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Morning Runner - Wilderness Is Paradise Now

Morning Runner Wilderness Is Paradise Now

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Das Händchen für den elegischen Breitwand-Sound, das besitzen sie zweifelsohne, die Engländer. Nachdem Coldplay in die Champions League und Keane in die selbstgewählte Klausur wechselten, tat sich in letzter Zeit allerdings so eine Art Vakuum auf. Thirteen Senses versuchten das im letzten Jahr zu füllen, vom Volk wurden sie aber nicht angenommen. Das Embrace-Comeback scheiterte, sowohl was Kommerz als auch, was Kreativität anging. Jetzt also Morning Runner: "Wilderness Is Paradise Now" heißt das Debüt der jungen Band, die auch noch Starsailor, Jeff Buckley und klassischen 90er-Britpop auf der Referenzliste stehen haben.

Matthew Greener lautet der Name des Mannes, der hier offenbar das Leid der Welt auf seinen schmalen Schultern trägt. Schon der Opener "It's Not Like Everyone's My Friend" ist weidwunde Opfergeschichte, bedeutungsschwanger und höchst tragisch. Denn Greener trägt sein Herz so sehr auf der Zunge, dass man in dem Glibber, der aus so einem inneren Organ eben manchmal herausläuft, beinahe ausrutscht. Das funktioniert bisweilen, ist aber oft zu gefühlig, zu expressiv, vor allem, wenn er - wie in "Gone Up In Flames" gegen eine laute, rockende Band ansingen muss. Funktionieren kann es schlüssigerweise, wenn die Herren an den Instumenten sich etwas zurückhalten: "Burning Benches" ist so ein Fall. Hier wirkt die Chemie zwischen der Stimme Greeners und dem Klavier anfangs wunderbar zärtlich - einer der größten Momente der Platte. Auch das extrem ruhige "Oceans" ist so ein Fall - Kuschelrock für eine denkende Indiekid-Generation, gleichzeitig aber ein geschickt aufgebauter Popsong.

In England wurden Morning Runner bisher mit vorsichtigem Wohlwollen rezipiert, der Hype blieb aus, den haben gerade Bands abonniert, die härter sind, die rocken. Für die Gruppe aus Reading könnte das eine Chance sein. Vielleicht entwickelt sich hier ein etwas originelleres Gebräu, vielleicht kommen die oft noch fehlenden Kanten hinzu, vielleicht lernt Greener, dass man auch mit Demut singen kann, mit Bescheidenheit. Sollte das passieren, werden Morning Runner irgendwann ein richtig gutes Album veröffentlichen - "Wilderness Is Paradise Now" ist solides Mittelmaß.

Jochen Overbeck


Datum: 29.04.2006

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