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Mickey Rourke
Das Monster-ComebackSchauspieler Mickey Rourke (tsch) Jahrelange Absenz, eher belanglose Auftritte in der letzten Zeit und nun kaum wiederzuerkennen: Gezeichnet von zahlreichen Narben steigt Mickey Rourke, der einst tief gefallene Hollywood-Star, als liebenswerte Killermaschine Marv in der Comic-Verfilmung "Sin City" (Start: 11. August) wieder auf in die Riege der begehrten Top-Schauspieler. Mit Karacho bahnt sich der Rebell den Weg zurück in die Köpfe der Fans - mit dem wohl bemerkenswertesten Comeback des Sommers. Anzeige
Zwei Jahre ist es her, dass Mickey Rourke das erste Mal in "Irgendwann in Mexiko" für Robert Rodriguez vor der Kamera stand. Kurz darauf wagte sich der Regisseur mit "Sin City" an ein nächstes Abenteuer und war überzeugt: "Ich konnte mir nur einen Schauspieler vorstellen, der in der Lage ist, Marv zu spielen." Damit meinte er Rourke, der sich sogleich in den finsteren Kerl verliebte: "Ich ging los und kaufte mir den Comic, nachdem ich mit Robert geredet hatte. Als ich die Geschichte von Marv las, war ich richtig aufgeregt. Dieser abgefahren aussehende Typ hatte ziemlich interessante Dinge zu sagen und setzte diese auch in die Tat um." Der Schauspieler schien die perfekte Rolle für sich gefunden zu haben. Denn die Figur des grobschlächtigen Monsters mit gutem Herzen aus der Marvel-Comic-Schmiede ist dem Amerikaner wie auf den Leib geschnitten: Mickey Rourke wirkt bereits rein äußerlich mit seiner rauen Kettenraucher-Stimme, seinem von Schönheitsoperationen entstellten Gesicht und seiner gewaltigen Gestalt ganz wie jener Antiheld, den er im Film verkörpert. In "Sin City", der sündigsten aller Städte, wo es nur so von Schurken und Huren wimmelt, verliebt sich Marv in das Callgirl Goldie (Jamie King), mit der er zudem eine reizvolle Nacht verbringt. Als seine Auserwählte allerdings getötet wird, beginnt das Ungetüm einen blutigen Rachefeldzug. Ein fulminantes Comeback und der Beweis, dass er noch immer überzeugend schauspielern kann. Ein Blick zurück: Zwar war Mickey Rourkes Traum seit früher Kindheit, Profi-Boxer zu werden, doch lange sollte es nicht dauern, bis sich für ihn die Pforten zur bunten Welt der Schauspielerei öffneten. 1975 spazierte der heute 49-Jährige mitten hinein ins New Yorker "Actors Studio". Schon drei Jahre später feierte er mit Steven Spielbergs "1941 - Wo bitte geht's nach Hollywood" sein Leinwanddebüt. Der Durchbruch des Frauenschwarms ließ nicht lange auf sich warten. Zu Rourkes besten Filmen zählen bis heute "Rumble Fish" (1983), "Im Jahr des Drachen" (1985), das kontroverse Erotikdrama "9 1/2 Wochen" (1986), Bukowskis "Barfly" sowie der Voodoo-Zauber "Angel Heart" (beide 1987). Fleißig war der durchtrainierte Philip André Rourke Jr. - wie der Amerikaner gebürtig heißt - in den 80er-Jahren, und erfolgreich. Nicht nur vor der Kamera. Mickey Rourke galt lange Zeit als viriler Frauenheld und cooler Verführer. Doch nicht alle Damen ließen sich von seiner Männlichkeit überzeugen. Schauspielkollegin Kim Basinger machte dem Macho nach einigen Filmküssen deutlich, dass sie das eigentlich gar nicht so antörnend fände. "Ihn küssen ist wie einen Aschenbecher auslecken", verriet die schöne Blonde. Überschattet wurde seine einst steile Karriere aber nicht nur vom ausschweifenden Privatleben, sondern auch durch seine Aktivitäten als gewalttätiger Schläger und depressiver Alkoholiker. Diese zweite "Laufbahn" machte ihm schließlich einen Strich durch die sonst so gut kalkulierte Rechnung. Mickey Rourke war genervt von der glamourösen Kinowelt und lehnte plötzlich interessante Rollen ab, einzig und allein, weil ihm der Mantel des Regisseurs nicht passte. Dustin Hoffman zum Beispiel wollte ihn für "Rain Man", doch Rourke meldete sich nicht. Auch Quentin Tarantino fragte vergeblich bei ihm für seinen Film "Pulp Fiction" an. Kontakte zu Schauspielkollegen waren ihm genauso egal wie deren Meinung. Er kannte nicht einmal die Namen seiner Agenten: "Ich will den Glatzkopf mit dem Porsche sprechen", rief er stattdessen. Mickey Rourke galt als unsoziales und respektloses Ekel. Daran änderte auch sein plötzlicher Karrierewandel im Jahr 1991 nichts - der Bösewicht verwirklichte unter dem Künstlernamen "El Marielito" endlich seinen Traum als Profiboxer, um so schnell wie möglich dem Job für Weicheier, der Schauspielerei, zu entkommen: Vier Jahre lang ließ er sich im Ring fünf Mal die Nase brechen, die Wangenknochen zertrümmern und, trotz keiner einzigen Niederlage, das Ego ruinieren. Übersät mit Narben, gezeichnet von Botox-unterspritzer Haut und tief im Schuldensumpf steckend, wurde ihm damals klar, dass es so nicht weitergehen konnte. "Das Boxen hat mir meine Seele genommen. Ich habe mein Haus, meine Frau, meine Glaubwürdigkeit und meine Leute verloren und war zum Schluss ganz alleine", erkannte der gebeutelte Mann damals zu spät. Neu gestecktes Ziel: Ein fulminantes Comeback. 1997 versuchte er mit der Fortsetzung von "9 1/2 Wochen" an den Erfolg früherer Zeiten anzuknüpfen. "9 1/2 Wochen in Paris" reichte jedoch nicht annähernd an das Niveau des Originals heran. Eher bescheidene Rollen ermöglichten Mickey Rourke aber zumindest vorsichtige Schritte in die richtige Richtung. Zuletzt war der "Bad Guy" Hollywoods in "Animal Factory" (1999) mit Willem Dafoe, in "Das Versprechen" (2001) mit Jack Nicholson und "Irgendwann in Mexiko" (2003) zu sehen, eben für Robert Rodriguez. Erst 2005 sollte er wieder ganz oben angelangen: Der "James Dean der 80er-Jahre", wie er ab und zu trotz nicht gerade ebenbürtiger Schauspielqualität genannt wurde, kann sich nun neben namhaften Akteuren wie Bruce Willis, Benicio Del Toro und Clive Owen in der markanten Rolle des Monsters Marv in "Sin City" beweisen. Düster, zynisch und doch verletzlich. Eben wie er selbst. Auf die nächsten Kino-Highlights mit dem einstigen Schlägertypen Mickey Rourke muss nicht lange gewartet werden: Für den Action-Thriller "Domino", der noch dieses Jahr anläuft, stand er neben Keira Knightley vor der Kamera. Der Spionagefilm "Stormbreaker" wird derzeit gedreht, und das Drama "Killshot", in dem er an der Seite des "Herr der Ringe"-Stars Viggo Mortensen spielen wird, ist in Vorbereitung. Außerdem wird bereits an "Sin City 2" gebastelt, der 2006 kinoreif sein soll. Julia Schöppner |
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