Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins (SE)
Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins (SE)
Anzeige Verfilmungen angeblich unverfilmbarer Literatur sind Drahtseilakte ohne Netz. Philip Kaufman riskierte den Sturz, als er Milan Kunderas psychologischen Roman "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" (1987) auf die Kinoleinwand bannte. Das war ihm durchaus bewusst, nach dem ersten Lesen des Buchs war er sich mit seinem Freund und Kollegen Milos Forman ("Einer flog übers Kuckucksnest") einig: "Forget about it." Er hat es aber nicht vergessen. Als Forman, dem zuerst die Regie angetragen wurde, absagen musste, weil ein Teil seiner Familie in Prag wohnte, willigte Kaufman ein und schuf mit Daniel Day-Lewis, Juliette Binoche und Lena Olin in den Hauptrollen ein unvergessenes Filmerlebnis, das nun als Special Edition erneut auf DVD erscheint. Allerdings sollte von der Sonderausstattung nicht zuviel erwartet werden. Die Geschichte spielt in der Tschechoslowakei zur Zeit des Prager Frühlings: Der attraktive Tomas (Daniel Day-Lewis), Chirurg in einer Klinik, kann den Frauen nicht widerstehen. Gierig stürzt er sich in immer neue Affären, um im Liebesakt seine Lebendigkeit zu spüren. Die extravagante Malerin Sabina (Lena Olin) ist eine von Tomas' erotischen Beziehungen, in der keiner Bedingungen stellt. Beide können sich am Sex nur erfreuen, solange keine Liebe im Spiel ist. "Liebe bedeutet, auf Stärke zu verzichten", schreibt Kundera dazu in seinem Buch. Doch eines Tages begegnet Tomas in einem Kurort die junge Kellnerin Teresa (Juliette Binoche), die bereit ist, für ihn alles aufzugeben und ihm ohne Zögern nach Prag folgt. Das gemeinsame Leben stürzt Teresa in eine tiefe Krise. Sie kann die Leichtigkeit nicht ertragen, mit der Tomas in den Tag hineinlebt und sein Verhältnis mit Sabina weiterführt. Auch seine Beteuerungen, dass seine tiefe Liebe zu ihr und das körperliche Begehren völlig unterschiedliche Dinge seien, können sie nicht trösten. In surrealen Albträumen wird sie mit ihren Ängsten konfrontiert und klammert sich an Tomas fest. Mehr noch als die Romanvorlage lässt der Film die Stimmung lebendig werden, die das Sterben des Prager Frühlings unter den sowjetischen Panzern bewirkte. Sichtlich darum bemüht, möglichst alle wesentlichen Elemente des Buches unterzubringen, schuf Philip Kaufman ein knapp dreistündiges Epos, das bei der Kritik viel Beifall fand. Nicht ganz so viel Beifall gibt es für die Doppel-DVD. Der Bonusteil hinterlässt einen gemischten Eindruck. Die Qualität der Features ist hervorragend, aber für eine Special Edition sind die Extras zu mager ausgefallen. Außer dem, sehr guten, aber auch schon zehn Jahre alten Audiokommentar von Regisseur, Drehbuchautor, Cutter und der Darstellerin Lena Olin gibt es lediglich ein Making Of, in dem sich die Beteiligten an ihre Erfahrungen mit dem Film erinnern. Auf der technischen Seite offenbaren die DVDs leichte Mängel. Nach zwei Stunden Film müssen die Disc gewechselt werden, obwohl weder Bild- noch Tonqualität eine hohe Datenmenge vermuten lassen. Der Sound ist recht frontlastig und nur im schmalen 2.0-Format abgelegt. Das Bild ist generell etwas weichgezeichnet, Schärfe- und Kontrastwerte sind demzufolge nicht besonders hoch. Vera Seeberg bewertungsbox
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Credits: |
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