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X-Men - Der letzte Widerstand

X-Men: Der letzte Widerstand

(tsch) Es geschieht nicht viel im dritten Teil der "X-Men"-Saga, das Wenige aber auf äußerst spektakuläre Weise. Menschen und Mutanten, Autos und Häuser segeln durch die Luft. Wassermassen türmen sich zu einem Gefängnis auf, als würde Moses seinen kleinen Zehen vor Alcatraz in den bitterkalten Pazifik stecken. Selbst die Golden Gate Bridge setzt in einer der wohl - nun ja - bewegendsten Momente des Films zum Tiefflug über die Bucht von San Francisco an. Kurzum: Es darf mal wieder gestaunt werden im Marvel-Universum.

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Nach zwei Leinwandmissionen der Exoten-Truppe und einem Einspielergebnis von rund 371 Millionen Dollar an den US-Kinokassen trat "Rush Hour"-Regisseur Brett Ratner die Nachfolge von Bryan Singer an, der sich lieber um "Superman Returns" (Start: 17. August) kümmern wollte. Ein Wechsel und seine Folgen: Ratner frönt getreu seines Rufs, großes Kino ohne Tiefgang zu inszenieren, hemmungslos der Action und zettelt einen Krieg zwischen Magnetos (Sir Ian McKellen) missgelaunter Bruderschaft und dem US-Militär an. Auslöser ist ein "Heilmittel", das die Kräfte der Mutanten in Zaum hält und ihnen ein normales Leben fernab ihrer Einzigartigkeit ermöglichen soll. Zwischen allen Stühlen und Fronten: die X-Men.

Früh lässt Ratner in diesem Konflikt so manch alt gedienten Helden über die Klinge springen oder - schlimmer noch - Mensch werden. Ebenso rasch werden jedoch andere, beliebte Charaktere aus den Marvel-Comics eingeführt: Angel (Ben Foster) etwa, der sich leider kaum entfalten darf, Juggernaut (Ex-Fußball-Profi Vinnie Jones) oder Beast, dargestellt von Kelsey "Frasier" Grammer, der sich in unzähligen Stunden in der Maske in ein blaues Fellknäuel verwandeln lassen musste.

Im Mittelpunkt steht jedoch eine Wiederauferstandene: Jean Gray (Famke Janssen). Die ließ am Ende von "X2" ihr Leben für die gute Sache und steigt nun als bösartiges Superweib Dark Phoenix aus dem Alkali-Lake. Sie soll auf Magnetos Seite den Sieg über die Menschen respektive das US-Militär bringen, ist aber ebenso brandgefährlich wie mächtig. Die Männer liegen der Rothaarigen, in deren Schizophrenie sich das zentrale Thema des Films widerspiegelt, dennoch zu Füßen - meist als ein Häufchen Asche ...

Regisseur Ratner setzt das Wissen um die Vorgänger (Teil zwei läuft am Donnerstag, 25.5., um 20.15 Uhr bei RTL in einer Free-TV-Premiere) schlicht voraus. Erklärt werden hier weder die Figuren noch ihre fantastischen Fähigkeiten. Dazu bleibt aufgrund ihrer Unzahl schlicht zu wenig Zeit. Schließlich wollen auch noch die "X-Men"-typischen Themen Intoleranz, Andersartigkeit, Angst vor dem Fremden zumindest angeschnitten und ein halbes Dutzend banaler Seitenplots erzählt werden.

Währenddessen zerfallen Heerscharen von braven US-Soldaten zu Pixel-Staub, mutiert Wolverine (Hugh Jackman) vom einsamen Wolf zum Anführer der X-Men und darf Oscar-Gewinnerin Halle Berry als Wetterhexe Storm ein paar lichte Momente genießen. Nur selten gelingt es jedoch dem Rest der Truppe, aus dem Gefängnis ihrer natürlichen Comic-Zweidimensionalität auszubrechen.

Bissige Kommentare, eine Prise schwarzer Humor, ein paar Anspielungen auf die Vorgänger und bombastische Spezialeffekte, wie sie seit dem Ende der "Matrix"-Trilogie nicht mehr auf der Leinwand zu bewundern waren, lassen jedoch großzügig über dieses Manko hinwegsehen.

Schließlich liefert "X-Men 3" beeindruckendes Action-Popcorn-Kino, das trotz seines Untertitels "Der letzte Widerstand" durchaus Raum für eine weitere Fortsetzung lässt - zwei (!) Cliffhangern am Ende des Films sei Dank.

Gerd Hilber

Credits:
V:Fox, USA 2006, R: Brett Ratner, D: Hugh Jackman, Sir Ian McKellen, Famke Janssen u.a.

Laufzeit: 107 Minuten


Wetterhexe Storm (Halle Berry) lässt es in "X-Men 3" ordentlich krachen ...
Wetterhexe Storm (Halle Berry) lässt es in "X-Men 3" ordentlich krachen ... (Twentieth Century Fox)

Magneto (Sir Ian McKellen), Herr über das Metal, ruft angesichts der Bedrohung durch das "Heilmittel" alle Mutanten zum Kampf gegen die Menschheit auf.
Magneto (Sir Ian McKellen), Herr über das Metal, ruft angesichts der Bedrohung durch das "Heilmittel" alle Mutanten zum Kampf gegen die Menschheit auf. (Twentieth Century Fox)

Mutiert vom einsamen Wolf zum Anführer der X-Men: Wolverine (Hugh Jackman)
Mutiert vom einsamen Wolf zum Anführer der X-Men: Wolverine (Hugh Jackman) (Twentieth Century Fox)

Datum: 23.05.2006

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