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X-Men 2

X-Men 2

(tsch) Das könnte ein ziemlich fantastischer Abend werden: Ehe in der Spätvorstellung die "X-Men" zum dritten und wohl auch letzten Gefecht rüsten, zeigt RTL den Vorgänger "X-Men 2" (2003) passend zum heutigen Kinostart als Free-TV-Premiere. Die volle Marvel-Mutantendröhnung, wenn man so will. Also: Hirn aus, Augen auf. Es darf gestaunt werden.

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Gleich zu Beginn wird klar, dass hier nicht mit digitaler Tricktechnik gekleckert, sondern geklotzt wird. In einer grandios inszenierten Eröffnungssequenz liefert sich der blauhäutige Nightcrawler (Alan Cumming) einen packenden Kampf mit den Sicherheitsbeamten des Präsidenten. Akrobatisch hüpft der Mutant, der eigentlich Kurt Wagner heißt, aus München stammt und sicherlich zu den interessantesten Neuzugängen zählt, von Wand zu Wand oder teleportiert sich in Sekundenschnelle von einem Ort zum anderen. Zurück bleiben dunkle Verpuffungswolken und das Gefühl, alles noch einmal in Zeitlupe sehen zu wollen.

Ebenso rasch wie Nightcrawler verflüchtigen sich aber auch die Zweifel, die der steril und farblos wirkende Vorgänger hinterlassen hat. Regisseur Bryan Singer nutzt in "X-Men 2" die Chance, die Figuren und ihre Fähigkeiten nicht mehr ausführlich und langatmig vorzustellen. Stattdessen sind Spannung und Kurzweil angesagt, 133 Minuten lang. Was nicht zuletzt an der verzwickten Geschichte liegt, die hier erzählt wird. Durch einen perfiden Plan will der fanatische Mutantenhasser und Präsidentenberater William Stryker (Brian Cox) alle X-oten auf der Erde auslöschen.

Um die Gefahr zu bannen, müssen sich die X-Men mit ihrem Erzfeind Magneto (anziehend charismatisch: Sir Ian McKellen) verbünden. Der konnte dank der Vielseitigkeit seiner Assistentin Mystique (Rebecca Romijn-Stamos) aus seinem Plastikgefängnis ausbrechen. Weitere Story-Plots sind Wolverines (Hugh Jackman) Suche nach seiner traumatischen Vergangenheit, die Beziehung zur Telepathin Jean Grey (Famke Janssen) und die ersten Liebesbande der Gen-Teens Rogue (Anna Paquin) und Iceman (Shawn Ashmore). Alles in allem ein großes Treffen der Mutanten-Generationen also.

In der Unzahl an Charakteren und Handlungsfäden, die erst gegen Ende zu einer stringenten Story zusammengewoben werden, liegt dann auch eine der größten Schwächen von "X-Men 2". Nur selten gelingt es Singers Figuren, aus dem Gefängnis ihrer natürlichen Comic-Zweidimensionalität auszubrechen. So wird Oscar-Gewinnerin Halle Barry in ihrer Rolle als weißhaarige Wetterhexe Storm nur marginal wahrgenommen. Der junge Iceman hat seinen größten Auftritt, als er eine Flasche Limonade für Wolverine kühlen darf. Eisig ist daher die emotionale Bindung zu den Charakteren.

Doch bissige Kommentare, eine Prise schwarzer Humor und bombastischen Spezialeffekte, die wohl nur noch vom dritten Teil übertroffen werden, lassen großzügig über dieses Manko hinwegsehen. Schließlich liefert "X-Men 2" perfektes Action-Popcorn-Kino, das zudem gesellschaftskritische Themen wie Intoleranz und Angst vor dem Unbekannten anspricht - etwas, das die Kollegen "Spider-Man" und "Daredevil" bisweilen schmerzlich vermissen ließen.

Gerd Hilber



Wehe, wenn er losgelassen wird: Wolverine (Hugh Jackman) wütet unter den Schergen von Stryker.
Wehe, wenn er losgelassen wird: Wolverine (Hugh Jackman) wütet unter den Schergen von Stryker. (RTL)

Der ehemalige Armeekommandant Stryker (Brian Cox) hält den Schlüssel zu Wolverines Vergangenheit und der Zukunft der X-Men in der Hand - er verkörpert den bösartigsten Gegner aller Mutanten auf Erden und strebt sogar die Weltherrschaft an.
Der ehemalige Armeekommandant Stryker (Brian Cox) hält den Schlüssel zu Wolverines Vergangenheit und der Zukunft der X-Men in der Hand - er verkörpert den bösartigsten Gegner aller Mutanten auf Erden und strebt sogar die Weltherrschaft an. (RTL)

Brainpower statt Muskelkraft: Professor Xavier (Patrick Stewart) ist ein mächtiger Telepath.
Brainpower statt Muskelkraft: Professor Xavier (Patrick Stewart) ist ein mächtiger Telepath. (RTL)

Datum: 25.05.2006

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