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Harrison Ford, US-Schauspieler
"Ich weiß nicht, wo mein Geld ist"Schauspieler Harrison Ford (tsch) Wer über Harrison Ford spricht, benutzt Superlative. Er war Indiana Jones, Han Solo und Jack Ryan. Ach ja ... und der Blade Runner. Seine Filme formen - zusammengenommen - die erfolgreichste, ertragreichste und auch gemessen am Publikumserfolg die mit Abstand beste Karriere Hollywoods. Nun ist Harrison Ford bereits 63 Jahre alt und keineswegs müde. Jedes Jahr, so erzählt er staubtrocken, soll nun ein weiterer Film dazukommen. Nächstes Jahr sollen die Dreharbeiten zum vierten "Indiana Jones"-Abenteuer beginnen. Steven Spielberg arbeitet schon fleißig am Drehbuch, verrät Ford noch. Dabei verliert sich der Action-Held nicht in Träumereien vom Gestern, sondern konfrontiert sich selbst mit den Gefahren der Zukunft - zumindest im Film. In "Firewall" (Start: 30.03.) versucht er mit IPod und Faxweiche seine selbst entworfene Firewall, quasi seinen digitalen Schutzwall, für ein Kreditinstitut zu überwinden. Im Interview erklärt er seine Faszination für die Technik, sich selbst und was er mit seinen Millionen anfängt. Anzeige
Harrison Ford starrt aufs Aufnahmegerät. teleschau: Gefällt's Ihnen? Harrison Ford: Hey, es ist ein IPod wie im Film: 10.000 Songs, 10.000 Bankkonten, 10.000 Schauspieler. Keine Ahnung, was das bedeutet. Aber es ist cool! teleschau: Sie sind offenbar ein echter Technikfreak geworden. Ford: Das spiele ich allen nur vor. Im Grunde habe ich damit nicht viel am Hut und verstehe auch so gut wie nichts davon. Für den Film aber habe ich mich etwas tiefer in die Materie hineinarbeiten müssen, um nachvollziehen zu können, wieso mein Filmcharakter überhaupt zur Arbeit geht. Vorher hatte ich keine Ahnung, was ein 'Chief Information Officer' so macht. Jetzt weiß ich, dass ständig Geld durch die digitalen Kanäle verschwindet, ohne dass die Öffentlichkeit davon etwas mitbekommt. Schließlich möchte die Bank ja nicht ihren guten Ruf verlieren. Erst Beträge über 10.000 Dollar müssen gemeldet werden. teleschau: Fragen Sie sich jetzt, wie sicher Ihr eigenes Geld ist? Ford: Ich weiß eigentlich gar nicht, bei welcher Bank mein Geld zurzeit ist. Ich vermute, es ist eine Kombination aus vielen. Es gibt da einen Mann namens Brian, dessen Telefonnummer ich mir eingeprägt habe. Und wenn ich Geld brauche, rufe ich ihn an. Ich packe das Geld am einen Ende hinein und bekomme es am anderen heraus. teleschau: Haben Sie noch eine Vorstellung davon, wie Geld aussieht? Ford: Das Geld besteht heute natürlich nur noch virtuell, weil sich die Banken darauf verständigt haben, es so untereinander auszutauschen. Wer braucht da noch eine harte Währung, die man anfassen kann? Das Geld ist aber noch da, es wird nur schwerer zu stehlen. So definiert man ja einen "irischen Banküberfall": Während unserer Dreharbeiten hörte ich von einem Bankraub von 40 Millionen US-Dollar in nordirischen Banknoten. Wo will man die ausgeben außer in Nordirland? So etwas Blödes! teleschau: Wenn man Sie auf Ihr Alter anspricht, reagieren Sie häufig beleidigt und unwirsch. Wieso? Ford: Natürlich fasse ich das als Beleidigung auf. Es hat doch keinen zu interessieren, wie alt ich bin. Aber viel beleidigter bin ich, wenn mich jemand fragt, wieso ich nicht mal einen originellen Film drehe. Der soll mich doch am … - mein Job ist es nicht, die Zuschauer zu überraschen. Ich setze mir keine Gumminase auf und verstelle mich. teleschau: Aber welche Stoffe würden Sie noch reizen? Ford: Ich bin kein großer Denker, wenn es um Filme geht, die ich noch gerne machen würde, weil ich sie noch nicht gemacht habe. Dazu fehlt mir die mentale Kapazität. Ich habe in meiner Karriere die Filme gedreht, die mir zugesagt haben. Mein Job ist es nicht, herumzusitzen und nachzudenken, sondern mich zu entscheiden, wenn eine Entscheidung verlangt wird. teleschau: Ist Ihre Karriere als Action-Held also nur ein Zufall oder eine Finte? Ford: Ich habe selbst die Definition von Action-Star nie verstanden. Ich bin ein Schauspieler, der arbeitet. Und ich bin froh, dass meine Arbeit mir Geld einbringt. So funktioniert die Welt. teleschau: Sie sind der kommerziell erfolgreichste Schauspieler aller Zeiten. Hat man da noch ein Gefühl für echte harte Arbeit? Ford: Es ist sicherlich kein ehrlicher Tageslohn, aber eine ehrliche Tagesarbeit. Meine Mutter war jüdisch, mein Vater katholisch, und ich wurde demokratisch erzogen. Wir haben immer für unser Geld gearbeitet. Als Kind schippte ich Schnee, um das nötige Geld zusammenzubekommen, um Mädchen auszuführen. Seitdem hat sich nicht viel verändert: Ich verdiene immer noch mein Geld genau dafür. Um etwas anderes geht es im Leben doch gar nicht. teleschau: Gibt es einen Filmemacher, mit dem Sie auch für weniger Gage zusammenarbeiten würden? Ford: … weil es einem höheren künstlerischen Anspruch dient, wollen Sie unterstellen? Es geht mir um etwas anderes: Ich kann Ihnen keinen Regisseur nennen, mit dem ich immer mal gerne zusammenarbeiten wollte, weil ich das Drehbuch, um das es gehen würde, nicht kenne. Für mich zählen diese beiden Dinge im Zusammenspiel miteinander: Drehbuch und das Material, das zu verfilmen ist. Außerdem: Ich habe mit einigen der besten Regisseure der Filmgeschichte zusammengearbeitet. Nicht, weil ich der beste Schauspieler wäre, sondern weil sie eben die Filme drehen wollten, die auch mir zugesagt haben. teleschau: Was fasziniert Sie so sehr an "Indiana Jones", dass es nun tatsächlich einen vierten Teil gibt? Ford: Das Konzept war stets das einer Samstagnachmittag-Serie: immer dieselben Charaktere, unterschiedliche Situationen und ein Cliffhanger am Ende, der die Spannung für die nächste Folge zum Zerreißen spannen soll. Mit solchen Formaten bin ich aufgewachsen. Ich finde das sehr unterhaltsam. Was mir aber bei "Indiana Jones" immer sehr wichtig war, ist, dass wir nicht ständig dasselbe drehen. Man muss dem Charakter die Möglichkeit geben, sich weiterzuentwickeln. Nur so erhält man das Interesse des Publikums an dieser Figur, die ja nur ein Teil der gesamten Filmmaschinerie ist. Daher wollte ich im dritten Teil ja auch einen Vater, damit man den Hintergrund des Protagonisten besser versteht. teleschau: Ihr Schauspiel-Kollege Paul Bettany in "Firewall" war lange Jahre auf Theaterbühnen zu Hause. Hat es sie selbst nie gereizt, vor echtem Publikum zu spielen? Ford: Nein, es war immer der Kinofilm. Filme zu drehen, ist wie das Leben im Schützengraben: Man hat eine Geschichte, die man in einer vorgegebenen, meist kurzen Zeit erzählen muss und das verdammt noch mal auf die richtige Art und Weise. Sonst hat man seine Chance vergeben. Das alles erreicht man in einer Gemeinschaft, also mit den Kollegen hinter und vor der Kamera. Dabei bin ich in der glücklichen Lage, nicht einfach das tun zu müssen, was mir befohlen wird. Ich habe mir das Recht verdient, mich bis zu einem gewissen Grad am Set einzumischen. Anderenfalls wäre das nicht der richtige Job für mich. teleschau: Wieso war Ihre Karriere nicht so abwechslungsreich wie die Ihrer Kollegen, wie zum Beispiel von Robert De Niro? Ford: Vor langer Zeit bekam ich einen Anruf von Robert De Niro, mit dem ich eigentlich nie viel zu tun hatte. Das war ein Anruf im Auftrag von Martin Scorsese. Sie fragten mich, ob ich in "Kap der Angst" mitspielen wolle. Ich war sehr an der Rolle des Gangsters interessiert. Doch das wollte Robert wohl nicht. Sie riefen mich nie zurück. Leif Kramp |
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