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The Raconteurs: Broken Boy Soldiers

The Raconteurs Broken Boy Soldiers

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Um erst einmal einen Irrtum auszuräumen: Die Raconteurs sind für Jack White, den die meisten von den White Stripes kennen, kein Nebenprojekt, sondern eine zweite, gleichberechtigte Band. Darauf legt der Mann aus Detroit Wert, und sein Mitstreiter Brendan Benson - ihn kennt man von der gleichnamigen Band - sagt ähnliches. Eine Supergroup also, die aber ernsthaft agiert und Dauerhaftigkeit demonstrieren möchte. Jetzt legt die Combo, zu der auch noch Mitglieder der Greenhornes gehören, mit "Broken Boy Soldiers" ihr Debütalbum vor.

Nun kennt man die Vorlieben der beiden. Brendan Benson, das ist schöner, hymnischer Alternative-Rock, der nicht nur Augenzwinkern, sondern auch fundiertes Fachwissen als Geburtshelfer sein eigen nennt. Und Jack White ist ein Zauberer. Mystisch, nicht der Kerl, den man als Nachbar haben möchte. Wild, gefährlich, aber eben kreativ, irgendwo zwischen Voodoo und Blues. "Steady As She Goes" zeigt vielleicht am besten, wie gut das Zusammenspiel zwischen den beiden Freunden funktionieren kann. Der Song ist eine stringente Rockhymne mit erstaunlich kernigen Stromgitarren, eine Angelegenheit, die all die Versprechen, die die Vorabberichte zu den Raconteurs gaben, einlöst.

Natürlich sind nicht alle Stücke so radiokompatibel. Oft schlägt Bruder Blues kräftig durch, wummert die Hammond, jault die Gitarre. Detroit steckt in dieser Platte, und zwar nicht jenes von Eminem oder diversen Techno-Pionieren, sondern das von MC5, den lauten Sixties-Helden, die seinerzeit Blues und Hardrock kreuzten und Punk vorweg nahmen. Am schönsten wird's freilich immer dann, wenn der Song für sich selbst spricht, wenn Benson und White plötzlich nicht mehr die sind, die die Kontrolle über das Vorgetragene besitzen. Einige dieser magischen Momente finden sich auf "Broken Boy Soldiers" - allen voran in der Über-Ballade "Together", die satt in den Sixties schöpft und doch keine so anachronistische Angelegenheit bleibt oder im feinen "Blue Veins". Dabei beschränken sich die Raconteurs, nicht nur was die Mittel, sondern auch was die Länge angeht. Zehn Songs müssen langen, nach 40 Minuten ist der Spaß vorbei. Dafür ist er währenddessen um so heftiger.

Jochen Overbeck


Datum: 11.05.2006

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