Pink - I'm Not Dead
Pink I'm Not DeadAnzeige "Oh where did the smart people go? Where could they be?" Pink macht sich ihre Gedanken und stellt sich endgültig in einen Gegensatz zum herkömmlichen Frauenbild der Popmusik. Bemerkenswert, weil das besonders in der Männerwelt nicht unbedingt goutiert werden dürfte. Immerhin nahm Pink noch vor einigen Jahren gemeinsam mit Christina Aguilera und Lil'Kim "Lady Marmelade" auf - ein Song, dessen Video sich in seiner Freizügigkeit schon dezidiert an konventionelle Männerfantasien richtete und so etwas wie der Grundstock für ihren Erfolg war. 2006 ist alles anders. Statt im Zirkus des leichtbekleideten Lady-Pops sucht sich Pink ihre Mitstreiter in der Intellegenzia. Die Indigo Girls, seit zwei Jahrzehnten mahnende Stimmen des amerikanischen Frauen-Folk, dürfen in "Dear Mr. President" gegen Bush und für die niederen Schichten der amerikanischen Bevölkerung predigen. Stilistisch stellt der Song freilich eine Ausnahme dar. Ansonsten poltert und klotzt "I'm Not Dead", ist frech, rotznäsig und laut - eben wie man das von den letzten beiden Pink-Alben kennt. Das unterstreicht schon der erste Song, aus dem die eingangs zitierten Textzeilen stammen. Pink rechnet auf "Stupid Girls" mit der Lipgloss-Handtaschen-Fraktion ab, zeigt mit geschwollenem Hals einen wütenden Stinkefinger und gibt gleichzeitig einen guten Eindruck von der Richtung, in die sich Pink bewegt: Sie ist eine ambitionierte Sängerin, die das oft vernachlässigte, vor allem aber belächelte Feld Mainstream-Rock mit neuem Leben füllt. Dass dabei der Authentizitäts-Faktor etwas tiefer hängt als bei Alanis Morissette, liegt wohl vor allem daran, dass Pink ihre Songs nicht ausschließlich selber schreibt, sondern jede Menge Bescheidwisser engagiert, die ihr die Lieder aber durchaus passend auf den Leib schneiderten. Da ist zum Beispiel "Long Way To Happy", eine ordentlicher Rock-Stomper mit größtmöglicher Single-Affinität. Auch der Titeltrack ist eingängig. Modernster Crossover-Pop mit fettem Beat, pointierter Instrumentierung und einer Pink, die sich trotzig Richtung Refrain singt. "U And Ur Hand" geht mit seinem Oldschool-HipHop-Beat eher in die Beine, erinnert lustigerweise ein wenig an "U Can't Touch This" von MC Hammer, bevor es sich im Refrain in etwas gängigere Rock-Gefilde verabschiedet - durchaus repräsentativ für eine vielleicht nicht unbedingt relevante, aber unterhaltsame Poprock-Platte. Jochen Overbeck |
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