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Geh und lebe

Geh und lebe

(tsch) Die großen Konstanten im Afrika der 80er-Jahre waren Krieg und Dürre, die zu Hungersnot, Vertreibung und Tod führten. Dazu gab es religiöse Konflikte - der schwarze Kontinent war die Hölle auf Erden. Mit der "Operation Moses" retteten Israel und die USA 1984 zumindest einige tausend äthiopische Juden vor dem sicheren Tod. Die Bürgerkriegsflüchtlinge wurden in Nacht- und Nebelaktionen in das Heilige Land ausgeflogen - wer nicht jüdisch war, durfte nicht mit. Radu Mihaileanu ("Zug des Lebens") erzählt in seinem neuen, mit vielen Publikumspreisen ausgezeichneten Film "Geh und Lebe" (2005) die Geschichte eines neunjährigen Jungen, der sich als Jude ausgeben muss, um zu überleben.

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Das Grauen ist im Flüchtlingslager schrecklich nah, wer nicht dem Weg dorthin starb, ist spätestens hier dem Tod durch Hunger, Seuchen oder Gewalt geweiht. Überlebenschancen haben nur diejenigen, die ins Flugzeug nach Israel steigen dürfen. Eine christliche Mutter beschwört ihren neunjährigen Sohn förmlich, dass er sich als Jude ausgibt. Sie fleht ihn an: Geh, lebe, werde! Das ist alles, was sie für ihn tun kann. Das kostet eine Menge Kraft und Überwindung, aber die Mutterliebe ist größer als religiöser Dünkel.

"Wir sind zum Leben verurteilt", heißt es an einer Stelle in diesem Plädoyer für die Menschlichkeit. Und das macht Mut. Der Junge heißt von nun an Salomon, wird aber von allen Schlomo gerufen. Der Film begleitet ihn als Kind (Moshe Agazai), Teenager (Mosche Abebe) und jungen Erwachsenen (Sirak M. Sabahat) und zeigt, dass Schlomo neben den normalen Problemen beim Aufwachsen, wie Freundschaft, Liebe, körperliches Erwachen, auch mit Missgunst, Neid, Unverständnis und Rassismus konfrontiert wird. Er wird seine Mutter, die "Sonne seines Lebens", immer vermissen - auch wenn er in Israel eine neue Familie findet und sich vor allem seine Adoptivmutter Yaël (Yaël Abecassis) bemüht, ihm ein neues Zuhause zu geben.

Schlomo ist ein Entwurzelter, der es schwer hat, richtig anzukommen wird. Er weiß, dass er Jude sein muss - zunächst, um zu überleben und später, um im Land bleiben zu dürfen. Aber er weiß auch, dass er es niemals sein wird. Seine wahre Identität bleibt sein Geheimnis, dass er erst lüften kann, als er die wahre, bedingungslose Liebe, die sich nicht um Religion oder Hautfarbe kümmert, kennen lernt.

Der Film beginnt mit hohem Betroffenheitsfaktor und einer Menge Tod, Hunger und Erschöpfung, entwickelt sich aber schnell zu einer intensiv erzählten Identitätssuche. Es geht um die großen und kleinen Unsicherheiten, mit denen ein entwurzelter Mensch zurechtkommen muss, wenn er seinen Platz im Leben finden will. Schwächen in der Erzählung, hölzerne Dialoge und schemenhaft skizzierte Nebenfiguren werden von der Warmherzigkeit und der psychologischen Tiefe der Protagonisten mehr als wettgemacht. Und am Ende spielt es auch keine Rolle mehr, ob Schlomo Jude ist oder nicht.

Andreas Fischer

Credits:
V:Delphi, F / IL 2005, R: Radu Mihaileanu, D: Yael Abecassis, Roschdy Zem, Moshe Agazai u.a.

Laufzeit: 149 Min.

Kinostart:
06.04.06


Yaël (Yaël Abecassis) nimmt den kleinen Schlomo (Moshe Agazai) nicht nur in ihre Familie auf, sondern auch in ihr Herz.
Yaël (Yaël Abecassis) nimmt den kleinen Schlomo (Moshe Agazai) nicht nur in ihre Familie auf, sondern auch in ihr Herz. (Delphi Filmverleih GmbH)

Bereits mit neun Jahren muss sich Schlomo (Moshe Agazai) in einem fremden Land mit einer fremden Kultur und einer fremden Religion arrangieren.
Bereits mit neun Jahren muss sich Schlomo (Moshe Agazai) in einem fremden Land mit einer fremden Kultur und einer fremden Religion arrangieren. (Delphi Filmverleih GmbH)

Mit der "Operation Moses" retteten die USA und Israel mehrere tausend äthiopische Juden vor dem sicheren Hungertod.
Mit der "Operation Moses" retteten die USA und Israel mehrere tausend äthiopische Juden vor dem sicheren Hungertod. (Delphi Filmverleih GmbH)

Datum: 03.04.2006

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Diskussion: "Geh und lebe"

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