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Christiane Hörbiger

Zuschauer wollen nicht nur junge Gesichter sehen

Schauspielerin Christiane Hörbiger

(tsch) Streng wie eine entschlossene österreichische Skiläuferin kann sie schauen, und milde wie eine Richterin. Aber auch traurig und fröhlich zugleich. Weinen und lachen im selben Moment. Mit solchen Augenblicken prägt Christiane Hörbiger auch die Beziehungskiste für reifere Semester, die Matthias Glasner (Berlinale-Beitrag "Der freie Wille" mit Jürgen Vogel!) für sie schrieb. Es geht um eine Frau jenseits der 60, die noch keinesfalls zum berühmten alten Eisen zählen will, und sich doch schwer tut mit dem Leben, insbesondere mit demjenigen, das man "Liebesleben" nennt.

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Christiane Hörbiger - längst wird sie die "Grande Dame" des deutschen (und des österreichischen) Films genannt - gibt dieses Drama nicht zuletzt gute Gelegenheit, herunterzusteigen von dem Thron, auf den man sie vor allem mit Serien-Prachtrollen hob: "Das Erbe der Guldenburgs", später erst recht "Julia - Eine ungewöhnliche Frau" (1997) ließen sie zum Massen-kompatiblen Superstar werden.

Um so erstaunlicher, wenn so eine nun Gewagtes spielt und freiwillig von der TV-Empore heruntersteigt und ziemlich mutig ansteuert gegen Mainstream und flache Popularität. Bereits 2003 erkannte sie die Wiederholungs-, die Abnutzungsgefahr, die Rollen wie die "ungewöhnliche" Julia bergen, in denen sie, wie sie sagt, "immer Recht bekommt und das letzte Wort erhält".

Auch in dem TV-Film "Mathilde liebt" (ARD, Mi., 26.04., 20.15 Uhr) hat Christiane Hörbiger das letzte Wort. Aber es ist eins, das ihr nicht leicht fällt und das ihr sichtlich Schmerzen bereitet. Mathilde, die Lehrerswitwe, hat noch einmal die Liebe gefunden, aber die Vernunft gebietet ihr den Verzicht auf den Mann. Ihr Glück wäre, so glaubt sie im Film, einer anderen, kranken Frau geschuldet. Und so nimmt sie sich die Freiheit, "Nein" zu sagen. - Eine tragikomische Liebesgeschichte, ein Melodram an der Schwelle des Alters, in dem Regisseur Wolfram Paulus ("Ministranten") nicht zurückschreckt vor Close-ups im Bett, und warum auch nicht.

Dass sie mit Michael Mendl und dessen Frau seit langem befreundet ist, erleichterte Christiane Hörbiger die "heiklen" Szenen. Es gehöre darüber hinaus zu ihrer Arbeit, aufkommende Scham zu überwinden. "Das ist mein Beruf", sagt sie ebenso selbstverständlich wie selbstbewusst. Beim Drehen habe sie aber auch keineswegs die Absicht gehabt, ihr Publikum - und sie kennt es offensichtlich ziemlich genau - "irgendwie zu verschrecken".

Überhaupt das Alter: Es sei gar kein so brisantes Thema wie es die Medien immerzu und aufgeregt darzustellen versuchten. "Die Menschen gehen viel selbstverständlicher mit ihrem Alter um, als das die Medien tun." Auch in ihrem Beruf sei das Altern nie ein Problem gewesen. Gefährlich werde es nur, wenn man auf immer und ewig die Liebhaberin spielen wolle, "die den Prinzen bekommt". Und sie glaubt: "Die Zuschauer wollen nicht immer nur die jungen Gesichter sehen, auch meine Zuschauer sind mit mir schließlich älter geworden." Rollenmangel kennt sie nicht. Kolleginnen, die aufhörten, hätten es mitunter von sich aus getan. "Oder sie waren weniger ganz bei dem Beruf. Das spüren die Leute."

Sie selbst bekam die Profession in die Wiege gelegt. Die Burgschauspieler Paula Wessely und Attila Hörbiger waren ihre Eltern, Paul Hörbiger ihr Onkel. Ihr Studium am Reinhardt-Seminar brach sie für Dreharbeiten schon nach wenigen Wochen ab. Aber sie behauptete sich auch auf den großen deutschsprachigen Bühnen. Noch heute ist sie an der Seite von Helmut Lohner in der Syberberg-Dokumentation "Kabale und Liebe - fünfter Akt, siebte Szene" zu sehen. Kein Geringerer als Fritz Kortner hat sie geadelt, die härteste Schule, das größte Lob, das es Mitte der Sechziger gab. "Ich war verliebt in ihn bis über beide Ohren", erinnert sie sich an den Edelregisseur. "Ich habe wie ein Kind über alle seine Witze gelacht." Kortner hatte auch den schönen Satz gesagt: "Sie sind ihren Eltern ebenbürtig!" - der Ritterschlag.

Christiane Hörbigers Aktionsradius reicht von der Tragödie bis zur Groteske à la "Die Gottesanbeterin". Einen besonderen Spaß hat sie sich erst kürzlich mit der Rolle der Großmutter im Kinder-Kinofilm "Der Räuber Hotzenplotz" erlaubt. "Schließlich bin ich ja wirklich Großmutter", sagt sie. Außerdem hätten sie der Produzent und der Regisseur so nett bekniet. Ihre Fans, so glaubt die 1938 geborene Wienerin, könnten allerdings schon erschrecken, wenn sie den Film im Kino sähen. "Aber die Wiener sind ja so höfliche Menschen. Die sagen dann voller Respekt: 'Sie Ärmste, Frau Hörbiger, da sind's aber mindestens zwei Stunden in der Maske gesessen."

Wilfried Geldner


Im ARD-Film "Mathilde liebt" (Regie: Wolfram Paulus) sucht Christiane Hörbiger eine neue Herausforderung. Der Film handelt von der Liebe an der Schwelle zum Alter.
Im ARD-Film "Mathilde liebt" (Regie: Wolfram Paulus) sucht Christiane Hörbiger eine neue Herausforderung. Der Film handelt von der Liebe an der Schwelle zum Alter. (ARD)

Mathilde (Christiane Hörbiger) liebt Carlo (Michael Mendl). Auch er fühlt sich zu ihr hingezogen. Doch ihrer leidenschaftlichen Liebe stellen sich Hindernisse in den Weg, zumal Carlo verheiratet ist.
Mathilde (Christiane Hörbiger) liebt Carlo (Michael Mendl). Auch er fühlt sich zu ihr hingezogen. Doch ihrer leidenschaftlichen Liebe stellen sich Hindernisse in den Weg, zumal Carlo verheiratet ist. (WDR / Rolf von der Heydt)

Eine Zufallsbekanntschaft: Mathilde (Christiane Hörbiger) verschenkt ihre zweite Opernkarte an Carlo (Michael Mendl), den sie gar nicht kennt.
Eine Zufallsbekanntschaft: Mathilde (Christiane Hörbiger) verschenkt ihre zweite Opernkarte an Carlo (Michael Mendl), den sie gar nicht kennt. (WDR / Rolf von der Heydt)

Datum: 11.04.2006

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Artikel ID 168226

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