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George Clooney

Meister des Balanceakts

Schauspieler / Regisseur George Clooney

(tsch) Die Augen durchdringend, analysierend geradeaus gerichtet und die Stirn leicht in Falten gelegt, durch die hochgezogenen Brauen. Es ist nicht Verwunderung, die seine Augenbrauen hebt, vielmehr ist es aufmerksame Ruhe, die seinem Gegenüber das Gefühl gibt, ernst genommen zu werden. Derart ernst und intensiv sind George Clooneys Blicke, dass selbst Frauen auf dem heimischen Sofa, mehrere Kameras, diverse Schneideräume und einen Fernseher entfernt, bereitwillig ihren Ehemann tauschen würden. Doch plump und charakterlich oberflächlich, wie der gemeine Frauenheld gern von der Männerwelt karikiert wird, ist Clooney nicht. Das beweist er in seinem neuen Streifen "Good Night, And Good Luck" (Start: 06.04.) erneut überzeugend.

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Wenn er in Zusammenhang mit dem Film, "Good Night, And Good Luck", über die ursprüngliche Aufgabe der Fernsehsender, Nachrichten zu verbreiten, redet oder den Verfall informationsträchtiger Berichterstattung zugunsten von Entertainment adressiert, dann klingt er nicht wie ein Frauenschwarm. Erschiene "Emergency Room"-Arzt Doug Ross im selben Bild, würde er zwanghaft collagiert wirken. Es ist fast so, als wäre Clooney seit dem Start der Arzt-Serie 1994, und damit dem Beginn seiner Hollywood-Karriere, erwachsen geworden. Nur war er damals schon 33 und nicht unreif. In den letzten Jahren hat Clooney jedoch eine stete Entwicklung weg vom Mainstream hinten angehängt, und das mit Überzeugung.

"Ich mag es, unter Leuten zu sein, die ihren Kopf hingehalten haben - es ist heroisch. Sie hatten Angst, aber haben es trotzdem getan. Sie taten es, weil sie dachten, es sei das Richtige." Clooneys Bewunderung für den Mut von einigen Journalisten ist erheblich und der Hauptgrund, weshalb er "Good Night, And Good Luck" drehte. Der Film arbeitet mit dem Schicksal von Edward R. Murrow einen wichtigen Abschnitt in der jungen amerikanischen Geschichte auf. Als 1953 Senator Joseph McCarthy vermeintliche Kommunisten jagt, setzt sich Fernsehmoderator Murrow, gespielt von David Strathairn, zur Wehr. Durch ein Glanzbeispiel des investigativen Journalismus schafft er es, McCarthy vor Wählern und Regierung in Erklärungsnot zu bringen, die den Senator letztlich seinen Job kostet. "In der Fernseh-Berichterstattung gab es zwei wirklich großartige Momente. Der erste war, wie Murrow McCarthy außer Gefecht setzte. Denn niemand im Fernsehen lehnte sich gegen ihn auf. Und es hatte sofortige Auswirkung." Nein, George Clooney, Ko-Autor des Drehbuchs, Regisseur und Nebenrollen-Darsteller für "Good Night, And Good Luck", klingt wirklich nicht mehr wie der Publikumsmagnet einer Arzt-Serie.

Ein langer Weg liegt hinter ihm. Als Clooney 1982 nach L.A. kam, bewarb er sich eifrig für Rollen, bekam aber nur welche in Pilotfilmen erfolgloser Serien. Das einzig halbwegs dauerhafte Engagement, hatte er in "Roseanne" 1988 bis 1989. Darauf folgten einige Auftritte in mäßig beliebten Serien und mittelprächtigen Filmen ("Red Surf", "Unbecoming Age"). Bereits nach der ersten Staffel von "Emergency Room" konnten sich allerdings selbst die renommierten Hollywood-Produzenten nicht mehr des Charmes des George Clooney erwehren.

In "From Dusk Till Dawn" tanzte er 1996 erstmals seinen Drahtseilakt. Er sprang leichtfüßig, als wäre nichts dabei, vom frauenumschwärmten Kinderarzt zum Tequila-sicheren Gangster. Von da an hatte Clooney auch die Männerwelt auf seiner Seite, fehlten zur Herrschaft über Hollywood nur noch die Kinder. Fast berechnend wirkt es im Rückblick, wie er in den Jahren darauf "Batman & Robin" und als Synchronsprecher "South Park - Bigger, Longer & Uncut" anschloss. 2000 überzeugte er mit "O Brother, Where Art Thou?" auch Mainstream-ferne Kritiker und fügte den gesellschaftskritischen Independent-Film seinem Repertoire hinzu.

Spätestens hier wird deutlich, wie sein makelloser Balanceakt Macht offenbart, womit nicht nur seine eigene Produktionsfirma "Section Eight" gemeint ist. Als der Ausstieg des ewigen Junggesellen Clooney bei "ER" gerade erst in den Hintergrund rückte, war er schon zu einem der zehn größten Superstars der Welt avanciert und nebenbei zum "sexiest man alive" gekürt worden. Doch Aussehen war mittlerweile sekundär, Clooney hatte sich die Macht der Freiheit erarbeitet. Die Macht der Freiheit, mit den Allergrößten Hollywoods für "Ocean's Eleven" zu agieren und mit "Geständnisse" ("Confessions Of A Dangerous Mind") ein überzeugendes Regiedebüt abzuliefern ohne dafür die sichere Route einzuschlagen. Von Drahtseilakt keine Spur, Clooneys Schritte sind fest und entschlossen.

Auch als er dieses Jahr für seine Nebenrolle in "Syriana" die Oscar-Bühne bestieg und am Rednerpult Hollywoods Entwicklung weg vom Kommerz würdigte. Womit er wohl unbeabsichtigt den anderen zuschrieb, was ihm selbst gebührte. Zwar ging "Good Night, And Good Luck" bei der größten Preisverleihung der Filmwelt leer aus, aber allein die Nominierungen für "Bestes Drehbuch", "Beste Regie" und "Bester Film" sprechen den Respekt aus, mit dem die konservative Filmindustrie Clooneys waghalsigen Drahtseilakt honoriert. Sei es aus Überzeugung für den Film oder aus Ehrfurcht vor seinem Einfluss in Hollywood. Vielleicht sitzen in der Oscar-"Academy" aber auch einfach viele Frauen, die bei Clooneys Blicken dahinschmelzen oder zahlreiche Ehemänner, die ihn aus Protest gegen die Oberflächlichkeit für seine linksliberale Haltung ehren. Ganz gleich, wie es ist, Clooney wird seine Stirn in äußerst attraktive Falten legen und ohne zu zögern auch die nächsten Balanceakte, nämlich "The Good German" und "Ocean's Thirteen", mit Leichtigkeit und innerer Größe tänzelnd meistern.

Gregor Jossé


Augenbrauen hochgezogen, Stirn in Falten gelegt - Clooneys Blick (hier in "Ocean´s Eleven") lässt Millionen von Frauen dahin schmelzen.
Augenbrauen hochgezogen, Stirn in Falten gelegt - Clooneys Blick (hier in "Ocean´s Eleven") lässt Millionen von Frauen dahin schmelzen. (Warner)

Eine der mächtigsten Männer in Hollywood: George Clooney.
Eine der mächtigsten Männer in Hollywood: George Clooney. (Kinowelt)

Regisseur George Clooney (links) im Gespräch mit seinen Darstellern Frank Langella (Mitte) und David Strathairn.
Regisseur George Clooney (links) im Gespräch mit seinen Darstellern Frank Langella (Mitte) und David Strathairn. (Kinowelt)

Datum: 03.04.2006

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