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Jewel: Goodbye Alice In Wonderland

Jewel Goodbye Alice In Wonderland

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Eines der ersten Pressefotos von Jewel zeigte sie vor etwa zehn Jahren mit der Akustikgitarre, in der Heckklappe eines alten VW-Bullys sitzend. In so einem Wohnmobil, Hippieding, sehr romantisch, Kanten vermeidend, einfach total schön. Das passte gut zu ihrer Musik, die war nämlich genauso. Glatter, aber irgendwie nostalgischer Pop. Ohne viele Ecken, dafür die Flächen aufpoliert. Jewel war für den US-Pop immer das, was The Corrs für den irischen sind. "Goodbye Alice In Wonderland" ändert nichts an diesen Grundfesten, verblüfft aber dennoch: Jewel möchte, ganz getreu dem Albumtitel, nicht unbedingt weitermachen, deutete sie in einigen Interviews an. Aber zumindest der Rezensent glaubt: Das ist Unsinn. Von der werden wir noch eine Menge hören.

Denn das Schöne an Songwritern ist ja, dass sie selten stark genug sind, um die eigene Kreativität zu unterdrücken. Und was bitte kann Jewel, außer Lieder schreiben? Klar, sie hat in letzter Zeit ihre Fühler ausgestreckt, hat sich sozial engagiert, karitative Einrichtungen gegründet, außerdem junge Talente gefördert. Aber das zur Hauptbeschäftigung zu machen, wäre halt verdammt nah am Ruhestand, und Jewel Kilcher ist gerade mal 31 Jahre alt.

Man darf sich von der glatten Oberfläche der einzelnen Songs nicht irritieren lassen. In "Goodbye, Alice In Wonderland" stecken keine Plattitüden, sondern tiefe Exkursionen in ein Seelenleben, das nicht unkompliziert zu sein scheint. Die in den Weiten Alaskas groß gewordene Songwriterin, die bisher über 25 Millionen Alben verkaufte, zeigt in "Good Day", dass eben nicht alles in bester Ordnung ist: "The stars are bright, might make a wish, if i believed in that shit. But as it is, i might watch TV." Dabei geht's immer um eine gewisse Bewegung, um texanische Kleinstädte, um Flugzeuge, Autobahnen, Hotelzimmer und dieses Gefühl, "1.000 Miles Away" zu sein. Nur ganz kurz, in "Fragile Heart" wird zumindest geographisch eine Atempause eingelegt: drei Minuten Pop, nur ein paar Textzeilen, die aber alles sagen. Über gebrochene Herzen, und die Liebe, die halt nicht immer so süß ist.

Es ist lange her, dass Jewel so gute Songs geschrieben hat. Elf Jahre, um genau zu sein, denn tatsächlich erinnert hier einiges an das Debüt "Pieces Of You", nur dass von der jugendlichen Naivität einiges verloren gegangen ist. Das verleiht den Songs aber eine gewisse Reife, die durchaus inspirierend wirkt. Schade: Die Produktion ist nach wie vor zu glatt, zu sehr auf das Mainstream-Radio abgestimmt. Ein bisschen Pop, ein bisschen Folk, ein bisschen Rock, ab und an zarte Country-Anklänge. Alles und nichts, völlig risikofrei. Wäre schön, wenn Jewel mal einen Knöpfchendreher mit Visionen an ihre Lieder lassen würde.

Jochen Overbeck


Datum: 29.04.2006

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Diskussion: "Jewel: Goodbye Alice In Wonderland"

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