(tsch) Es war nur eine Frage der Zeit, bis der erste Hollywood-Film über die Terroranschläge vom 11. September herauskommen würde. Nun hat Paul Greengrass' "Flug 93" (Bundesstart: 1. Juni) das Tribeca Film Festival eröffnet. Der politisch engagierte Regisseur, der für sein Nordirland-Drama "Bloody Sunday" den Goldenen Berlinale-Bären erhielt, widmet sich den Geschehnissen an Bord des Flugzeugs, das an jenem schicksalshaften Septembertag in Shanksville, Pennsylvania, abstürzte. Die Meinungen über "Flug 93" waren nach der Premiere geteilt. Während manche den Film als unnötig empfanden, ihm gar Voyeurismus vorwarfen, bekommt der liberale Regisseur andererseits auch unerwartete Unterstützung von der politischen Rechten: Für die ist der Film eine Erinnerung daran, warum der Krieg gegen den Terror überhaupt geführt wird. Die Frage, ob das amerikanische Publikum schon bereit für einen solchen Film ist, erhitzt die Gemüter. David Beamer, Angehöriger eines Opfers, ist der Meinung, dass der Film zu keinem späteren Zeitpunkt besser oder weniger aufwühlend und schmerzhaft sein könne. Auch der ehemalige Senator Bob Kerrey unterstützt das Projekt. Der Film gebe die Vorkommnisse auf respektvolle und zurückhaltende Weise wieder. Er erhoffe sich, dass der Film den Menschen den "Spirit" zurückbringe, der nach dem 11. September 2001 im Land herrschte.
Regisseur Paul Greengrass (Mitte) beim Dreh von "Flug 93": An seinem Film über den 11. September scheiden sich die Geister. (2005 Universal Pictures International)