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Paul Bettany

Mit Glatze durch die Grenzkontrolle

Schauspieler Paul Bettany

(tsch) Paul Bettanys Lächeln ist nicht leicht zu entschlüsseln: sympathisch, verschmitzt und doch auch etwas verschlagen. Die Karriere des 34-jährigen Briten, der in New York lebt, nähert sich ihrem ersten Höhepunkt: Nach Komödien wie "Ritter aus Leidenschaft" und "Wimbledon", in denen er seine Entertainer-Qualitäten als Everybody's Darling beweisen konnte, schlüpfte er in den Filmen "Firewall" und "The Da Vinci Code" (Start: 18.05.) nun gleich zweimal in düstere Charaktere. Im Interview spricht Bettany unter anderem über schmerzhafte Schminke und den Traum vom All.

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teleschau: Sie befinden sich zurzeit im Höhenflug: Wie begründen Sie selbst diesen Karrieresprung?

Paul Bettany: Ich kann im Grunde nicht wirklich erfassen, wie segensreich die aktuelle Entwicklung meiner Karriere ist, weil ich keine Vergleichspunkte habe. Ich bin nur sehr froh, dass ich auf verdammt angenehme Art meinen Lebensunterhalt verdienen kann, ohne jemanden ausnutzen zu müssen. Dafür bin ich ehrlich dankbar. Es ist ein Privileg.

teleschau: Werden Schauspieler Ihrer Meinung nach zu gut bezahlt?

Bettany: Wir werden viel zu gut bezahlt, um in anderer Leute Kleider zu schlüpfen, herumzurennen und vorzugeben, wir würden schießen. Das ist keine Raketenwissenschaft, also bitte nicht überbewerten! Mir hängen die vielen jungen Schauspieler zum Halse raus, die ihr nicht vorhandenes Leid öffentlich zur Schau tragen, weil sie vier Monate lang in Papua-Neuguinea waren: "Ach, das war so schrecklich!" Oder: "Wir waren in Mexiko, und es war so heiß!" Darauf kann ich nur antworten: Such' Dir einen anderen Job. Aber warten Sie ... ich will meine Aussage von eben revidieren: Eigentlich wird niemand zu gut bezahlt. Die meisten Menschen werden für ihre Arbeit nur zu schlecht bezahlt.

teleschau: Sie leben mit Ihrer Frau, der Oscar-Preisträgerin Jennifer Connelly, in New York. Warum nicht Los Angeles?

Bettany: Die Entscheidung war ganz einfach: New York ist eine Republik. Trotz aller Vorzüge des Lebens dort vermisse ich meine Freunde in England und vor allem Europa als Ganzes unheimlich. London ist für mich die größte Stadt der Welt. Und das Beste an ihr ist Paris. Die Entfernungen sind in Europa extrem kurz im Vergleich zu den USA. Man kommt überall schnell hin.

teleschau: War die desolate Situation des britischen Kinos ein Grund für Sie wegzuziehen?

Bettany: Ich zog um, weil ich in den USA Filme für die USA drehen wollte. Wir versuchen in England die falschen Filme zu machen. Jeder produziert für Amerika, weil wir dieselbe Sprache sprechen. Lassen Sie sich eines sagen: Ich habe mehr gemeinsam mit jemandem, der in Paris aufgezogen wurde, als mit jemandem aus Utah - obwohl sich die Sprachen unterscheiden.

teleschau: Worin also liegt der Fehler des britischen Kinos?

Bettany: Der britische Film hat einen großen Nachteil im Vergleich zu US-Produktionen: Die Explosionen sind schlechter. Wir können's einfach nicht. Wir haben nicht das Geld, es ihnen gleichzutun. Daher sollten wir Filme für Europa produzieren. Es würde uns sehr viel weiter bringen, wenn wir nicht mehr über den großen Teich schielen würden und spekulieren, was die Amerikaner wollen. Wir sollten uns auf uns und unser Publikum konzentrieren.

teleschau: Sie begannen Ihre Karriere als Theaterschauspieler. Haben Sie jemals daran gedacht, wieder auf die Bühne zurückzukehren?

Bettany: Wenn die Leute, das Stück und die Chemie stimmen, dann kann ich mir das vorstellen. Es gibt nichts Erfüllenderes, als an einem aufregenden, toll gespielten, bestens vom Publikum aufgenommenen Theaterstück teilzuhaben. Andererseits gibt es nichts Schlimmeres, in einem schlecht gespielten, ausgebuhten Stück zu spielen. Schließlich muss man jeden Abend mit derselben Sache auf die Bühne. Abgesehen davon wollte ich ohnehin immer Filmschauspieler werden. Zwar ging ich als Kind auch ins Theater, aber was ich liebte, waren die großen Kinofilme.

teleschau: Wie sehr hat sie die damalige Zeit beeinflusst?

Bettany: Ich mochte Science-Fiction-Filme, vor allem "Star Wars". Natürlich wollte ich deshalb Astronaut werden. Doch als ich mit fortschreitendem Alter begann, politisch zu denken, wollte ich Kosmonaut werden. Dann wollte ich cool sein und Popstar werden. Und als das zu beschwerlich schien, wollte ich eben Filmstar werden. Das war leichter.

teleschau: Bisher waren Sie überwiegend als liebenswerter Komödiendarsteller bekannt. Nun spielen Sie im "Da Vinci Code", der Verfilmung des Romans "Das Sakrileg", einen mordenden Mönch. Haben Sie Ihrer Karriere bewusst einen Schwenk in die Richtung des Finsterlings verpasst?

Bettany: Das würde voraussetzen, dass ich eine Art von Plan für meine Karriere habe. Ich wusste nicht, dass die beiden Filme so eng aufeinander in den Kinos anlaufen würden. Als ich mit den Dreharbeiten zu "Firewall" fertig war, rief mich Regisseur Ron Howard an, um mich zu fragen, ob ich die Rolle des Mörder-Mönchs im "Da Vinci Code" spielen wolle. Ich hatte das Buch nicht gelesen und dachte in dem Moment auch weniger über Vor- und Nachteile nach oder darüber, ob ich schon wieder einen Schurken spielen sollte. Nein: Mörder-Mönch, Ron Howard, Millionen Filmkopien rund um den Globus? Klar will ich den spielen! Ich bin ja schließlich kein Vollidiot. Aber wieso er mich ausgewählt hat, kann ich mir beim bestem Willen nicht erklären. Im letzten Film, den ich mit ihm gemacht habe ("A Beautiful Mind" - Anm. d. Red.), war ich eher der Clown.

teleschau: Die Hollywood-Studios besetzen die Rolle des "Bad Guy" gerne mit britischen Schauspielern. Fürchten Sie, nun dasselbe Schicksal wie zum Beispiel Ihr Kollege Gary Oldman zu erleiden?

Bettany: Ein Grund, wieso ich bisher vor allem positive Charaktere gespielt habe, liegt darin, dass die bösen oft einfach zu schlecht entwickelt werden. Es ist schwer, gute Rollen in dieser Richtung zu finden. Meine Erfahrungen als Brite unter Amerikanern sind aber nicht so schlimm, wie man es vermuten könnte. Ich würde liebend gerne in dieses Klischee passen, nachdem sie die Briten gerne in eine Schublade stecken und draufschreiben: böser Bube. Dann könnte ich Witze darüber machen und auf die bösen Amis schimpfen. Auf Alan Rickman und Gary Oldman mag diese Rollenfestlegung sicherlich zum Teil zutreffen. Aber mir haben die Amerikaner völlige Freiheit gelassen und zunächst vor allem die Rolle des Netten angeboten.

teleschau: ... nun aber haben sie den Schurken in Ihnen entdeckt.

Bettany: Für den Fall, dass sie mich jetzt doch in eine Schublade stecken wollen, weil ich mich auch als Fiesling gut mache, erkläre ich schon jetzt feierlich: Ich möchte nicht in "Stirb Langsam 8" mitspielen. Und damit trete ich hoffentlich niemandem auf die Füße.

teleschau: Inwiefern waren die Dreharbeiten für den "Da Vinci Code" eine neue Herausforderung für Sie?

Bettany: Neu für mich war der ganz besondere Leidensprozess in der Schmink-Stube. Mich bearbeitete glücklicherweise ein echter Profi, was das Make-up anging: Veronica Brebner, eine Künstlerin ihres Fachs. Sie verbrachte nicht nur Stunden damit herumzuexperimentieren, wie am besten mit meiner Hautfarbe umzugehen sei, sondern auch mit anderen störenden Kleinigkeiten. Sommersprossen zum Beispiel. Das dauerte freilich seine Zeit: zweieinhalb Stunden. Dann wollten wir auch noch mein Haar färben, doch das tat mir derartig weh, dass ich es nicht mehr aushalten konnte. Als wir sie wuschen und alle Utensilien entfernt hatten, zeigte sich, woher der Schmerz kam: Ich hatte Löcher im Kopf, was nicht sie, sondern jemand anderes zu verantworten hatte, der hier nicht genannt werden soll.

teleschau: Wie wurde das Problem gelöst?

Bettany: Ich musste eine Perücke tragen. Tatsächlich! Sie wurde sehr sorgfältig angefertigt. Steht mir ja auch wunderbar!

teleschau: Wie hat sich eine Großproduktion wie diese auf Ihr Privatleben ausgewirkt?

Bettany: Mein Sohn Stellan, er ist jetzt zweieinhalb, hatte offensichtlich nur mit einer Sache ein Problem: Wieso trägt Papa ein großes, braunes Kleid? Ich hatte wirklich nicht damit gerechnet, dass ihm die Mönchskutte missfallen könnte. Wo es heikel wurde, war an der Grenzkontrolle bei der Einreise in die USA. In unserer heutigen Zeit mit all den verschärften Kontrollen und Überwachungen ist es kein Spaß, in ein solches Land zurückzukommen, wenn man mit seinem rasierten Schädel gar nicht mehr so aussieht wie auf dem Reisepass oder der Green Card.

Leif Kramp


Sein Sohn fand's gar nicht komisch: Paul Bettany spielt in "The Da Vinci Code - Sakrileg" den Albino-Mönch Silas, der bereit ist, für seinen Glauben über Leichen zu gehen.
Sein Sohn fand's gar nicht komisch: Paul Bettany spielt in "The Da Vinci Code - Sakrileg" den Albino-Mönch Silas, der bereit ist, für seinen Glauben über Leichen zu gehen. (2006 Sony Pictures Releasing GmbH)

Nachdem das Färben der Haare nicht gelang, trug Paul Bettany eine Perücke.
Nachdem das Färben der Haare nicht gelang, trug Paul Bettany eine Perücke. (2006 Sony Pictures Releasing GmbH)

Als Silas bringt Paul Bettany Sophie Neveu (Audrey Tautou) in seine Gewalt.
Als Silas bringt Paul Bettany Sophie Neveu (Audrey Tautou) in seine Gewalt. (2006 Sony Pictures Releasing GmbH)

Datum: 17.05.2006

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