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Tsotsi

Tsotsi

(tsch) Gavin Hoods aufwühlendes Drama "Tsotsi" entwickelte sich im vergangenen Jahr zu einem wahren Festivalhit und war Südafrikas Kandidat für den Auslands-Oscar 2006. Es setzte sich gegen Konkurrenten wie "Sophie Scholl - Die letzten Tage" oder "Paradise Now" durch und gewann den begehrten Goldjungen. In Sepiatöne getaucht und mit einem hämmernden Soundtrack unterlegt, erinnert die Mischung aus Gangsterfilm und Charakterstudie an das brasilianische Pendant "City of God". Die authentisch wirkende Story entwickelt sich zwar konventioneller, ist aber nicht minder spannend.

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Tsotsi (Presley Chweneyagae) und seine Bande beherrschen ein Ghettoviertel von Johannesburg. Dort hausen die Bewohner in Baracken, die Zeit vertreiben sie sich vor allem mit Alkohol und Kartenspielen. Für den 19-Jährigen zählt ein Menschenleben wenig, Konflikte werden schnell und brutal gelöst. Ein nächtlicher Autoraub, bei dem Tsotsi auf die Besitzerin schießt, verändert jedoch unerwartet sein Leben.

Auf dem Rücksitz ihres Wagens entdeckt er das Baby der Frau. Das Neugeborene berührt auf seltsame Weise das Herz des Straßenpunks. Er steckt es in eine Papiertüte und nimmt es mit zu sich in die Slums. Tsotsi erzählt niemandem von dem Kind, schon gar nicht seinen Gangmitgliedern. Schnell ist er mit dem schreienden Baby überfordert. In seiner Verzweiflung zwingt er die junge Mutter Miriam, die ebenfalls in dem Viertel wohnt, mit Waffengewalt, "sein" Baby zu stillen. Zaghaft entwickelt sich zwischen den beiden eine Beziehung, in der Miriam gleichzeitig zu einer Art Mentorin für Tsotsi wird. Sie bringt ihn dazu, sein bisheriges Leben zu überdenken.

Da der 1980 erschienene gleichnamige Roman von Athol Fugard im Südafrika der 50er-Jahre spielt, schrieb Regisseur Gavin Hood das Drehbuch entsprechend um und transportierte Tsotsis Geschichte in die heutige Zeit. Das hatte nicht nur praktische Gründe wie die dadurch leichtere Finanzierung des Projekts. "Wir wollten das Publikum in eine Welt der radikalen Gegensätze entführen. Wolkenkratzer und Baracken, Reichtum und Armut, brutale Gewalt und zarte Fürsorge", erklärt Hood. Das ist eindeutig gelungen.

"Tsotsi" zeichnet den packenden Überlebenskampf in der gefährlichsten Stadt Südafrikas. Die abstoßende und zugleich faszinierende Millionenmetropole Johannesburg bietet die perfekte Kulisse für das Drama, das in brutalen, aber auch poetischen Bildern von Wut und Hass, Verzweiflung, Liebe und Erlösung erzählt. Es ist kein Film, der den Anspruch erhebt, politisch zu sein oder Missstände aufzuzeigen. Vielmehr geht es hier um die innerliche, psychologische Reise der Hauptfigur und ihre Entwicklung vom harten Gangster zum verantwortungsbewussten jungen Mann.

Presley Chweneyagae, der mit dieser Hauptrolle sein Spielfilmdebüt gibt, liefert ein intensives Porträt des Jugendlichen. Mit wenig Worten und einer zurückgenommenen Performance, dafür umso überzeugender in Mimik und Blicken, gelingt es ihm, Tsotsis innere Zerrissenheit und dessen Wandlung aufzuzeigen.

Gavin Hoods mitreißende Regiearbeit weist zwar hier und da sentimentale Untertöne auf, wird aber nie rührselig. Die passende musikalische Untermalung erhält der Film durch den pulsierenden Sound des "Kwaito", einem modernen Musikstil der südafrikanischen Townships.

Susi Fritsch

Credits:
V:Kinowelt, ZA / GB 2005, R: Gavin Hood, D: Presley Chweneyagae, Terry Phet, Israel Makoe u.a.

Laufzeit: 94 Min.


Der 19-jährige Tsotsi (Presley Chweneyagae) ist der Anführer einer Gangsterbande am Rande von Johannesburg.
Der 19-jährige Tsotsi (Presley Chweneyagae) ist der Anführer einer Gangsterbande am Rande von Johannesburg. (Kinowelt Filmverleih)

Tsotsi (Presley Chweneyagae) kann mit dem drei Monate alten Baby überhaupt nichts anfangen.
Tsotsi (Presley Chweneyagae) kann mit dem drei Monate alten Baby überhaupt nichts anfangen. (Kinowelt Filmverleih)

Die junge Mutter Miriam (Terry Pheto) wird von Tsotsi gezwungen, das Baby zu stillen.
Die junge Mutter Miriam (Terry Pheto) wird von Tsotsi gezwungen, das Baby zu stillen. (Kinowelt Filmverleih)

Datum: 03.05.2006

Diskussion: "Tsotsi"

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