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Nina Proll

Die Kunst des Täuschens

Schauspielerin Nina Proll

(tsch) "Proll ist toll", so heißt es inzwischen nicht nur in Österreich und in ihrer Heimatstadt Wien. Wann immer Nina Proll auf der Bühne oder im Film zu sehen ist, muss man von ihrer zupackenden Präsenz begeistert sein. Auch in der bösen Familienkomödie "Leo", in der es um das Erbe der Großmutter geht, ist das wieder so. Nina Proll spielt hier eine Ex-Kellnerin, die Frau eines unglücklichen Chirurgen, die anfassen kann - vor allem bei der Leichenwäsche. Das macht sie sehr geschickt.

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Bei Nina Proll fing (fast) alles mit "Nordrand", dem Debütfilm der österreichischen Regisseurin Barbara Albert an. Da war sie, 1999, eine Außenseiterin, die ihr trostloses Zuhause verdrängt, indem sie die Freuden des Lebens in vollen Zügen auszukosten versucht. Bei den 56. Filmfestspielen von Venedig war es dann soweit, dass sie den Marcello-Mastroianni-Preis für die beste Nachwuchsdarstellerin bekam. Und nicht genug: In Berlin kürte man die Newcomerin bald darauf zum "Europäischen Shooting Star".

"Nordrand", ein Patchwork-Film, der ziemlich präzise das Leben in einem winterlichen Wiener Vorort schildert, veränderte das Leben der Schauspielerin total. Jetzt war sie nicht nur in ihrer Heimat Österreich berühmt, sondern eben auch international. "Als wir diesen Erfolg in Venedig hatten und ich nach Wien zurückkam, habe ich bemerkt, dass da plötzlich ein großes Interesse an meiner Person gewachsen war", so schildert sie diesen Einschnitt in ihrem Leben. "Das hat mir viele Wege in Österreich und darüber hinaus erleichtert. Seitdem habe ich erst richtig in Deutschland Fuß gefasst."

Der Slogan "Proll ist toll" kam allerdings erst später. Damals, 2004, als sie in gleich mehreren Filmen, aber auch als Musical-"Barbarella" in Wien auf der Bühne zu sehen war. Und im Studio wurde auch noch eine neue CD mit gecoverten Evegreens produziert. Alle mochten Proll, den Kumpeltyp und zugleich "das Alphatier" - nett, aber eben auch sehr selbstbewusst.

Nina Proll ist Wienerin mit Haut und Haar, sie lebt gerne in Wien. "Ich hatte nie den Wunsch wegzugehen", wie sie sagt, "wenn es nach mir ginge, würde ich immer nur hier bleiben. Ich liebe Wien total und kann mir überhaupt nicht vorstellen, wo anders zu leben."

Ziemlich zutreffend wurde die Wiener Schauspielerin von der norwegischen Regisseurin Anne Hoegh Krohn beschrieben, mit der sie bei "Geld macht sexy" zusammengearbeitet hat. Die Regisseurin hatte sie in "Nordrand" gesehen und war sofort begeistert. "Sie strahlt bei aller Power und starker Körpersprache auch eine Art von Naivität aus, die einen sofort gefangen nimmt. Man traut ihr eigentlich nicht zu, dass sie eine berechnende oder hinterhältige Person sein könnte. Aber man traut ihr große Gefühle zu und eine Portion Radikalität. Das hat mir gefallen."

1974 in Wien geboren, studierte Nina Proll ursprünglich Gesang und Tanz am Performing Arts Studio Vienna und stand zunächst auf der Musical Bühne - in Klagenfurt und im Theater in der Josefstadt. Das Musical möchte sie auch in Zukunft nicht missen. "Es ist schon ein größeres, ein unmittelbareres Erfolgserlebnis live vor Publikum", sagt sie auf ihre ehrliche Weise. Im Musical ist sie gern die Sexbombe, der blonde Vamp. Aber sie weiß auch, dass sie sich fortentwickelt: "Niemand ist nur eine Sexbombe - auch nicht Marilyn Monroe".

Wie man überhaupt Nina Proll nicht mit ihren Bühnen- oder Filmfiguren verwechseln darf. "Ich habe noch keinen Film gedreht, bei dem ich sagen würde: Das bin ich. Es erstaunt mich immer wieder, dass die Leute glauben, ich bin so. Aber ich weiß, dass ich überhaupt nicht so bin." Womit sie vor allem das "Schlampenhafte" und den "Männerkonsum" meint. Nur nebenbei sei vermerkt, dass sie unter anderem gegenwärtig im Stück "Babytalk" auf der Bühne des Wiener "Theaters in der Walfischgasse" eingestreute "Kopulationsduette" schmettert.

Als Vorbilder nennt Nina Proll Marilyn Monroe und Faye Dunaway. Vor drei Jahren nahm sie in einem Wiener Studio ihr erstes Solo-Album auf, das den Titel "The Art of Pretending" ("Kunst des Täuschens") trug. Eben diese Kunst beherrscht die Wiener Barbarella auf perfekte Weise. Über ihre CDs (zuletzt: "12 Lieder, nicht die schlechtesten") lässt sich vielleicht ein bisschen streiten, nicht aber über ihre Schauspielerei, die ist vom Feinsten. Auch in "Leo" kann man es wieder sehr gut sehen.

Wilfried Geldner


Meist blond, oft sexy: die (dennoch) verdammt vielseitige österreichische Schauspielerin Nina Proll, die nicht nur spielt, sondern im Studio und auf der Musical-Bühne auch gerne singt.
Meist blond, oft sexy: die (dennoch) verdammt vielseitige österreichische Schauspielerin Nina Proll, die nicht nur spielt, sondern im Studio und auf der Musical-Bühne auch gerne singt. (ARD Degeto)

Nina Proll (hier im ZDF-Film "Geld macht sexy", in dem sie eine junge Frau spielt, die sich in höchsten politischen Kreisen bewegt) ist in ihren Filmen blond und, eben, sexy. Doch darf man sie mit ihren Rollen nicht verwechseln, wie sie sagt.
Nina Proll (hier im ZDF-Film "Geld macht sexy", in dem sie eine junge Frau spielt, die sich in höchsten politischen Kreisen bewegt) ist in ihren Filmen blond und, eben, sexy. Doch darf man sie mit ihren Rollen nicht verwechseln, wie sie sagt. (ZDF)

In der Familienkomödie "Leo" (ARD, 31.5., 20.15 Uhr) spielt Nina Proll die ehemalige Kellnerin und Arztfrau Gigi Dargatz. Hier mit ihrem Film-Mann August Zirner.
In der Familienkomödie "Leo" (ARD, 31.5., 20.15 Uhr) spielt Nina Proll die ehemalige Kellnerin und Arztfrau Gigi Dargatz. Hier mit ihrem Film-Mann August Zirner. (BR)

Datum: 15.05.2006

Diskussion: "Nina Proll"

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