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Bruce Willis

Weltretter der alten Schule

Schauspieler Bruce Willis

(tsch) Wenn er auf der Leinwand erscheint, ist der männliche Schweiß förmlich zu riechen. Neumodischer Technik-Schnickschnack oder Designeranzüge à la Bond: All das ist Firlefanz für den New Yorker Cop John McClane. Zum Weltretten braucht die Ikone des Actionfilms einzig ein weißes Feinrippunterhemd. 1988 avancierte der bis dato eher unbekannte Bruce Willis durch die Verkörperung dieser Kultfigur in "Stirb langsam" zum Superstar. Noch heute, knapp 20 Jahre nach seinem ersten Einsatz, fasziniert der zeitlos kernige Held McClane die Massen. Wenngleich sein beliebtestes Kleidungsstück in "Stirb langsam 4.0" (Kinostart: 27.06.) den ästhetischen Anforderungen des neuen Jahrtausends zum Opfer fiel. Er ist ein echter Mann aus dem Volk für das Volk: raubeinig, mit großer Klappe und weichem Herzen. Und all das ist eben auch Bruce Willis. Sollte es tatsächlich Unterschiede geben - wer will die schon so genau wissen?

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Zugegeben, Bruce Willis kann natürlich auch anders: Mit Produktionen wie dem Independent-Kultfilm "Pulp Fiction" (1994), dem hochgelobten Mystery-Thriller "The Sixth Sense" (1999), der Komödie "Keine halben Sachen" (2000) oder dem Action-Drama "16 Blocks" (2006) stellte er seine schauspielerische Vielseitigkeit eindrucksvoll unter Beweis. Dennoch, John McClane hat sich in das Gedächtnis der Kinogänger eingebrannt, und der Name Bruce Willis wird wohl gedanklich immer mit verschwitztem Feinripp verbunden bleiben. Die Welt braucht eben ihre Helden. Und Bruce Willis ist als Schauspieler uneitel und (Geschäfts-)Manns genug, dem Publikum das zu geben, wonach es verlangt. "Der Film ist mutig und groß", verspricht Willis. "Man bekommt alles, was man erwartet und was man in einem 'Stirb langsam'-Film sehen will."

Doch der unbesiegbare Held war er freilich nicht immer: 1955 als Sohn eines amerikanischen Soldaten in Deutschland geboren, zogen seine Eltern zwei Jahre darauf in die USA, wo sie sich im Bundesstaat New Jersey niederließen. Plötzliche Talent-Offenbarungen blieben in seiner Entwicklung aus - Willis, der als Kind furchtbar gestottert haben soll, schloss die Schule ab, reparierte nebenher Maschinen in der Nachbarschaft und engagierte sich mit passablem Erfolg in der Theatergruppe. Gänzlich unheroisch, aber mit beispiellosem Ehrgeiz arbeitete er sich von da an empor.

Richtig bergauf ging es für ihn aber erst mit der US-Serie "Das Model und der Schnüffler" (1985 - 1988), für die er einen Emmy bekam. Anschließend stolperte er mit Kim Basinger durch die bescheidene Komödie "Blind Date", um 1988 mit dem Blockbuster "Stirb langsam", der technisch wie dramaturgisch neue Maßstäbe im Action-Genre setzte, seinen großen Durchbruch zu feiern und damit das Fundament für sein Image zu begründen. Es folgten ein rasanter Aufstieg und unzählige Filme, von denen jedoch vor allem die Blockbuster "Stirb langsam 2" (1990) und "3" (1995) sowie "Armageddon" (1998) im Gedächtnis blieben.

"Stirb langsam 4.0" wird sein Image als Actionraubein nun weiter zementieren. In dieser vierten Auskopplung, die "Underworld"-Regisseur Len Wiseman inszenierte und bei der Willis auch als Produzent tätig war, wird der 80er-Jahre-Mann John McClane, jene misslaunige Mixtur aus Held und Jedermann, in eine digitale Welt geworfen. Auf seine alten, aber nicht minder attraktiven Tage, muss er sich - wieder einmal eher zufällig - mit etwas herumschlagen, womit er rein gar nichts anfangen kann: modernen Internet-Terroristen. "Eines der aufregendsten Dinge an der Rolle McClanes ist die Tatsache, dass er definitiv kein Superheld ist", erklärt Willis. "Er hat keine besonderen Kräfte oder Fähigkeiten. Er ist ein ganz normaler Kerl, den jeder verstehen kann." Keine Frage, dass der Old-School-Held dennoch obsiegen wird. Auch wenn "das digitale Zeitalter irgendwie an McClane vorbeigezogen" ist, wie der Hollywood-Star berichtet.

Die wahren Helden sind für den Privatmann Bruce Willis jedoch die amerikanischen Soldaten im Irak, denen er im September 2003 sogar einen Besuch abstattete. Mit seinen eher republikanisch angehauchten Einstellungen, beispielsweise zum Thema Schusswaffenbesitz ("Wenn man den legalen Waffenbesitzern ihre Kanonen wegnimmt, haben nur noch die bösen Buben welche"), polarisierte der Schauspieler, der wohl auch privat gerne mal Sprüche klopft. Mittlerweile hat er verkündet, dass er von der Politik allgemein mächtig enttäuscht ist und sich weniger Regierungseinmischung wünscht: "Ich will, dass die aufhören, auf mein und euer Geld zu pissen", soll der genaue Wortlaut gewesen sein.

Was Bruce Willis' Privatleben angeht, hört man jedoch nur versöhnliche Töne von dem Weltstar, der nicht nur die männlichen Action-Fans in Begeisterung versetzen kann. Auch die Teile der Damenwelt, die mit dem Begriff "Metrosexuell" wenig anfangen können, verehren den nicht schönen, aber äußerst markanten Glatzkopf als Sexsymbol. "Es bedeutet mir viel mehr, Vater zu sein als Schauspieler", sagt er. Und tatsächlich tritt Willis, dem seit seiner Scheidung von Demi Moore diverse Affären angedichtet werden, in der Öffentlichkeit meist als liebevoller Vater seiner drei Töchter und - so sehr das manchen auch verwundern mag - als Vertrauter des Ehepaars Moore/Kutsher in Erscheinung, dessen Hochzeit er besuchte und mit dem er sogar in die Ferien fährt. Gut, wer unbedingt einen Unterschied finden möchte: Für solche exzentrischen Konstellationen hätte John McClane sicher wenig Verständnis.

Ans Aufhören denkt der mittlerweile 52-Jährige, der ab 23. August in einer Nebenrolle in Robert Rodriguez' Trash-Hommage "Grindhouse - Planet Terror" zu sehen sein wird, nicht: Derzeit dreht er in Louisiana das Drama "Black Water Transit", in dem er einen Kleinkriminellen spielt, der die illegale Waffensammlung seiner Familie in Sicherheit bringen möchte. "Ich war immer davon überzeugt, dass ich meine beste Arbeit zwischen 40 und 60 abliefern würde", sagt er. "Jedenfalls, wenn es mir vergönnt sein sollte, so lange im Geschäft zu bleiben. Und das ist ganz schön hart." Um es dennoch zu schaffen, hält man eben an Altbewährtem fest. Willis verkündete bereits, dass Fox eine fünfte "Stirb langsam"-Kinoproduktion für möglich halte und er an dem Streifen definitiv interessiert sei. Es scheint also, als sei er zufrieden mit dieser vielleicht einfältigen, aber imposanten Rolle. Sie gibt ihm letztlich die Freiheit, zwischen heroischen Höhepunkten auch tiefsinnigere Charaktere zu verkörpern. Und wer wäre nicht gerne der Held und Retter der Welt?

Ute Nardenbach


Bruce Willis wird's schon richten: Detective John McClane soll einen Anschlag auf die amerikanische Infrastruktur verhindern.
Bruce Willis wird's schon richten: Detective John McClane soll einen Anschlag auf die amerikanische Infrastruktur verhindern. (2007 Twentieth Century Fox)

Bruce Willis über "Stirb langsam 4.0": "Der Film ist mutig und groß. Man bekommt alles, was man erwartet und was man in einem 'Stirb langsam'-Film sehen will."
Bruce Willis über "Stirb langsam 4.0": "Der Film ist mutig und groß. Man bekommt alles, was man erwartet und was man in einem 'Stirb langsam'-Film sehen will." (2007 Twentieth Century Fox)

Ein ganzer Mann auch ohne Feinripp: Bruce Willis ist der Inbegriff des kernigen Action-Helden.
Ein ganzer Mann auch ohne Feinripp: Bruce Willis ist der Inbegriff des kernigen Action-Helden. (2007 Twentieth Century Fox)

Datum: 29.04.2006

Diskussion: "Bruce Willis"

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