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Dirty Pretty Things: Waterloo To Anywhere

Dirty Pretty Things Waterloo To Anywhere

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Carl Barat hat es verblüffend schnell geschafft, aus der allgemeinen Wahrnehmung zu verschwinden - zumindest, was seine Rezeption als Musiker und eigenständiger Mensch betrifft. Man las von und über ihn, sicher. Aber all das bezog sich immer auf Pete Doherty, Ex-Kumpel, Ex-Kamerad bei den Libertines. Männerfreundschaft, Umarmungen, Schlägereien ... Jetzt haben die beiden nicht mehr so viel miteinander zu tun. Was Doherty macht, steht mittlerweile sogar in der Bild-Zeitung, dass er mit dem Babyshambles-Debüt "Down In Albion" eine großartige Platte veröffentlichte - vergessen. Jetzt, ein halbes Jahr später folgt Barat mit seiner neuen Band "Dirty Pretty Things" und "Waterloo To Anywhere".

Man muss kein Prophet sein, um um die grobe Stoßrichtung dieser Platte zu erahnen. Barat macht das, was er kann: Songs schreiben, die sich ihre Einflüsse aus den 60er- und 70er-Jahren holen, die The Jam, The Kinks, The Clash und natürlich - seltsame Referenzhölle - das eigene Vergangenheitskapitel Libertines - zitieren. Da finden sich schon einige diffuse Querverweise zum ehemaligen Standing, zur Chemie innerhalb der Libertines. So entsteht eine Mischung, die genau da ansetzt, wo der Fan sitzt: Songs wie "Bang Bang You're Dead" oder das hektische "Gin And Milk" zielen genau Richtung Britpop-Crowd, variiert wird im Verlauf des Albums nie der Stil, sondern nur das Tempo. Höhepunkt: Ein Beller namens "You Fucking Love It", keine zwei Minuten lang, mit "Yeah Yeah Yeah"-Chören, die auch aus der schwedischen Mando-Diao-Hitschmiede stammen könnten und einer erbarmungslos gniedelnden Gitarre. Mit "Last Of The Small Town Playboys" wird noch kurz Morrissey zitiert, und dann sind die 33 Minuten auch schon vorbei.

Carl Barat geht einen anderen Weg als Pete Doherty. Der zelebrierte auf "Down In Albion" unfertige Zerissenheit, in der Momente geradezu absurder Genialität durchblitzen. "Waterloo To Anywhere" transportiert zwar auch eine gewisse Mystik, ist aber eine sehr solide, eine sehr handwerkliche Angelegenheit. Das macht's für den Hörer einfacher, aber nicht wirklich spannender. So kann man sich über einige Songs freuen, die große Überraschung bleibt aber aus.

Jochen Overbeck


Datum: 11.05.2006

Diskussion: "Dirty Pretty Things: Waterloo To Anywhere"

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