Hugh Jackman
"Ich war ein Außenseiter"Schauspieler Hugh Jackman (tsch) Er ist ein kerniger Kerl mit breitem, lautem, gewinnendem Lachen und funkelndem Blick. Der französischen Zeitung "Le Figaro" antwortete er einmal auf die Frage, ob er tatsächlich mit 750 Frauen geschlafen habe, dass wohl weit über 1.000 gewesen waren. Das habe er schnell bereut, sagt er heute, denn der Witz wurde todernst genommen. Hugh Jackman stand als Prahler da. Dabei ist er doch eher der sympathische, markige Australier und natürlicher Hollywood-Beau zugleich. Fünfmal in Folge wurde er zu einem der 50 attraktivsten Schauspieler der Welt gewählt. Seine bisher bekannteste Rolle bringt ihn nun erneut ins Kino: Als gutherziger, aber durchaus schlagkräftiger Mutant Wolverine sorgte er bereits in den ersten beiden "X-Men"-Filmen für ausverkaufte Kinosäle. In "Der letzte Widerstand" geht die Marvel-Trilogie nun ihrem Ende zu. Im Interview verrät Hugh Jackman, dass es für ihn trotzdem eine Zukunft in der Rolle des Wolfsmenschen gibt, was seine größte Errungenschaft ist und wieso er sich als Fußballnarr fühlt. Anzeige teleschau: Bei Comic-Verfilmungen gibt es stets das Problem, dass die Fangemeinde besonders kritisch auf die Leinwand-Adaption schaut. Denken Sie, dass sie diesmal wohlwollend reagiert? Hugh Jackman: Das Grundproblem ist, dass wir 40 Jahre Comic-Geschichte vor uns liegen haben und nur drei Filme mit einer Gesamtlauflänge von sechs Stunden. Natürlich muss in ihnen eine Verdichtung, Verengung, Kürzung vorgenommen werden. Und dass nun im dritten Teil, dem großen Finale, einiges weggelassen und anderes hinzugenommen wurde, ist kein Anzeichen dafür, dass wir dem Comic untreu geworden sind, sondern dass die Dramaturgie es erforderte. Es musste einfach episch werden. teleschau: Bret Ratner löste Bryan Singer, der für die ersten beiden "X-Men"-Filme verantwortlich zeichnete, auf dem Regiestuhl ab. Befürchteten Sie, dass Ratner versagen könnte? Jackman: Im Gegenteil: Bret und Bryan sind gute Freunde. Es war natürlich eine schwierige Entscheidung für Bryan, sich lieber "Superman Returns" zuzuwenden. Aber Bret hat tolle Arbeit abgeliefert. Es gehörte viel Mut dazu, um neu und mit so viel Courage in eine bereits sehr erfolgreiche Filmreihe einzusteigen. Zudem maßte er es sich nicht an, alles umzuwerfen und die "X-Men" neu zu erfinden. Während Bryan seine eigenen Erfahrung einbringen konnte, quasi als homosexueller Mann einer Minderheit anzugehören, ließ Bret seine Vielseitigkeit und Leidenschaft einfließen. Schauen Sie sich seine Filme an: von "Roter Drache" über "Family Man" und "Rush Hour" hin zu "X-Men 3". Was für eine Mischung! teleschau: Inwiefern hatte Ratner die Freiheit, seine eigenen Ideen miteinzubringen? Jackman: Er brachte es schon vor den Dreharbeiten trocken auf den Punkt: Der Film solle mehr Spaß machen, mehr sexy sein als die Vorgänger und mehr Gefühl zeigen. Da hatte er sich was vorgenommen! Trotzdem orientierte er sich stark an Bryans Vision. teleschau: Es gibt Gerüchte, dass Sie ein neues Filmprojekt über Ihren "X-Men"-Charakter Wolverine planen. Jackman: Ich entwickle "Wolverine" gerade mit dem Filmstudio Fox und werde den Film selbst produzieren. Wir haben schon zwei erste Drehbuchfassungen von David Benioff, einem der heißesten Autoren Hollywoods, vorliegen. Der Zeitpunkt scheint ideal, zumal das Publikum den Charakter schon lieb gewonnen hat. Mit seiner Lebensgeschichte und Rolle als Außenseiter gibt es genügend Stoff, um ein Prequel, das zeitlich vor der "X-Men"-Trilogie ansetzt, zu drehen. teleschau: Wie schwer waren die Verhandlungen mit den Studiobossen bei "X-Men 3"? Jackman: Tom Rothman von Fox ist unglaublich ehrlich zu mir. Das erwartet man üblicherweise nicht von Studiochefs. Nicht ohne Grund kam die gesamte Schauspielerriege wieder zurück für den dritten Teil, denn vertraglich gebunden waren wir ja nicht. Sehen Sie es mal so: Wir sind auch alle froh darüber, dass wir an etwas teilhaben, was sich super an den Kinokassen macht. Das ist jedenfalls besser, als um seinen Job bangen zu müssen. teleschau: Spielt Freundschaft dabei auch eine Rolle? Jackman: Ja! Glauben Sie mir: Mit Ian McKellen und Patrick Stewart Seite an Seite zu spielen, ist für mich wie mit Robert De Niro und Al Pacino gleichzeitig vor der Kamera zu stehen. McKellen war immer mein Vorbild: Als traditionsreicher englischer Theaterschauspieler hat er mich immer schon umgehauen. Und ich sage Ihnen eines: Patrick Stewart schmeißt Partys, wie es kein 21-Jähriger vermag! Er ist ein echter Steher! Geben Sie ihm ein paar Drinks, und er geht ab. Nur als Tipp ... teleschau: Grundthema der "X-Men"-Filme ist der Umgang mit Minderheiten und wie sie selbst mit ihrer Außenseiterrolle umgehen. Wie engagieren Sie sich für Minoritäten? Jackman: Ich unterstütze mit ganzer Leidenschaft und meinem persönlichen Herzblut eine Minderheit mit dem Namen "Australische Fußballnationalmannschaft" (lacht). teleschau: Wieso fasziniert Sie Fußball so sehr? Jackman: Ich bin ein echter Fußballnarr. Und in den letzten Jahren bin ich auch nicht mehr alleine damit in den USA. Vor allem der Frauenfußball erfreut sich wachsender Beliebtheit. Es gibt wohl nur wenige amerikanische Mädchen, die nicht Fußball spielen wollen. Ich wuchs in meiner Heimat Australien mit dem Sport auf, schaute alle möglichen Spiele, trainierte selbst, bis ich zehn Jahre alt war. Dann wechselte ich zum Rugby, doch mein Herz blieb irgendwie am Fußball hängen. teleschau: Was ist das erste Spiel, an das Sie sich erinnern können? Jackman: Ich erinnere mich, dass Australien mal bei der Fußball-WM 1972 dabei war. Ich war damals gerade mal vier Jahre alt. Aber es kommt mir so vor, dass wir fußballverrückter sind als die Deutschen und Engländer zusammen. Das ist halt so: Wir lieben es, die absoluten Außenseiter zu sein. teleschau: Haben Sie sich selbst einmal in einer Außenseiterrolle gewähnt? Jackman: Als sich meine Eltern trennten, war ich acht Jahre alt. Meine Mutter verließ uns, und mein Vater musste sich um fünf Kinder kümmern. Im Grunde kam ich mit der Trennung ganz gut klar, obwohl Scheidungen damals noch nicht weit verbreitet waren. Ich erinnere mich aber daran, wie ich am nächsten Tag in die Schule ging und mich unwohl fühlte, weil die anderen Schüler die ganze Zeit tuschelten. Ich hatte Angst, dass ich für sie jetzt ein Freak sein könnte, weil meine Mutter uns verlassen hatte. Und dann habe ich auch noch als Einziger in meiner Klasse nicht "Star Wars" gesehen, weil ich noch nicht alt genug war und mein Vater strikt auf die Altersfreigabe achtete. teleschau: Worauf sind Sie besonders stolz? Jackman: Ich habe eine wunderbare Familie, bin seit zehn Jahren verheiratet. Bei unserer Hochzeit gab uns der Pastor den simplen Tipp: 'Überlegt Euch bei jeder Entscheidung, ob sie gut für Eure Ehe ist.' Das beherzige ich - und es klappt wunderbar. Meine Frau hat keinerlei Probleme mit all den Liebesbriefen, die hin und wieder eintreffen, oder dass ich zum Beispiel mit Halle Berry vor der Kamera stehe. Nur einmal gab es eine kritische Situation: Als ich "Passwort: Swordfish" drehte, wurde in einer Szene simuliert, dass mich meine Filmpartnerin unter dem Tisch oral befriedigt. In diesem Moment kam meine Frau ans Set und meinte nur: Ich werde ja bezahlt, also solle ich es genießen. Wie peinlich! Aber gerade haben wir unser rundes Jubiläum gefeiert. Zehn Jahre Ehe ist vielleicht im Allgemeinen nichts Herausragendes, aber in Hollywood müsste man damit eigentlich schon die Goldene Hochzeit feiern. teleschau: Haben Sie zu diesem Anlass gesungen? Jackman: Ich singe sehr gerne, und bin auch ein ambitionierter Klavierspieler. Deswegen möchte ich unbedingt wieder zurück zur Theater- oder Musicalbühne. Aber nötig hätte ich es eigentlich nicht, ich arbeite nur noch zum Spaß an der Freude. Eigentlich habe ich genug Geld, um mit meiner Familie bis zum Lebensende sehr komfortabel zu leben. teleschau: Stimmt es, dass Ihr Schwager mal Ihr Stuntman war? Jackman: Sein Name ist Richard Bradshaw und er ist ein wirklich tolles Double. Er macht einen erstklassigen Job. Doch beim Dreh von "Van Helsing" zog er sich einen doppelten Beinbruch zu. Meine Schwester hat mir dann klar gemacht, dass ich doch in Zukunft meine Stunts lieber selber machen solle. Leif Kramp |
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