Firewall

Firewall

(tsch) Ein Computer ist ein toller Hauptdarsteller. Das erkannte schon Stanley Kubrick, der einen diabolisch-gleichgültigen Rechner namens HAL in "2001 - Odyssee im Weltraum" zum Protagonisten machte. Waren die Gefahren, die von der digitalen Maschine ausgingen, damals noch visionär und entbehrten jeglichen Alltagsbezugs, greifen heutige Computerthriller all die Risiken auf, die auf dem heimischen PC jederzeit ärgerliche Probleme auslösen können. Auch Harrison Ford, der (gemessen an den Einspielergebnissen) erfolgreichste Schauspieler aller Zeiten, geht mit der Zeit und präsentiert nun einen Thriller, in dem es zwar auch um Geiselnahme, viel Geld und die Liebe zu einem Hund geht, aber vor allem eines zum Thema gemacht wird: wie leicht die auf digitalem Fundament gebaute Finanzwirtschaft ausgetrickst werden kann.

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Mit "Firewall", so der Titel des schnörkellos inszenierten Cyberthrillers mit handfesten Action-Momenten, bewegt sich Ford nach seinem Komödienflop "Hollywood Cops" wieder auf verlässlicherem Terrain. Aus einem Manager mit Bügelfalte wird ein eingestaubter, nein: vor Dreck nur so strotzender Held, der die Fäuste schwingen lässt, um seine Familie zu befreien. Und das kommt so: Ein fieser Gauner namens Bill Cox hat sich den (offenbar) weltbesten Sicherheitsberater einer Bank ausgeguckt, um mit seiner Hilfe eine Bank und eine Heerschar der Kunden um überschaubare Beträge zu bringen, was in der Masse viele Millionen Dollar ergäbe. Das alles soll freilich digital und kaum merklich geschehen, wofür die gefürchtete und unüberwindbar scheinende Firewall der Bank überwunden werden muss. Eine Firewall ist das Schutzschild eines jeden Computers, um Viren, Würmer und ähnlich störendes Ungeziefer aus den Tiefen des Internet abzuwehren. Bei einer Bank geht es freilich darum, Eindringlinge, die Zugang zum Netzwerk und damit zu den Konten der Kunden bekommen wollen, auch nicht im Entferntesten zum Zug kommen zu lassen.

Cox hat sein Opfer, sein menschliches Werkzeug wochenlang mit seinem Team aus einigen Spezialisten und Haudraufs ausgespäht, kennt dessen Tagesablauf und jede seiner Marotten. Dann schlägt er zu, indem er sich zunächst als Geschäftspartner vorstellt und dem geschockten Manager eröffnet, dass er seine Frau und die beiden Kinder in seiner Gewalt habe - und das im eigentlich sichersten vorstellbaren Hort: dem eigenen Domizil. Für Jack Stanfield (Ford) heißt es, die Forderungen zu erfüllen, mitzuspielen beim verbrecherischen Plan, was bedeutet: sein eigenes perfektes System zu überwinden. Wie ihm das gelingt, wieso er dazu nur ein IPod und eine Faxweiche braucht, und was ein GPS-gesteuerter Hundechip mit dem schlussendlichen Happy End zu tun hat, ist unterhaltsam anzuschauen. Doch nur für einen kurzen Moment lässt Ford sein einstmalig so markantes Markenzeichen, den schnodderigen Witz, aufblitzen, viel zu kurz für seine Fans.

Paul Bettany spielt den Verbrecherkopf. Der britische Schauspieler, der mit Komödien wie "Ritter aus Leidenschaft" und "Wimbledon" bekannt wurde, ist in "Firewall" zwar nicht zum ersten Mal als "Bad Guy" zu sehen, doch hält der Ehemann von Oscar-Preisträgerin Jennifer Connelly einen Karrieresprung, der ihm spätestens mit seinem nächsten Film "Da Vinci Code" gelingen wird, durch sein neues Image durchaus für möglich. Dann spielt er einen mordenden Mönch: richtig grausig mit tiefen Narben und bleichem Antlitz. "Alle hören immer nur Harrison zu, wie er erzählt, dass er mich zusammengeschlagen hat. Dabei habe ich ihm auch gehörig was verpasst", echauffiert sich Bettany mit einem Augenzwinkern.

Trotz der offensichtlichen Mühe, mit der er sich in "Firewall" als kaltblütiger wie kaltschnäuziger Gangster gibt, kann man ihm die Bösartigkeit nicht gänzlich abnehmen. Und so wirkt er eher erstaunt als hasserfüllt, wenn sich Harrison Ford in seiner Rolle als rot sehender Vater und Ehemann auf ihn stürzt, um ihm zu zeigen, wo es langgeht.

Der Verdacht, dass die beiden Hauptdarsteller während des Drehs gute Freunde geworden sind, bestätigte sich vergangene Woche im sonnigen Barcelona: Auf die hartnäckige Frage einer spanischen Klatschreporterin, ob Harrison Ford dieses Jahr noch eine Hochzeit (mit Dauerfreundin Calista Flockhart) plane, warf sich Paul Bettany spontan vor den boulevardesk Attackierten: "Eigentlich wollten wir es noch nicht verraten: Aber ja, Harrison und ich wollen den Schritt wagen." Sprach's und gab dem 29 Jahre älteren Schauspielkollegen einen Kuss auf die Wange.

Leif Kramp

Credits:
V:Warner, USA 2006, R: Richard Loncraine, D: Harrison Ford, Paul Bettany, Virginia Madsen u.a.

Laufzeit: 105 Min.

Wertung
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Der Sicherheitsexperte Jack Stanfield (Harrison Ford) weiß nicht, dass er Tag und Nacht beobachtet wird.
Der Sicherheitsexperte Jack Stanfield (Harrison Ford) weiß nicht, dass er Tag und Nacht beobachtet wird. (Warner Bros. Ent.)
Bill Cox (Paul Bettany) will mit Jacks Hilfe an das große Geld kommen.
Bill Cox (Paul Bettany) will mit Jacks Hilfe an das große Geld kommen. (Warner Bros. Ent.)
Jack (Harrison Ford, rechts) versucht, seinen verstörten Sohn Andy (Jimmy Bennett) zu beruhigen.
Jack (Harrison Ford, rechts) versucht, seinen verstörten Sohn Andy (Jimmy Bennett) zu beruhigen. (Warner Bros. Ent.)

Datum: 27.03.2006

Diskussion: "Firewall"

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