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Silent Hill

Silent Hill

(tsch) Videospiele sind die besseren Filme: Die moderne Animationstechnik schafft immer realer anmutende Welten, die Geschichten werden komplexer, und zudem gibt es noch vielfältige Interaktionsmöglichkeiten für den Spieler. Hier ist möglich, was im Kino (noch längst) nicht denkbar ist: die Einbindung des Rezipienten. Zu entscheiden über Wohl und Wehe dessen, was erzählt wird, ist ein bisher ungeträumter Traum der cineastischen Erzähler. Die interaktive Revolution des Films wird noch auf sich warten lassen. Erst einmal wird auf der Suche nach neuem Erzählstoff das Gemischtwarenfeld der Computerspiele durchforstet. Zu Tage gekommen ist "Silent Hill" (2006), eine wahrlich bizarre Geschichte, die nur auf dem Computerbildschirm zu funktionieren scheint.

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Dennoch wagte sich Christophe Gans, Regisseur der eigenwilligen Filme "Pakt der Wölfe" und "Crying Freeman", an das Hirngespinst des Spieleerfinders Akira Yamaoka heran und versuchte sich an einer Adaption für die Leinwand. Knapp umrissen, handelt die Geschichte von einer Mutter, deren Kind von Albträumen heimgesucht wird. Um ihr zu helfen, pfeift sie auf die Schulmedizin und wendet die Konfrontationsmethode an, um ihrer Tochter vor Augen zu führen, dass ihre Ängste unbegründet sind.

Doch der geheimnisumwitterte Ort, um den es in den düsteren Träumen geht, ist tatsächlich höchst merkwürdig beschaffen: Während Asche vom Himmel rieselt, tauchen in regelmäßigen Abständen höllische Kreaturen auf, die allem, was sich bewegt, nach dem Leben trachten. Zu allem Übel verschwindet die Tochter auch noch, womöglich wurde sie entführt.

Unterdessen fahndet der Ehemann, der die eigenmächtige Tour des Mutter-Tochter-Gespanns ahnt, nach seinen Lieben: In Silent Hill, einem Ort, der in den 70er-Jahren nach einer Brandkatastrophe in den Kanon der gruseligen Geisterstädte aufgenommen wurde, finden sich nur einige Polizisten, die ein zerstörtes Gatter wieder aufbauen wollen - aber keine Ehefrau, geschweige denn die Tochter. Während im Hier und Jetzt also gerätselt wird, was wohl geschehen sein mag, kämpft die verzweifelte Mutter mit ihren Nerven, um ihr Leben und muss ihr Weltbild neu ordnen. Denn was vor ihren Augen passiert, widerspricht so ziemlich allem, was sie in der Schule lernte. Bis es zu einem Happy-End kommen könnte, das Regisseur Gans dann aber doch verworfen hat, gibt es allerhand deformierte Kreaturen zu betrachten, die herumschleichen, um unschuldigen Menschen Angst einzujagen.

Christophe Gans hat sich eine schwierige Geschichte ausgesucht. Yamaokas Spiel jongliert mit vier unterschiedlichen Parallelrealitäten, die nicht immer ausreichend erklärt sind. Gans lässt einerseits seiner Faszination für die surrealistische Bildersprache des Originalspiels freien Lauf. Andererseits versucht er, durch die Umwandlung der Spiele-Männer in Film-Frauen Identifikationspunkte zu stiften, die am Computer allein durch die Steuerungsmöglichkeiten vorhanden sind. Aber es bleibt vieles im Trüben, was sicherlich von Regisseur und Drehbuchautor intendiert war. Aber wie sich die Parallelrealitäten aufeinander beziehen und miteinander im Zusammenhang stehen, wird letztlich nicht schlüssig entwickelt und einfach auf die übersinnliche Kraft eines Fluchs geschoben.

Dass am Ende zwar das Geheimnis rund um menschliche Grausamkeiten enthüllt wird, aber ein positiver Schlussakt ausbleibt, hebt "Silent Hill" aus der Masse der nach althergebrachtem Schema inszenierten Horrorfilme hervor. Stattdessen gibt es ein minutenlanges Blutvergießen und einen hoffnungslosen Ausblick. Doch muss sich Gans den Vorwurf gefallen lassen, dass er zwar eine visuell starke Arbeit abgeliefert hat, aber die erzählerische Tiefe der Effekthascherei opfert. Allein Hauptdarsteller Sean Bean in der Rolle des hoffenden und bangenden Vaters nimmt einen wirklich gefangen. Die Verzweiflung der Mutterfigur, etwas hölzern gespielt von Radha Mitchell, ist dagegen wenig glaubhaft und lässt daher die notwendige verstörende Wirkung vermissen. Hätte Gans auf die höchst geschmacklosen bluttriefenden Szenen verzichtet, die offenbar ein Genre-Publikum begeistern sollen, wäre "Silent Hill" ein empfehlenswerter Psychohorrorfilm mit künstlerischer Qualität und ansprechendem Suspense geworden.

Leif Kramp

Credits:
V:Concorde, CDN / F 2006, R: Christophe Gans, D: Sean Bean, Radha Mitchell, Laurie Holden u.a.

Laufzeit: 125 Min.


Rose DaSilva (Radha Mitchell) versucht, einer mysteriösen Gestalt auszuweichen, die mitten auf der Straße steht.
Rose DaSilva (Radha Mitchell) versucht, einer mysteriösen Gestalt auszuweichen, die mitten auf der Straße steht. (2006 Concorde Filmverleih GmbH)

Sharon (Jodelle Ferland) spricht im Schlaf immer wieder von der unbekannten Stadt Silent Hill.
Sharon (Jodelle Ferland) spricht im Schlaf immer wieder von der unbekannten Stadt Silent Hill. (2006 Concorde Filmverleih GmbH)

Voller Panik sucht Rose (Radha Mitchell) ihre verschwundene Tochter.
Voller Panik sucht Rose (Radha Mitchell) ihre verschwundene Tochter. (2006 Concorde Filmverleih GmbH)

Datum: 10.05.2006

Diskussion: "Silent Hill"

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Artikel ID 169342

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