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Seal - One Night to Remember

Da schmachtet nicht nur Heidi

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"Ich schreibe Musik von Herzen und lege alles hinein, was ich geben kann. Und dann überlasse ich das Resultat der Welt. Der Rest ist Schicksal." Seal ist der etwas andere Popstar. Mega-Seller, und dennoch einer, von dem man nicht alles weiß. Erst die Beziehung zu Top-Model Heidi Klum spülte ihn ganz nach oben in die Medien, sorgte dafür, dass er mittlerweile nicht mehr in erster Linie als Musiker, sondern vor allem als Lifestyle-Protagonist wahrgenommen wird. Das ist schade, denn wie viel kreatives Potenzial der 43-jährige Brite besitzt, zeigt "One Night To Remember" eindrucksvoll.

Kaum ein Künstler kann über eine solche Konsequenz in seiner Entwicklung und auf eine so gleich bleibend hohe Qualität der Lieder zurückblicken wie Seal. Mit seinem Alter Ego, der Produzentenlegende Trevor Horn, schuf Seal fantastische Lieder, massentauglich und trotzdem stets ein wenig abseits des Mainstreams, mit denen er über 15 Millionen Alben verkaufte. Vier Brit-Awards, zwei Grammy-Nominierungen und viele, viele andere blinkenden Preise stehen in seinem Heim, das er vor kurzem nach L.A. verlegte, der Liebe zu Heidi Klum wegen. Seal ist musikalisch phänomenal. Alleine die Unmöglichkeit, seinen Stil einzugrenzen, spricht für ihn. Soul? Pop? Rock? Dance? Alles? Nichts?

Auch auf "One Night To Remember" sprengt Seal Grenzen. Er stand an jenem Abend in Düsseldorf mit einem 52-köpfigen Orchester und Chor auf der Bühne, übersetzte seine Popsongs in klerikal-klassische Arrangements, die Würde, Licht und Feierlichkeit ausstrahlten und mit dem, was für gewöhnlich im Radio kommt, so gar nichts mehr zu tun haben. Kein Wunder - fast einen Monat lang bereiteten sich die beteiligten Künstler auf dieses Mega-Event vor, und auch die DVD-Auswertung wurde genau durchdacht: Zwölf Kameras filmten Seal und die Instrumentalisten - der abwechslungsreiche Blickwinkel ist also garantiert.

Es liegt aber nicht nur daran, dass der Zuschauer so einiges zu staunen hat: Seal präsentiert sich in euphorisierter Höchstform und spielt sich durch ein abwechslungsreiches Programm, das im Übrigen den einen oder anderen Querverweis auf seine neue deutsche Familie beeinhaltet. Wie gut der Crossover aus Pop und klasischen Arrangements funktioniert, zeigt "Killer": Die höchst anspruchsvolle Backing-Musik ist für Seal Sprungbrett, er schreitet über die geschwungene Bühne mit ungeheuerer Dynamik, setzt seine Sangeslinien pointiert auf den Klangteppich, dessen Groove natürlich hier vor allem von seiner Band gesetzt wird.

Gleichzeitig ist das Stück ein gutes Beispiel für die gelungene technische Umsetzung der DVD. Was mit schnellen Schnitten beginnt, wird zu einem Lichtermeer, was warm anfängt, wechselt rasch in kalte Blauweiß-Töne, die für das Bild freilich kein Problem darstellen: Farbtiefe und Kontrast wurden perfekt austariert. Auch der 5.1-Ton gibt dem Zuschauer ein gutes Mittendrin-Gefühl, der einzige Kritikpunkt ist ein rein subjektiver. Die Geräusche des Publikums, der Szenenapplaus und die Jubelrufe, wurden doch arg weit in den Hintergrund gedrängt.

Neben der gelungenen Performance ist es vor allem der Bonusbereich, der die DVD lohnenswert macht. In dem ausführlichen Making of werden nicht nur die üblichen "Wir bauen eine Bühne"-Zeitrafferbilder gezeigt, sondern auch Einblicke in die Entstehung des Konzepts - und Seal selbst kommt häufig genug zu Wort. Und die Autofahrer / iPod-Besitzer dieser Welt werden sich darüber freuen, dass die DVD noch einmal als CD beigepackt wurde. Sollte man öfter machen.

Jochen Overbeck


Sehr gelungen: "One Night To Remember" von Seal.
Sehr gelungen: "One Night To Remember" von Seal. (Warner)

Datum: 29.04.2006

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