(tsch) Mel Gibson kann vieles spielen: Den Dandy, den harten Actionstar oder einen Mann, der plötzlich die Gedanken der Frauen hören kann. Doch nebst aller Harmlosigkeiten hat er sich längst den zweifelhaften Ruhm eines Provokateurs erworben. "Die Passion Christi" war ein Beispiel dafür. "Wir waren Helden" (2002) ein anderes. Auch hier setzte sich der mittlerweile 50-Jährige harscher Kritik aus. Doch der Film basiert auf einem authentischen Erlebnisbericht. In ihrem Buch "We were soldiers once ... and young" beschrieben Lieutenant Colonel Hal G. Moore und der Reporter Joe Galloway die erste Schlacht des Vietnamkrieges am 14. November 1965 in ihrer ganzen Grausamkeit.
Anzeige
Gibson, bestbezahlter australischer Schauspieler, ist in der Rolle des Colonel Hal G. Moore zu sehen, eines erfahrenen Militär-Strategen, der "seine Jungs" in die erste Schlacht des Vietnamkrieges führt, in der US-amerikanische Militärs auf den Vietcong trafen. 400 US-Soldaten kämpften gegen etwa 2.000 auf vietnamesischer Seite. Die Schlacht im Ia Drang-Tal ging als eines der blutigsten Gefechte des Vietnam-Krieges in die Geschichte ein.
Zwar hat die menschenverachtende Brutalität der Kampfszenerie deutlich kriegskritische Tendenzen, doch was bleibt, sind die Eindrücke des heldenhaften Protagonisten. Der betet vor der Abreise in den Pazifik, der liebe Gott solle seine Männer schützen, aber die Stoßgebete der Gegner ungehört verhallen lassen, damit seine Soldaten die Vietnamesen schnell und nachhaltig besiegen könnten.
Colonel Moore versteht sich als militärische Vaterfigur. Erprobt ist er: In seiner bescheidenen Unterkunft tobt fast ein halbes Dutzend Kinder um die Kampfstiefel des Superdaddys herum. Für Moore ist es Ehrensache, als Erster das Schlachtfeld zu betreten und es als allerletzter Soldat zu verlassen.
So geschieht es auch nach aufzehrenden, verlustreichen Tagen und Nächten des Napalms und der Schrecken in Vietnam. Am Ende weint der Mann, der freilich ab der ersten Minute ein Sympathieträger ist. Doch Moore weint, weil nicht auch er gestorben ist - mit seinen Männern. Regisseur Randall Wallace (Drehbuchautor von "Braveheart") beleuchtet in realistischen Bildern die Szenerie auf beiden Seiten der Front, freilich kann kein Zweifel daran bestehen, aus welcher Perspektive der Film von Leid, Tod und Verzweiflung erzählt.
Jasmin Herzog
Randall Wallace hat seinen Film im Original schlicht "We Were Soldiers" genannt. Dennoch: Hal Moore (Mel Gibson) ist ein Held, wie er im Buche steht. (ARD / Degeto)
Hal Moore (Mel Gibson, links) kämpft für sein Vaterland in Vietnam. (ARD / Degeto)
Schon bald muss Moore (Mel Gibson, links) erkennen, dass alle seine Befürchtungen Wirklichkeit zu werden scheinen. (ARD / Degeto)
Gerne wird von Künstlern behauptet, sie seien Spinner - arrogant, realitätsfern, abgedreht oder sogar pervers. Der Maler Vincent van Gogh schnitt sich ein Ohr ab, der Lyriker Baudelaire setzte sich ständig ...
Es schien nicht einfach zu werden: Als Bernd Eichinger sich nach langer Suche schließlich entschieden hatte, dass "Lola rennt"-Regisseur Tom Tykwer das mit 50 Millionen Euro bislang teuerste deutsche Filmprojekt ...
Der bucklige Glöckner von Notre Dame liebt die schöne Zigeunerin Esmeralda, die als Hexe verfolgt wird. Bei ihm findet die hübsche Vertreterin der schwarzen Magie Unterschlupf, bis treffsichere königliche ...
Ein Waisenjunge, der sich alleine durchschlagen muss. Wer die Geschichte von "Oliver Twist" kennt, kommt nicht darum herum, Parallelen zum Leben des Regisseurs Roman Polanski zu sehen. Der verlor seine ...
Luchino Viscontis (1906-1976) Filme sind in der von ihm vorgesehenen Originalversion kaum bekannt. In Italien wie in Deutschland griffen die Zensoren zur Schere, ließen umstrittene Stellen abdunkeln oder ...
Kommt der Hochmut vor dem Fall? Nach dem Anschauen von Julian Fellowes' Filmerlebnis "Geliebte Lügen" von 2005, das nun als DVD auf den Markt kommt, muss dieser Satz neu überdacht werden. Eine Menage à ...
Anzeige
Konzert-DVD im Stream Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream