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Klimt

Klimt

(tsch) Vorbei sind die Zeiten, als Kunstbeflissene aus nah und fern durch die Österreichische Galerie im Wiener Schloss Belvedere lustwandelten, um dort fünf der wichtigsten Gemälde des Malers Gustav Klimt zu bewundern. Der Grund: Nach einem jahrelangen Rechtstreit sind diese Werke, darunter zwei Porträts der Bankierstochter Adele Bloch-Bauer, deren Erbin Maria Altmann im Rahmen der Restitution von enteigneten Kunstschätzen während der Nazi-Zeit zugesprochen worden. Da sie sich in der Folge weigerte, die Bilder als Leihgabe in Wien zu belassen und die österreichische Regierung wiederum den angebotenen Kaufbetrag von rund 250 Millionen Euro nicht aufbringen konnte oder wollte, wurden die Klimts im Februar in die USA abtransportiert.

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Es wird wohl wie immer reiner Zufall sein, dass der Wahlfranzose Raoul Ruiz nun ausgerechnet jetzt die entsprechende Künstler-Biografie realisiert hat. Und damit befindet sich der Filmemacher ja auch in bester Gesellschaft, haben doch schon berühmte Kollegen wie Henri-Georges Clouzot ("Picasso"), Vincente Minnelli ("Vincent Van Gogh - Ein Leben in Leidenschaft") oder Carlos Saura ("Goya in Bordeaux") Ähnliches vollbracht und ihre filmischen Denkmäler gesetzt. Nun ist Gustav Klimt an der Reihe, faszinierender Mitbegründer der Wiener Sezession, der vor rund 100 Jahren mit seinen glänzend goldenen, oft abstrakten und vor allem erotischen Bildern mindestens so viel Empörung wie Begeisterung hervorrief.

Jetzt hat sich der gebürtige Chilene Raoul Ruiz, dem Arthouse-Publikum vor allem durch seine opulente Prost-Adaption "Die wiedergefundene Zeit" ein Begriff, dessen Leben und Wirken angenommen. Ruiz tut dies nicht in Form eines linear erzählten Biopics, er vermischt vielmehr Reales mit Traumsequenzen und springt zwischen den Zeitebenen hin und her. Dabei beschränkt er sich auf den Zeitraum zwischen 1900, jenem Jahr, in dem Klimt (grundsolide: John Malkovich) für sein Bild "Philosophie" auf der Pariser Weltausstellung mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wird, und 1918, dem Jahr, in dem der Sohn eines böhmischen Immigranten an den Folgen eines Schlaganfalls stirbt.

Die erste Einstellung zeigt denn auch das Sterbebett von Klimt, der in diesen letzten Stunden sein Dasein Revue passieren lässt, sich im Fieberwahn aber auch in wildeste Fantasien hineinsteigert. So trifft er in Paris mit Georges Méliès, einem der Gründerväter des Kinos, zusammen, und auch mit einer geheimnisvollen Tänzerin (betörend: Saffron Burrows), die ihre wahre Identität nie preisgibt und wohl als Sinnbild für die sexuellen Obsessionen des Malers zu verstehen ist.

Ganz im Gegensatz zur bodenständigen Figur der Emilie Flöge (eindimensional: Veronica Ferres), Freundin und Muse, die Klimt zwar beste Kontakte zu Wiens besserer Gesellschaft verschafft, dem Künstler selbst jedoch nur auf platonischer Ebene nahe kommt. Schließlich gibt es noch Begegnungen mit Kollegen wie Egon Schiele (schon ähnlich diabolisch wie der Vater: Kinski-Sohn Nikolai) und einem mysteriösen Sekretär (Stephen Dillane), der stets unvermittelt auftaucht und so etwas wie das borniert-rückschrittliche Beamtentum verkörpert.

Ansprechende (Wiener) Originalschauplätze, erlesen fotografiert von Kamera-Veteran Ricardo Aronowich ("Nachtblende"), und die unkonventionelle Erzählstruktur können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass "Klimt" - mit NRW-Geldern co-finanziert - lediglich eine klassische, selten wirklich originelle und weitgehend zäh dahin fließende Filmbiografie geworden ist. Zwar müht sich Malkovich, der hier schon zum dritten Mal mit Ruiz zusammenarbeitet, redlich, seiner Figur besonderen Glanz zu verleihen. Doch das bleibt ebenso Stückwerk wie Ferres' Versuch, ihrer kleinen, aber zumindest wichtigen Rolle ein wenig Tiefe zu verleihen. Dass man am Ende über Klimt genauso viel oder wenig weiß wie zuvor, fällt da eigentlich schon gar nicht mehr ins Gewicht.

Thomas Lassonczyk

Credits:
V:Arsenal, D / A / GB / F 2006, R: Raoul Ruiz, D: Stephen Dillane, John Malkovich, Veronica Ferres u.a.

Laufzeit: 98 Min.


Der österreichische Maler Gustav Klimt (John Malkovich) erhält im Jahre 1900 auf der Pariser Weltausstellung die goldene Medaille für sein Werk "Philosophie".
Der österreichische Maler Gustav Klimt (John Malkovich) erhält im Jahre 1900 auf der Pariser Weltausstellung die goldene Medaille für sein Werk "Philosophie". (Arsenal)

Emilie Flöge (Veronica Ferres) war Klimts engste Vertraute.
Emilie Flöge (Veronica Ferres) war Klimts engste Vertraute. (Arsenal)

Die Beziehung zwischen Emilie Flöge (Veronica Ferres) und Gustav Klimt (John Malkovich) war rein platonischer Natur.
Die Beziehung zwischen Emilie Flöge (Veronica Ferres) und Gustav Klimt (John Malkovich) war rein platonischer Natur. (Arsenal)

Datum: 24.05.2006

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Diskussion: "Klimt"

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