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Queensryche: Mindcrime II

Queensryche Operation: Mindcrime II

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Die Songs: Sie trafen den Zeitgeist. Die Story: Sie war mitreißend. Der übergeordnete Spannungsbogen: erkennbar, ohne vorheriges Notenstudium. Das war "Operation: Mindcrime". Bis heute das einflussreichste Werk Queensryches, auch wenn der Nachfolger "Empire" mit seinem Hit "Silent Lucidity" als Bestseller gehandelt wird. Nicht weiter verwunderlich also, dass kaum ein Rockalbum in den letzten Monaten mit soviel Neugier, aber auch mit soviel Bangen erwartet wurde wie "Operation: Mindcrime II".

Bangen deshalb, weil die bloßen Fakten den Schluss nahe legen, dass es nicht funktionieren kann. Alleine schon, dass die Fortsetzung eines bahnbrechenden Albums kaum bahnbrechend sein wird, wenn sie geplant ist. Schon gar nicht, wenn 18 Jahre dazwischen liegen. Und mit Chris DeGarmo einer der damals Mitverantwortlichen fehlt. Und überhaupt, die Altfans werden "Operation: Mindcrime II" an ihrem "Original" messen, die Neueinsteiger am metallischen Standard 2006. Kopfschütteln. Die Diskrepanz ist zu groß. Und tatsächlich: Aus all diesen Gründen kann Teil II dem ersten das Wasser nicht reichen.

Einen Schuss in den Ofen haben Geoff Tate und seine Mitstreiter dennoch nicht abgefeuert. Der Vergleich mit dem ersten Teil darf nicht zu stark gewichtet werden, das als Voraussetzung, um sich mit diesem modernen, durchkalkulierten Ungetüm anzufreunden. Zwar gibt es feine, versteckte Reminiszenzen an den ersten Teil, vom Hardrock der Achtziger jedoch ist kaum eine Spur zu hören. Sperrig ist das Album geworden, trägt Querverweise zum Progressive Rock der Siebziger in sich, zum Musical, zum heftigeren Metal des neuen Jahrtausends. Es ist ein heterogenes, anspruchsvolles, seltsam ungebügelt produziertes Konzeptalbum. Eines das fordert. Brüskiert. Aufrüttelt. Vorurteile beseitigt und bestätigt. Textlich wird das Seelenleben der Akteure stärker in den Fokus gerückt, es geht um Rache, um Liebe, um innere Zerrissenheit. Auch das macht den Tobak härter, als so manchem lieb sein wird, der sich einst von der rasanten Handlung und ihrer Umsetzung so beeindruckt zeigte.

Es gibt jedoch etwas, über das sich kaum streiten lässt: Der Vorwurf von Selbstkopiererei oder gar Ideenlosigkeit darf in keiner Sekunde fallen, eine Tugend, welche die Band ohnehin seit Anbeginn ihres Bestehens für sich beanspruchen kann. Und eine Tugend, mit der sie sich vom Gros ihrer Nachahmer abhebt, heute wie damals. Dies alleine sollte Grund genug sein, eine Begegnung oder Konfrontation mit "Operation: Mindcrime II" zu wagen. In der Diplomatensprache resümiert: Queensryche haben das Unmögliche angepackt. Und das Bestmögliche daraus gemacht.

Alexander Diehl


Datum: 26.03.2006

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