logo
Anzeige
Cineastentreff Kino Film Neue Platten - Musik News Kino Film Cassandra Wilson - Thunderbird
Cassandra Wilson - Thunderbird

Cassandra Wilson Thunderbird

Anzeige

 

Die Jazz- und Bluesgröße Cassandra Wilson aus Mississippi ist eine wundervolle Vokalistin, kein Zweifel. Stets finden sich ihre CDs, auch die neue "Thunderbird", in den Jazzabteilungen der Plattenläden. Das liegt vermutlich daran, dass Cassandra Wilson als Stilhopperin - wie beispielsweise auch Norah Jones - einfach nicht einzuordnen ist. Wie ein Fisch flutscht sie bei jeder Platte in eine andere Richtung, kaum hat sie der Disponent eines Ladens bei Jazz eingeordnet, muss er sie zum Blues stellen, ein Jahr später zu Folk, dann wieder zu Pop. So wie auch ihr Werk "Thunderbird", das poppiger geworden ist als alle ihre Werke zuvor.

Wenn Frau Wilson Pop produziert, dann natürlich niveauvollen Songwriterpop. Trotzdem: Ob der Fan damit so ganz glücklich wird? Zwar finden sich schöne Lieder mit hookstarken Ideen auf dem Album, ebenso ihre berühmt sanfte Stimme und das monströse Knowhow. Aber diesmal wurde das Ganze vom "O Brother, Where Art Thou?"-Produzenten T-Bone Burnett bearbeitet und co-komponiert. Burnett arbeitet oft sehr modern, lässt auch Samples ihren Raum (gelungen: "Poet") und hantiert mit elektronischen Klängen (von Mike Elizondo), wenn sie seiner Meinung nach in den Song müssen. Das müssen sie aber gar nicht so oft, wie Burnett sich das einbildet. "It Would Be So Easy" käme auch ohne das Handclapping vom Band aus, "Strike A Match" oder "Tarot" wirken eher wie Sade für Intellektuelle als wie Cassandra Wilson.

Dame Wilson scheint es egal, was sie singt. Sie arbeitet sich souverän durch diese unhomogene CD und eint die nach allen Richtungen ausschlagenden, jungen, grünen Liederkinder durch ihre sanfte, tiefe und niemals aufgeregte Stimme. Durch ihre ruhige Art, jeden Ton zu Ende klingen zu lassen, ohne ihn in hysterische Vibratos erzittern oder in aufgesetzte Bluenotes biegen zu müssen. Burnett brilliert hier aber auch, und zwar in seinem Lieblingsfach, dem Roots-Blues ("Easy Rider", "I Want To Be Loved") in dem Cassandra Wilson natürlich ebenso daheim ist, wie in völlig analogen, fast a cappella gesungenen archaischen Blues-Hymnen ("Red River Valley"), bei denen man regelrecht die Fußketten rasseln hört. Das Sample der Wild Tchoupiotoulas auf "Going To Mexico" hebt alten Folk direkt ins neue Jahrtausend. Diese bluesige Hälfte der CD ist also recht gelungen.

Natürlich darf auch eine minimalistische Jazzballade ("Lost") nicht fehlen, und da wünschen wir uns Cassandra Wilson eigentlich wieder hin. In diesen unendlich soften Jazz! Als Bluesröhre, Jazzdiva und Grenzgängerin auf dem schmalen Pfad, auf dem auch Norah Jones wandelt, ist Wilson unschlagbar. Als Popdiva steht sie über den teilweise schwachen Songs. Fans werden ihr die ungewohnten Popsongs verzeihen und sie dafür adeln, dass sie mal wieder so mutig etwas Neues ausprobiert. Nicht-Fans und Neueinsteiger dürften sich vom indifferenten "Thunderbird" nur zum Teil angezogen fühlen.

Kati Hofacker


Datum: 15.05.2006

Facebook aktivieren

Diskussion: "Cassandra Wilson - Thunderbird"

Um eine Diskussion zu "Cassandra Wilson - Thunderbird" zu beginnen melden Sie sich bitte im Forum an. Wenn Sie noch nicht registriert sind, können sie sich jetzt registrieren um an den Diskussionen teilzunehmen.
Artikel ID 169759

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

    Buckethead: Spinal Clock
    Auf seinem 31. Soloalbum wechselt Avantgarde-Gitarrist Buckethead das Instrument – ein kompletter Longplayer, nur mit einem Banjo aufgenommen. Nach längerer Krankheit verarbeitet der Musiker aus San Francisco ...

    Axl Rose & Duff McKagan treten gemeinsam auf
    Als Guns N’ Roses am 14. Oktober vor der ausverkauften O2-Arena in London spielten erwartete die Fans eine besondere Überraschung: Plötzlich stand kein geringerer als Duff McKagan auf der Bühne – der Bassist ...

    Duff McKagan rockt im Kino
    Duff McKagan hat mit seiner Band Loaded im August 2010 ein neues Album aufgenommen. Der ebenso wie der Musiker aus Seattle stammende Filmemacher Jamie Burton Chamberlin hat die Produktion im Studio begleitet ...

    Chinese Democracy: Zwei Jahre danach
    Am 22. November jährt sich die Veröffentlichung von „Chinese Democracy“ zum zweiten Mal – dem Album, das gut 15 Jahre Produktionszeit und über 13 Millionen Dollar Produktionskosten verschlungen hat, das ...

    Kid Rock: Born Free
    R. J. Ritchie alias Kid Rock ist im Jetzt angekommen. Gemeinsam mit Cash-Produzent Rick Rubin und zahlreichen honorigen Gastmusikern hat er ein Album aufgenommen, das zu dem amerikanischen Album schlechthin ...

    Buckethead: Captain EO’s Voyage
    Das wievielte Studioalbum von Avantgarde-Klampfer Buckethead ist das nun? Das dreißigste? Oder doch schon das vierzigste? Egal, man kann es nicht mehr zählen. Soviel steht fest: Es ist sein drittes Solowerk ...


 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 74 - id = 1392 - task = view - option = com_content - limitstart= 0