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Reamonn

Eine gut laufende Ehe

Band Reamonn

(tsch) Mit ihrer aktuellen Single "Promise (You And Me)" sind Reamonn wieder einmal ganz oben in den Charts zu finden. Vor sechs Jahren wurden sie als Newcomer mit ihrem Hit "Supergirl" fester Bestandteil der europäischen Musikszene, das aktuelle Album "Wish" wird diesen Status sicher festigen. Um sich noch internationaler zu geben, nahmen die fünf Musiker diesmal ihre CD in Amerika unter den Fittichen des Produzenten Greg Fidelmann auf, der in der Vergangenheit unter anderem mit den Red Hot Chili Peppers zusammenarbeitete. In dieser Zeit sind Reamonn noch mehr zusammengewachsen. Drummer Gomezz und Sänger Rea Garvey erklären, weshalb.

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teleschau: "Wish" ist mittlerweile Eurer viertes Album. Wie verliefen die Arbeiten daran?

Rea: Großartig! Wir waren vier Monate in Los Angeles und arbeiteten mit dem Produzenten Greg Fidelmann zusammen - lustiger Name für einen Produzenten, oder? Das passte perfekt, denn er vertrat genau unsere Meinung. Dabei redete er uns aber nicht nach dem Mund, sondern ergänzte uns. Toll, auf so einen Menschen zu treffen. Da war blindes Verständnis zwischen der Band und dem neuen sechsten Mitglied.

teleschau: Ihr seid für die Aufnahmen der neuen Songs extra in die USA gereist?

Rea: Richtig. Dadurch, dass wir das Album in Amerika aufnahmen, entwickelte sich bei uns ein ganz spezielles Gefühl. Bevor wir mit den Aufnahmen begannen, waren wir mit Greg einen Monat lang im Proberaum. Und im Zimmer nebenan saßen Audioslave! Das hat uns sehr beflügelt. Man weiß zwar viel über die amerikanische Musikszene, aber wenn man vor Ort arbeitet, ist das natürlich hoch interessant und gibt einem einen ganz besonderen Schwung.

teleschau: Eure Familien fanden die räumliche Trennung sicher nicht so toll ...

Rea: Früher nahmen wir in Italien, Irland oder Spanien auf. Der Kontakt zu unseren Familien und Freundinnen war immer gut, weil wir uns in der gleichen Zeitzone befanden. In Amerika hatten wir neun Stunden Differenz. Umso wichtiger war es, dass wir uns innerhalb der Band Halt geben konnten. Mit meiner Frau Jo hatte ich aber über Webcam Kontakt, manchmal frühstückten wir zwei Stunden am Bildschirm zusammen. Sie war schon schwanger, als ich nach Los Angeles flog. Deshalb war es natürlich wichtig, dass ich wenigstens so für sie da sein konnte. Diese technischen Neuerungen sind wirklich spannend. So konnte meine Familie in Irland via Internet sofort ein Bild meiner neu geborenen Tochter Aamor sehen.

teleschau: Hat die Entfernung der Beziehung geschadet?

Rea: Ganz im Gegenteil! "Promises" handelt davon, dass man sich manchmal zu sehr um die Probleme kümmert, als um die Beziehung an sich. Die Beziehung muss im Vordergrund stehen, dann kann man sich erst mit den Problemen beschäftigen. Das vergisst man schnell, und dann wird's kompliziert. Das Album "Wish" hat viel mit Kontakt mit Menschen zu tun. Was die Texte anbelangt, hat uns die Ferne zu den Liebsten auf jeden Fall beeinflusst. Manchmal ist man eben so weit weg, dass man wieder am Anfang ankommt. Das zog sich wie ein roter Faden durch.

teleschau: Du und die anderen Jungs, Ihr lerntet Euch durch eine Zeitungsanzeige kennen. Wusstet Ihr gleich, dass das passt?

Gomezz: Jeder von uns hatte vorher schon in anderen Bands gespielt, aber irgendwie war nie das Richtige dabei. Als wir zum ersten Mal in unserer heutigen Besetzung spielten, hatte jeder von uns sofort ein Grinsen im Gesicht. Es war sofort klar - obwohl keiner beschreiben konnte, warum -, dass wir so etwas ganz Besonderes waren. Es war einfach cool. Wir ziehen an einem Strang, immer noch. Als wir diese vier Monate in Los Angeles so intensiv zusammen verbrachten, hätten wir uns auch in die Haare kriegen können. Aber im Gegenteil: Das gab uns als Band so viel Kraft, dass wir nun noch enger sind.

teleschau: Vereinzelt geben einem die Medien das Gefühl, Reamonn sind Sänger Ray und seine vier Musiker ...

Rea: Manchmal wird es so hingestellt, als ob die Band so ein Ego-Ding von mir sei. Sie trägt meinen Namen, weil er eben recht gut passt, aber das war auf alle Fälle eine Entscheidung von uns allen. Ich weiß sehr wohl, dass ich ein Teil von fünf Leuten bin. Sicher gibt es des Öfteren Menschen, die mich überzeugen wollen, dass ich als Solokünstler besser dran wäre. Bullshit! Wenn einer von uns sagen würde, er sei etwas Besseres als die vier anderen, würden die ihm einfach eine aufs Maul hauen! (lacht)

Gomezz: Als einer von uns in Los Angeles krank war, ging es bei den anderen mit dem Songwriting einfach nicht weiter. Da hat etwas gefehlt! Es gibt in der Band Reamonn wirklich eine gewisse Magie, die nur vorhanden ist, wenn alle dabei sind. Wir funktionieren wie eine gut laufende Ehe.

teleschau: Rea, das Leben in einer Gruppe ist besonders Dir nicht fremd: Du hast noch sieben Schwestern ...

Rea: Ja, ich war aber das dritte Kind, nicht der Jüngste. Meine Eltern versuchten also nicht verzweifelt, einen Stammhalter zu zeugen. Ein Frauenversteher bin ich deshalb noch lange nicht. Ich denke, jede Frau ist ein Individuum, jede ist anders. Meine Frau ist auch ein Buch mit sieben Siegeln für mich. Sie ist eigentlich seit der ersten Stunde unsere Managerin. Da ich viel Einblick in ihre Arbeit habe, bin ich inzwischen so etwas wie das Verbindungsglied zwischen der Musikindustrie und der Band.

teleschau: Klingt kompliziert ...

Rea: Man muss einfach mitdenken, denn Musik und Geld sind eine gefährliche Mischung: Das ist manchmal das Ende von Bands, denn es gibt viele Verführungen, denen man einfach knallhart standhalten muss.

teleschau: Euer Hit "Supergirl" ist schon sechs Jahre her. Verging die Zeit für Euch auch so schnell?

Gomezz: Ja, ganz extrem! Das liegt auch daran, dass wir viele Sachen erlebten und es einfach an der Zeit fehlt, alles richtig zu verarbeiten. Schnelle Ortswechsel tun ihr Übriges.

Rea: Wenn man ein Ziel hat, vergeht die Zeit schneller. Das ist auch positiv, denn wenn die Zeit kriecht, tut sie das, weil man nichts zu tun hat und sich langweilt. Den Erfolg von "Supergirl" konnten wir erst richtig genießen, als wir unser zweites Album in Italien aufnahmen. Erst durch den Rückblick sahen wir, was wir alles erreicht hatten. Wir wurden zwar gefeiert, aber all die Komplimente darf man nicht zu nah an sich heranlassen, denn das könnte einem schnell zu Kopf steigen. Wir haben viel zu tun, aber das darf man sich nicht jeden Tag vorbeten und seufzend beim Abendessen sitzen. Wie heißt es so schön: "Wenn man tot ist, kann man noch genug schlafen!" Ich habe großen Respekt vor meinen Eltern, weil sie mit Freude am Leben acht Kinder großgezogen haben.

teleschau: Gibt es einen großen "Wish" von Reamonn?

Rea: Jeder von uns hat seine eigenen kleinen Wünsche. Manche von uns wünschen sich Kinder. Eine Welttournee wäre toll - mit der anstehenden Europatour sind wir dem schon ein Stück näher gekommen. Australien und Asien sind die nächsten Kontinente, die wir "erobern" wollen. Sonst sind wir alle momentan eigentlich wunschlos glücklich!

Nina Becker


Reamonn sind mit neuer Platte "Wish" im Gepäck zurück.
Reamonn sind mit neuer Platte "Wish" im Gepäck zurück. (Universal)

Landeten vor sechs Jahren mit "Supergirl" einen Mega-Hit: Reamonn.
Landeten vor sechs Jahren mit "Supergirl" einen Mega-Hit: Reamonn. (Universal)

"Wir ziehen an einem Strang, das gibt uns allen Kraft." - Reamonn halten zusammen.
"Wir ziehen an einem Strang, das gibt uns allen Kraft." - Reamonn halten zusammen. (Universal)

Datum: 26.04.2006

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Diskussion: "Reamonn"

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