohnt nicht in deinen Fingern, sondern in deinem Kopf. Und um das umzusetzen, brauchst Du eine gute Band. Menschen, die für Dich arbeiten, die Du bezahlst. Und die habe ich. teleschau: Du singst viel tiefer. Green: Ja, das ist wohl der größte Unterschied zu früher. Ich mag Sänger mit charakteristischen Stimmen. Vor allem, weil momentan die meisten ziemlich weit oben singen. Aber blick' mal in die Vergangenheit: Jacques Brel, Scott Walker, Jim Morrisson: Die waren immer weit unten unterwegs, das hat etwas sehr Männliches, das ich eben gerne ausreizen möchte. Und: Man singt aus dem Bauch heraus, und das ist angenehmer. teleschau: Ich habe den Eindruck, dass Deine Songs immer kürzer werden. Warum? Green: Ich brauche doch schon so lange, um ein kurzes Lied zu schreiben, wie soll das mit einem langen werden? Nein, im Ernst: Meine Lieder haben keine Botschaft. Ich erzähle ja nichts. Ich will eine Stimmung generieren, mit einem Beat, mit einer Melodie, mit Wörtern. Das ist eine Struktur, die eben nicht so viel mit klassischem Songwritertum zu tun hat. Da macht es wirklich keinen Sinn, klassische Schemen herauszubollern und vier Strophen lang zu erzählen. Es geht da nicht um eine Formel, sondern auch darum, die Lieder loslaufen zu lassen. teleschau: Wo kommen Dir die besten Einfälle? Green: Im Flugzeug. Das muss etwas mit der Höhe zu tun haben, ich werde in der Luft wirklich schnell emotional. Ich fange an zu weinen, nur weil ein Adam-Sandler-Film läuft, der mich sonst nie berühren würde. Das Tolle am Fliegen: Man kann nichts anderes tun, als zu fliegen und zu denken. Der Aufenthalt im Flugzeug ist eine riesengroße Pause, in der man sich so unendlich wohl fühlt. Es ist der einzige Ort auf der Welt, an dem man wirklich genau richtig ist. Man kann sich in einem Flugzeug nicht verloren fühlen, eben weil man so gut aufgehoben ist. Jochen Overbeck |
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