(tsch) Wer hoch fliegt, kann tief fallen - so wie die französische Fußballnation: Auf den Doppeltriumph bei der Weltmeisterschaft 1998 und der Europameisterschaft 2000 folgte das torlose Vorrundenaus in Japan und Südkorea und ein unterirdisches Auftreten bei der Euro 2004 in Portugal. Als wäre der Niedergang der glorreichen Equipe Tricolore nicht schlimm genug, verließ der Heilsbringer die Mannschaft. Zinedine Zidane trat zurück, und im Hexagon herrschte "la grande tristesse". Ein ganzes Land weinte, weil ein Fußballer nicht mehr spielen wollte. Ulrike Brincker fragt in ihrem Porträt in der ARD-Reihe "Legenden", warum der Sohn algerischer Einwanderer für die Franzosen nicht nur auf dem Fußballplatz der wichtigste Staatsbürger ist.
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Die Antwort ist einfach: Zidane ist Frankreich. Im Stadion sowieso: Mit ihm stehen oder fallen die "Bleus". Die Mannschaft ist abhängig von ihm, und natürlich blickt dann auch die ganze Nation zu ihm auf. Er ist Hoffnungsträger für ein stolzes Volk, das sich eigentlich nicht mehr so gerne von Alleinherrschern regieren lässt. Außer eben vom besten Mittelfeldspieler der Welt.
Aber Zidane ist mehr als ein Ausnahmeathlet. Er ist ein Einwandererkind aus Marseille, das in einem dieser Plattenbauviertel aufwuchs, die erst im vergangenen Herbst wieder in Flammen standen. Die Menschen in den sozialen Brennpunkten haben eigentlich keine Chance. Wenn sie es doch schaffen, aus der Perspektivlosigkeit auszubrechen, dann kommt das einem Wunder gleich. Als die Franzosen 1998 Weltmeister wurden, feierten sie nicht nur ihren größten Fußball-Triumph: Zidane war plötzlich nicht nur auf dem Platz eine Leitfigur, sondern diente auch als Beispiel für gelungene Integrationspolitik. Damit hat der dreifache Vater allerdings wenig am Hut: "Ich betreibe Sport, keine Politik."
Das reicht ja auch. Zumal Zidane, der 2000 für die Rekordsumme von 71,6 Millionen Euro von Juventus Turin zu Real Madrid wechselte, und der Ball eins werden. Es gab lange Zeit niemanden, der sich so gut mit dem Ball verstand und so elegant mit dem Spielgerät umgehen konnte wie "Zizou". Er spielt nicht, er zelebriert Fußball. Zidane schwebt über den Platz wie ein Engel - seine äußere Erscheinung verstärkt diesen Eindruck, der Haarkranz wird zum Heiligenschein.
Irgendwie passt da auch Zidanes Erklärung, warum er im Sommer 2005 der Nation das Lächeln zurückgab: Er hätte im Traum eine Erscheinung gehabt, die ihm sagte, was zu tun sei. Also schnürte Zidane die Stiefel wieder für die "Bleus" und gab dem Team durch seine bloße Anwesenheit genug Selbstvertrauen, um nach vielen schwachen Spielen doch noch die direkte Qualifikation für die WM 2006 zu schaffen. Der Heilsbringer kommt also nach Deutschland - und das ist Balsam für die geschundene Fußballseele.
Die ARD beschäftigt sich in ihrer Montags-Reihe vor der WM noch mit zwei weiteren Fußball-Legenden: am 22. Mai mit Uwe Seeler und am 29. Mai mit Pelé.
Andreas Fischer
Er ist Frankreich: Wenn Zinedine Zidane lächelt, ist die Nation glücklich. (WDR)
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