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Sönke Wortmann, deutscher Regisseur
"Ab und zu träume ich von Fußball"Regisseur Sönke Wortmann (tsch) Mit dem Erfolgsfilm "Das Wunder von Bern" hat sich Sönke Wortmann (46) einen Kindheitstraum erfüllt. Nun nahm er für die neue SAT.1-Serie "Freunde für immer - Das Leben ist rund" (ab 2. Mai, dienstags, 22.15 Uhr) erneut den Ball auf. Auf humorvolle Weise setzt sich der Regisseur und Produzent diesmal mit den Niederungen der deutschen Hobby-Blutgrätscher-Szene auseinander. Der Fußball bleibt hier das, was er ist: nur die schönste Nebensache der Welt. In der Hauptsache gilt es für seine "Jungs", die alle schon in den Dreißigern sind und definitiv nicht mehr als Talent durchgehen, den ganz normalen Wahnsinn des Lebens zu meistern. Auf alle Fälle ein ansehnlicher, augenzwinkernder Beitrag zur dringend benötigten WM-Euphorie im Lande. Anzeige
teleschau: Herr Wortmann, wer je richtig Fußball gespielt hat, weiß: Dieser Sport lässt einen im ganzen Leben nicht mehr los. Oder sind Sie anderer Ansicht? Sönke Wortmann: Nein, das ist absolut richtig. Diese merkwürdige Faszination geht nie verloren. Bei mir merkt man das zum Beispiel an der Häufung des Themas in meinen Filmen ... teleschau: Greift König Fußball auch in Ihren privaten Alltag ein? Wortmann: Schon lange nicht mehr. Ich gehöre glücklicherweise nicht zu denen, die in diesem Thema hoffnungslos verloren sind. Ich bin unter der Woche beruflich viel unterwegs, deswegen gehört das Wochenende der Familie. Natürlich sehe ich mir wichtige Spiele im Fernsehen an, verfolge die Champions League. Aber ich gehe kaum ins Stadion und bin auch nicht Fan irgendeines Vereins. teleschau: Gibt es sentimentale Momente, in denen Sie sich an Ihre Glanzzeiten erinnern? Immerhin sind Sie mal mit der Spielvereinigung Erkenschwick von der dritten in die zweite Liga aufgestiegen. Wortmann: Nun, es gibt da einige Bilder von damals. Die Fotos habe ich gut versteckt. Aber ab und zu träume ich nachts davon, dass ich noch spiele. Irgendwo, in irgendeiner Mannschaft. Das lässt sich wohl nicht mehr ausschalten. teleschau: Tatsächlich stehen Sie heute nur noch für ein, zwei Benefizspiele im Jahr auf dem Platz. Wortmann: Ich werde halt immer älter. Und langsamer. Die Kondition reicht nur noch für 20 Minuten - so lange macht mir das Ganze zwar Spaß, aber wenn die Pumpe dann nachlässt, wird's ganz schnell frustrierend. Und die anderen Kerle, mit denen man es zu tun bekommt, werden immer jünger. teleschau: Mit Routine kann man doch einiges wettmachen. Wortmann: Es ist ja nicht nur das Körperliche, sondern auch eine emotionale Frage: Ich war eigentlich immer der Jüngste, ich habe auch das Gefühl, dass die Zeit, als ich jung und talentiert war, erst ein paar wenige Jahre her ist. Dabei bin ich in Wahrheit schon lange der Älteste auf dem Platz. teleschau: Was hat es Ihrer Ansicht nach mit der ominösen Faszination Fußball auf sich? Wortmann: Immer wenn ich versuche, das zu erklären, bleibe ich bereits im Ansatz stecken. Das Merkwürdige ist doch, dass es so viele andere tolle Mannschaftssportarten gibt, die nichts von dieser Faszination haben. Vielleicht hat es etwas mit vorsteinzeitlicher Rudelbildung zu tun. Mit männlichen Ritualen. teleschau: So kommt es auch in Ihrer Serie rüber, in der Sie ja durchaus mit den altbekannten Fußball-Klischees spielen. Wortmann: Und ich denke, genau das ist es, was die Serie auch für Frauen sehr interessant macht. Die können vielleicht Neues über Männer lernen - oder bekommen ihre Vorurteile bestätigt, je nachdem. teleschau: Aber den Fußball werden sie dann auch nicht unbedingt besser verstehen ... Wortmann: Jedenfalls sehen sie mal, was ihre Kerle so treiben, wenn sie ihre Rudel bilden. Die Serie ist ja ursprünglich ein holländisches Format, das Mitte der 90er-Jahre dort lief und insbesondere bei Frauen ein Riesenerfolg war. teleschau: Mussten Sie lange recherchieren, um hinter die für Außenstehende wohl nicht selten etwas schrägen Befindlichkeiten im Freizeitkicker-Kosmos zu steigen? Wortmann: Ich war schon ganz gut vertraut mit den Zuständen in der "Bunten Liga", die es ja schon lange in allen größeren Städten gibt. Es ist auch ein ziemlich leicht zu durchschauender Kosmos, in dem das Thema Fußball mit einem eher alternativen Ansatz angegangen wird: Jeder gewinnt gerne, aber es ist nicht unbedingt entscheidend, zu gewinnen. Man erkennt das ganz gut daran, dass der Ball beim Anstoß immer zuerst zum Gegner gespielt wird, und der dann zum Dank applaudiert. teleschau: Vor allem haben die Teams lustige Namen. Welcher gefällt Ihnen am besten? Wortmann: Weit vorne sind auf jeden Fall "Dr. Reiner Klimke auf Ahlerich" oder auch "Die Satanischen Fersen". teleschau: Was macht für Sie den Reiz an einer Serie über dieses eigentlich recht stümperhafte Gekicke aus? Wortmann: Zu zeigen, dass Fußball einfach auf jedem Niveau Spaß machen kann! Unsere Jungs werden zwar immer Letzter, aber der Spaß vergeht ihnen trotzdem nicht. Es geht ums Ritual und um Fußball aus Liebe zum Spiel. teleschau: Ausgerechnet der Fußballverrückteste von allen, Mannschaftskapitän Axel, ist schwul. Wortmann: In der Bunten Liga ist das überhaupt kein Thema. Der ist eben schwul, und fertig. In diesen Teams gibt es sicher jede Menge schwuler Spieler. Alles ganz normal. Wir reden hier ja nicht über die Bundesliga ... teleschau: Sie begleiten seit Monaten die Nationalmannschaft für Ihre große WM-Dokumentation. Wie nah sind Sie dran? Wortmann: Sehr nah. Es ist für mich schon aufregend, überall dabei sein zu können, wo andere nicht hindürfen: in der Kabine, im Mannschaftsbus oder im Hotel ... Da kriegt man natürlich viel mit. Auch von dem wahnsinnigen Druck, der auf den Spielern lastet. Ich habe allerdings das Gefühl, die können gut damit umgehen. Und ich bin, nach allem, was ich gesehen habe, ein großer Anhänger des Trainerteams. teleschau: Also stellen Sie keine so düstere Prognose. Wortmann: Nein. Ich denke, die Mannschaft kann viel, viel weiterkommen, als man im Moment annimmt. Andererseits bin ich der Meinung, dass das Leben auch dann weitergehen wird, wenn die Jungs schon im Halbfinale ausscheiden. teleschau: Wenn Sie jetzt bei 90 Minuten Livefußball vor Ort sind, wer sind Sie dann: der Fan oder der Regisseur Sönke Wortmann? Wortmann: Noch viel zu sehr der Fan. Ich habe das beim Confed Cup gemerkt. Da vergaß ich einige Male vor lauter Begeisterung, die Kamera einzuschalten. Ich muss lernen, in solchen Situationen kaltblütiger zu bleiben. teleschau: Was werden Sie machen, wenn sich der ganze Fußballrummel wieder gelegt hat? Wortmann: Ganz sicher erst mal nichts, was mit einem Ball zu tun hat! Frank Rauscher |
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